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Heute erscheint eine Jubiläumsausgabe des Romans von Siegfried Lenz / 2019 kommt eine Neuverfilmung ins Kino

50 Jahre „Deutschstunde“

HAMBURG/LONDON. Nachkriegsromane verblassen oft mit den Jahren und geraten in Vergessenheit. Anders die „Deutschstunde“. Der größte literarische Erfolg von Siegfried Lenz (1926–2014) erschien vor 50 Jahren – Anlass für den Hamburger Verlag Hoffmann und Campe, eine besonders gestaltete Jubiläumsausgabe herauszugeben.

veröffentlicht am 13.08.2018 um 18:03 Uhr

Siegfried Lenz. Foto: dpa

Autor:

Matthias Hoenig

Erstverkaufstag ist Dienstag, 14. August. Und Erfolgsregisseur Christian Schwochow („Bad Banks“), derzeit in London, hat eine Neuverfilmung gedreht. Sie wird 2019 ins Kino kommen (und später im ZDF gezeigt).

„Ich glaube dass der Roman seine Wirkkraft mit historischer Distanz noch verstärkt, weil uns ja kaum was übrig bleibt, als uns über Erzählungen, Geschichten, über Romane auch mit unserer Vergangenheit auseinanderzusetzen“, sagt Günter Berg. Er hat Lenz sehr gut gekannt, war Verleger bei Hoffmann und Campe und hat den Kommentarband zur Werkausgabe der „Deutschstunde“ verfasst.

„Wenn es immer schwieriger wird, jungen Leuten die Zwänge und die Situation der Vorkriegs- und Kriegszeit zu erklären, dann ist die „Deutschstunde“ nach wie vor als ein Pflichterfüllungsroman sozusagen immer noch fast unschlagbar, sagt Berg, der auch Vorstand der Siegfried Lenz Stiftung ist.

Rückblende: Es ist das Jahr 1968, die Studentenproteste sind auf dem Höhepunkt. Autoritäten werden infrage gestellt. Die junge Generation prangert das lange Schweigen der Väter über die NS-Zeit an und fordert endlich eine Aufarbeitung der jüngeren deutschen Geschichte. In diesem gesellschaftlichen Umfeld erscheint Lenz‘ „Deutschstunde“. Es ist die Geschichte des jungen Siggi Jepsen, der in einer Jugendstrafanstalt einen Aufsatz „Über die Freuden der Pflicht“ schreiben soll. Und da er so viel zu erzählen hat, gibt er zunächst ein leeres Blatt ab. In einer Arrestzelle schreibt er sich dann die Seele frei: Über seinen in der NS-Zeit verblendeten Vater, der als Dorfpolizist an der deutsch-dänischen Grenze ein Malverbot gegen einen befreundeten Künstler durchsetzen will – und dabei noch auf das Denunzieren des Sohnes hofft, der bei dem Maler wie zu Hause ist.

Lenz hält mit seinem Roman der deutschen Gesellschaft den Spiegel vor. Es geht um Vergangenheitsbewältigung, aber auch um einen Vater-Sohn-Konflikt, zudem um das Verhältnis von Kunst und Macht. Und Lenz versetzt die Handlung in eine norddeutsche Landschaft, die er sprachlich so faszinierend wie symbolträchtig beschreibt.

Der Roman ist auf Anhieb ein Bestseller, hält sich monatelang in den Bestenlisten. Inzwischen sind nach Verlagsangaben mehr als 2,2 Millionen Exemplare verkauft, der Roman ist in mehr als 20 Sprachen übersetzt. Drei Jahre nach Erscheinen verfilmt der renommierte Regisseur Peter Beauvais den Roman als TV-Zweiteiler für die ARD.

Jetzt ist Schwochow (39) – er hat zufällig am Erscheinungstag der „Deutschstunde“ am 23. September selber Geburtstag – das Wagnis einer Neuverfilmung eingegangen. Schon lange hatte er die Idee: „Ich war gerade am Ende meiner Zeit an der Filmhochschule und habe gedacht: Das wäre ein Stoff, der mich für eine Verfilmung interessieren würde.“ Schwochow schwebte ein Film vor über den Zweiten Weltkrieg und die Frage nach falsch verstandener Pflichterfüllung, „die wie ein Gift unter das deutsche Volk gebracht wurde“.



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