weather-image
25°
„Einfach wirklich toll“

10. Hamelner Kunst-Schul-Wochen in der Galerie „arche“

HAMELN. So ein bisschen Werbung – dazu die Hoffnng, junge Menschen an die Galerie zu binden, bevor die Haare grau werden – stand sicher im Fokus der 1. Hamelner Schul-Kunst-Wochen. Das war 1998, als Bernd Schlüter als Kunsterzieher und der „arche“ als Künstler verbunden, etwas ins Leben rief, das nun in der Galerie am Haspelmathturm einen beachtlichen runden Geburtstag feiern konnte und im Biennale-Rhythmus bereits eine Null hinter die Eins setzen konnte.

veröffentlicht am 19.02.2018 um 11:07 Uhr

Lea Kramer vor „Das ästhetische Porträt“. Foto: fh
pe

Autor

Richard Peter Reporter
Weiterlesen für 20 Cent oder mit Ihrem Digital-Abo
Sie haben bereits ein Digital-Abo der DEWEZET? Dann melden Sie sich hier mit Ihren DEWEZET -Login an und lesen Sie den Text, ohne Ihn bei LaterPay bezahlen zu müssen.

Was die Jahre betrifft, eine 20. Ein bisschen wehmütig daher: Das letzte Mal, dass Schüler der Hamelner Gymnasien – diesmal ergänzt um die KGS Bad Münder – Gelegenheit finden, sich hier mit ihren Arbeiten einem breiten Publikum außerhalb der Schulflure, wie Schlüter formulierte, zu präsentieren. Eine etwas trügerische Hoffnung, wie er bekannte, denn die Jugend blieb der Galerie durch all die Jahre fern, so fern wie den meisten Institutionen, die sich Kultur auf die Fahnen geschrieben haben. Die Zeit für Abos und Mitgliedschaften beginnt erheblich später.

Was die Ausstellung – und peripher ein bisschen an die arche-Profis erinnernd – auszeichnet: die enorme Vielfalt der Themen und Techniken, die hier zu bestaunen sind – und wie die arche-Chefin Britta Samsen-Huch es formulierte: „wahnsinnig kreativ“. Und für Bernd Schlüter in seiner kurzen Einführung: „Einfach wirklich toll“. Dazu Danksagungen an Kollegen – vor allem an Holger Hagemann – und die arche, die „ihre wunderbaren Räumlichkeiten“, so Schlüter, „uneigennützig zur Verfügung gestellt hat“.

Dazu ein paar Beispiele aus der Vielfalt der Arbeiten herausgehoben, wie die beiden so unterschiedlichen Landschaften am Beginn der Langfront der Galerie, wie sie gegensätzlicher nicht sein könnten. Der schöne Schein einer romantischen Waldlandschaft im krassen Gegensatz zu einem Strandstück, das von Plastikmüll übersät ist. Utopie und harte Realität von Sara Pujlula Buhl und Jessica Guerreiro-Mendes in Nachbarschaft gesetzt. Reizvoll von Sonja Munzel als „Bild der Dinge“ mit Fotografien einer Obstschale mit Leuchter-Birne oder eine Lampe mit Buch als „Leuchtturm“ betitelt. Stillleben unter anderem von Ernely Phau als „malerisch“ vorgestellt – daneben Bleistiftstudien von Sophia Günther.

Zum letzten Mal: Die Schul-Kunst-Wochen in Hameln. Foto: fh
  • Zum letzten Mal: Die Schul-Kunst-Wochen in Hameln. Foto: fh

Liebenswert von Johanna Krause ein Aquarell mit Halbmond in Gold und einem kleinen Planeten mit Baum, der an den „kleinen Prinzen“ erinnert. Straßenszenen, darunter ein Amsterdam-Bild von Charlotte Lorenz oder „Das ästhetische Porträt“ von Lea Kramer – zwei Frauenbildnisse – und ein Masken-Aquarell von Adrian Pudelic. Im Vorraum in Pop-Art, knallrote Münder mit Lolli und Peperoni. „Werk-stadtcharakter“ nennt Paul Deutschmann am Treppenaufgang zur Galerie ein Puppengesicht mit leeren Augenhöhlen.

Eher düstere Landschafts-Experimente von Lena Zimmermann, die auch in einer Ausstellung der „arche“-Profis gezeigt werden könnten. Auf der schmalen Galerie der Galerie vor allem Radierungen und Michelangelos „David“ als Zeichnung von Sidney Sann. Ein schönes Blatt auch die „Strukturen aus Resten der Vergangenheit“ mit pastosen Farbflächen und einem vielfach gebrochenen Band aus feinsten Linien von Deva Chrastina. Im Turmraum ein Foto „Wald mit Boot aus Zweigen“ von Patricia Gerler, die ihre Arbeit von der ersten Idee über Veränderungen in einem Skizzenbuch dokumentiert.

Schul-Kunst-Wochen – und wahrscheinlich die letzten ihrer Art in der arche, „weil alles einmal ein Ende hat“, wie Schlüter ankündigte. Eigentlich schade.

Copyright © Deister- und Weserzeitung 2018
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

Mehr Artikel zum Thema
Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Anzeige
    Kommentare