weather-image
33°

Neue Leitung

René Pollesch soll Berliner Volksbühne übernehmen

Berlin (dpa) - Der Berliner Volksbühne wären womöglich einige Probleme erspart geblieben, wenn die Entscheidung gleich so gefallen wäre: Regisseur René Pollesch (56) wird neuer Intendant des Theaters am Rosa-Luxemburg-Platz. In zwei Jahren soll er das Haus übernehmen. Damit zieht einer ein, der das Theater lange kennt.

veröffentlicht am 12.06.2019 um 16:46 Uhr
aktualisiert am 14.06.2019 um 07:21 Uhr

Die Berliner Volksbühne mit dem Räuberrad bekommt einen neuen Intendanten. Foto: Britta Pedersen

Autor:

Julia Kilian, dpa

Denn Pollesch war viele Jahre unter Frank Castorf an der Volksbühne. Einem eigenwilligen Haus, mit starken Charakteren. Die Volksbühne liegt zwischen hippen Kleidungsläden und vietnamesischen Pho-Restaurants. Davor steht die legendäre Räuberrad-Skulptur. Polleschs Name kursiert seit Längerem.

Berlins Kultursenator Klaus Lederer (Linke) sagt am Mittwoch, ihm sei klar gewesen, dass die Neubesetzung eine der schwierigsten Entscheidungen seiner Amtszeit werde. In der Vergangenheit ist eine Lösung schon schief gelaufen. Es gab Kritik, eine Besetzung, einen Abgang und einen Aufräumer. Aber der Reihe nach.

Für ein Vierteljahrhundert war die Volksbühne das Haus von Castorf. Das bedeutete oft lange Abende mit Textschlachten, Videoleinwänden, Kunstblut. Nach 25 Jahren sollte der Museumsmacher Chris Dercon als Intendant Erneuerung bringen. Aus der Kulturszene aber schlug dem Belgier viel Skepsis entgegen. Ein paar Tage wurde das Haus besetzt.

Kritiker warfen Dercon vor, aus der Volksbühne eine Eventbude zu machen. Am Ende gab er seinen Posten nach nicht mal einem Jahr auf. Die Volksbühne kämpfte mit den Finanzen, einem fehlenden Ensemble, Lücken im Spielplan. Der als Geschäftsführer engagierte Klaus Dörr sprang als Intendant ein. Er verlässt das Haus, wenn Pollesch kommt.

Kehrt die Volksbühne nun also zu Castorfschen Wurzeln zurück? Pollesch wurde im hessischen Friedberg geboren und hat in Gießen Angewandte Theaterwissenschaften studiert. Der Autor und Regisseur hat an vielen Bühnen gearbeitet, experimentierfreudig eigene Stücke inszeniert, schon mal das Autokino zum Theater gemacht, Wortkaskaden und übergroße Hühner kombiniert.

Als seine Personalie verkündet wird, sitzt Pollesch mit Lederer im Roten Salon der Volksbühne. Pollesch liest einen Zettel vor. Er wolle seine Arbeitsweise inklusive aller «Sisters and Brothers in Crime» auf ein Haus übertragen und es auch für andere, nicht «stadttheatergeeignete Arbeitsweisen» öffnen. «Ich bin ganz klar von Castorf zu unterscheiden», heißt es in dem Papier.

Pollesch will mit Martin Wuttke, Kathi Angerer und Sophie Rois bekannte Schauspieler an die Volksbühne zurückholen. Er will mit Kostümbildnerin Ida Müller, Künstlerin Florentina Holzinger und Choreografin Constanza Macras arbeiten.

Senator Lederer sagte vor einem Jahr, alle seien sich einig, dass die Volksbühne «diverser, weiblicher, jünger werden» solle. «Und das wird sie mit René Pollesch», sagt Lederer. Für manche sei er einer der feministischsten Autoren der deutschen Bühnen. Pollesch will auch auf die zugehen, die 2017 die Volksbühne besetzt haben. Im Haus heißt es, man müsse mal sehen, ob er ein guter Intendant sei. Ein guter Regisseur sei er jedenfalls.

Man müsse sich keine Sorgen machen, sagt Pollesch, er sei nie alleine. Er sei auch als Regisseur und Autor nie alleine. In seinem Papier steht, was man fortsetzen könne an der Volksbühne, nämlich «weiterhin nicht alles richtig zu machen»: «Ganz klar zu stellen, dass man kein Theater managen wird, dass man nicht wie allerorten Theatereröffnungsfeste feiert, außer fürs Personal, keine Spielzeithefte herausgibt, sich nicht ordentlich verhält und nicht alles macht, was so erwartet wird.»



Copyright © Deister- und Weserzeitung 2019
Copyright © dpa - Deutsche Presseagentur 2019
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.


Anzeige
Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Anzeige
    Kommentare
    Kontakt
    Redaktion
    E-Mail: redaktion@dewezet.de
    Telefon: 05151 - 200 420/432
    Anzeigen
    Anzeigen (Online): Online-Service-Center
    Anzeigen (Telefonisch): 05151 / 200 - 666
    Abo-Service
    Abo-Service (Online): Online-Service-Center
    Abo-Service (Telefonisch): 05151 / 200 777

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt
    X
    Herzlichen Glückwunsch, Ihr Adblocker funktioniert!

    Wir verstehen, dass Sie nicht hier sind, um Werbung zu sehen.
    Aber Werbe- und Aboeinnahmen sind wichtig für unsere journalistische Arbeit.


    Unterstützen Sie unseren Qualitäts-Journalismus, indem Sie Ihren Adblocker deaktivieren
    oder sich mit einem gültigem Digital-Abo anmelden.

    Sie haben ein Digital-Abo? Hier anmelden!

    Noch kein Digital-Abo?