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Uraufführung am Schauspielhaus: Autor Nis-Momme Stockmann spricht über sein neues Stück

400 Seiten Text in fünf Stunden Theater

Hannover. Nis-Momme Stockmann ist ein beredter Mann: eloquent, freundlich, erklärungsbereit. Doch wer sich mit ihm über sein neues Theaterstück unterhält, der ist sich am Ende eigentlich nur bei einem einigermaßen sicher: Was der für Nichtfriesen exotisch klingende Vorname bedeutet – und dass sich Nis wie Niss spricht. „Nis steht für Dionysos, ist also ein Theatername. Und Momme heißt, glaube ich, Geist oder Gespenst.“ Seine Mutter sei eine etwas hippieske Zugereiste gewesen, die bei den Vornamen ihrer Kinder „ins Volle gegriffen hat“.

veröffentlicht am 10.09.2012 um 17:32 Uhr
aktualisiert am 29.10.2016 um 21:41 Uhr

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Autor:

Rainer Wagner
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Worum es in seinem Stück „Tod und Wiederauferstehung der Welt meiner Eltern in mir“ geht, werden der Dichter und sein Publikum erst bei der Premiere am Samstag im Schauspielhaus erfahren. Denn Stockmann weiß noch nicht, was geblieben ist von seinem Text. Aber er weiß, dass er mit seinem neuen Werk das Theater vor eine Herausforderung stellt. Mittlerweile gibt es die vierte Version – Intendant und Regisseur Lars-Ole Walburg hat deshalb die ursprünglich fürs Frühjahr geplante Uraufführung auf den Auftakt zur neuen Saison verlegt.

Fast 400 Seiten umfasst der Text: „Ich habe ganz schamlos gesagt, hier habt ihr’s – ohne Rücksicht auf den Endverbraucher.“ Der wird bei der Premiere in fünf Stunden (samt zwei Pausen) erleben, wie Stockmanns Versuch ausfällt, „etwas zu beschreiben, was vermutlich nicht zu beschreiben ist“. Seine Zusammenfassung: „Ich will die Untiefen unseres modernen Lebens erfassen, unsere Zwänge, unsere Neurosen, unsere Fragestellungen und unsere Dämonen.“ Es geht um die Krise des Kapitalismus, die für Stockmann „vor allem eine Krise der Werte“ ist. Inspiriert zu dieser theatralischen Kapitalismuskritik wurde er in Frankfurt, wo er drei Jahre lang Hausautor am Frankfurter Schauspiel war, das im Schatten von Bankhäusern liegt.

Seine erste Theatererfahrung machte der 32-Jährige, der in Wyk auf Föhr aufgewachsen ist, spät. Als Gymnasiast hat er „Antigone“ gesehen, am Schleswig-Holsteinischen Landestheater. Er habe sich aber nie für Theater interessiert: „Ich glaube, ich tue es auch heute immer noch nicht.“ Was eine eigenwillige Aussage eines Schriftstellers ist, der nach seinem Theaterdebüt mit „Der Mann der die Welt aß“ im Dezember 2009 als große Entdeckung gefeiert wurde.

Weil es in seiner Kindheit und Jugend auf der Insel Föhr wenig Kultur gab, habe er „wahnsinnig viel gelesen“ – und angefangen zu schreiben. „Als ich schreiben konnte, habe ich auch Geschichten geschrieben“, sagt Stockmann. Das sei für ihn ganz logisch gewesen. Wenn man lesen könne, könne man doch auch etwas schreiben, was andere lesen. „Ich wusste gar nicht, dass das ein Beruf sein kann, fürs Theater zu schreiben. Das war nie geplant“, sagt er. Er schrieb Prosa, Lyrik, („Gedichte für Mädels, mit Reim und mit allem Pipapo“) und sei „ins Theater reingerutscht“.

Seine Texte siedelt er selbst im fantastischen Realismus an. „Alles spielt in unserer Welt und beschreibt heutige Gefühle, aber diese Geschichten stehen immer mit einem Bein in einer Alternativwirklichkeit.“ Vier Jahre lang hat er Medienwissenschaften studiert, hat Kurzfilme gedreht, gebloggt und schreibt an einem Roman. Sein Wunschberuf: Schriftsteller.

Sein neues Stück ist ein Abend in drei Teilen und zwölf Liedern. „Ich bin gespannt, was der Regisseur daraus macht.“ Ob es fair sei, das vermeintlich Unmögliche zu fordern, meint er fröhlich und lakonisch, es sei sein Job, dem Regisseur Impulse und Ideen vorzulegen: „Theater ist Reibung.“

Morgen gibt es im Schauspielhaus Hannover um 11.30 Uhr eine öffentliche Probe, die (mit zwei Pausen) etwa fünf Stunden dauern wird. Die Uraufführung am Samstag beginnt um 17 Uhr.



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