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Ein gut gelaunter Phillip Boa rockt mit seinem Voodooclub die Sumpfblume

15-mal „Albert is a headbanger“

veröffentlicht am 15.04.2018 um 17:59 Uhr

Stilvoll im schwarzen Anzug: Phillip Boa. Das Publikum in der Sumpfblume tanzt. Foto: jed
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Martin Jedicke Reporter
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HAMELN. Früher hat Phillip Boa schon mal das Publikum beschimpft oder einem Journalisten die Interviewaufnahme zerstört. Ein bisschen zickig ist er immer noch. Anweisung an die Fotografen: Keine Nahaufnahme des Meisters, nur mit Band und ausschließlich von der Seite. Nun denn.

Und dann tauchen Strahlersäulen die Band in rotes, blaues und grünes Licht. Natürlich von hinten, Boa bleibt eher im Dunklen. Andererseits: Der gebürtige Dortmunder hat am Freitagabend ausgesprochen gute Laune, dirigiert das Meer aus Armen und den vielstimmigen Publikumschor, streicht wiederholt seinen nur noch bis zum Mund reichenden Pony aus dem Gesicht, verschwindet aber nicht mehr hinter einer kinnlangen Haargardine, führt gar Seitengespräche mit den Fans der ersten Reihe, bis eine Reihe Bierflaschen von einem Stehtisch purzelt und mit lautem Klirren auf dem Boden landet. „Das war inszeniert, damit ich aufhöre zu reden“, stellt Boa trocken fest und kündigt den nächsten Song an. „Euphoria“ erzeugt genau diese Euphorie, mit der die meisten der 450 Gäste die Sumpfblume in eine kollektive Hüpfburg verwandeln. Dann noch „And then she kissed her“, was die Zugaben geradezu herausfordert: „I dedicate my soul to you“, „Diana“, „Container love“, „This Michael“ und wie immer als Abschluss „Kill your ideals“ – der passende Song „in unruhigen Zeiten“, sagt Boa und das brachiale Gitarrenriff unterstreicht, dass er das ernst meint.

Ernst meint er auch, dass der Gesang sich dem Song unterzuordnen habe. Vielleicht eine Schutzbehauptung in dem Wissen, keine übermäßig charismatische Stimme zu haben. Dennoch prägt das Zusammenspiel mit einer Sängerin – die längste Zeit war dies Boas frühere Ehefrau Pia Lund – die Lieder genauso wie der treibende Beat, über den sich ein poppiger Ohrwurmrefrain erhebt. Nach allerlei Vorgängerinnen übernimmt nun Vanessa Anne Redd den weiblichen Part. Zurückhaltender als Lund, also ganz in Boas Sinn. Nur bei „Atlantic Claire“ darf sie als alleinige Sängerin überzeugend in den Vordergrund treten. Boas Band, der Voodooclub, steuert die übliche Rockinstrumentierung aus Gitarre, Bass und Schlagzeug bei, Detlef „Toett“ Götte sorgt für Keyboardflächen, die daran erinnern, dass Boa seine ersten (auch internationalen) Erfolge zwischen 1985 und 1995 feierte. Dazu ein bisschen Electronica und Percussion, die auf einem Fass getrommelt einen metallischen Klang erhält.

Stimmungshöhepunkt muss „Albert is a Headbanger“ sein. Rhythmisches Kopfwackeln allüberall, der Refrain wird selbstverständlich mitgegrölt. Nach dem gesprochenen Part bittet Boa um Beruhigung („Psssst!“), bis das markante Riff neu startet. „Wir spielen jetzt noch 15-mal ‚Albert‘ und dann nichts mehr. Ist das ein Angebot?“ So kommt es nicht. Vielmehr wendet sich Boa entschuldigend an den Oberheadbanger vor der Bühne: „Du wirst echt enttäuscht sein über den nächsten Song.“ Der kann mit der Ballade leben, bekommen die Fans doch sonst eine erstaunliche Menge Indie-Rock-Hits.

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