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Ohne Pathos und Bombast

Jubel für Thielemanns «Meistersinger» in Salzburg

Salzburg (dpa) - Dirigent Christian Thielemann, gerade 60 Jahre alt geworden, steht im Zenit seiner Karriere. Das zeigte der Chef der Sächsischen Staatskapelle Dresden wieder bei den Osterfestspielen Salzburg, wo er am Samstagabend eine umjubelte Neuinszenierung von Richard Wagners Oper «Die Meistersinger von Nürnberg» herausbrachte.

veröffentlicht am 14.04.2019 um 11:59 Uhr
aktualisiert am 15.04.2019 um 09:42 Uhr

Georg Zeppenfeld (l-r) als Hans Sachs und Klaus Florian Vogt als Walther von Stolzing in Salzburg. Foto: Barbara Gindl

Autor:

Georg Etscheit, dpa

Was Wagner angeht, ist Thielemann kaum zu schlagen - auch an diesem Abend im vollbesetzten Großen Festspielhaus nicht. Er hat bereits einen Altersstil entwickelt, seine Dirigierbewegungen sind ruhiger und konzentrierter geworden als früher, beinahe minimalistisch. Die ungeheure Vielfalt an Farben- und Formen in Wagners einziger komische Oper kostet der Dirigent, der auch künstlerischer Leiter der Osterfestspiele ist, in einem gemächlichem, aber niemals schleppenden Tempo feinschmeckerisch aus, ohne falsches Pathos und jeden Bombast.

Nicht ganz auf dem Niveau von Orchester und Chor agierte das Sängerteam. Georg Zeppenfeld schien in der Rolle des Sachs an seine Grenzen zu stoßen, während der Heldentenor Klaus Florian Vogt mit seinem vibratoarmen Timbre auch in Stolzings berühmtem Preislied die Herzen nicht unbedingt zu rühren vermochte. Die US-Sopranistin Jacquelyn Wagner klang als Eva manches Mal recht scharf. Lichtblicke im Festspielhaus waren der sehr differenziert-komödiantisch agierende und singende Adrian Eröd als Beckmesser und Sebastian Kohlhepp als David.

Jens-Daniel Herzog, Intendant des Staatstheaters Nürnberg und Regisseur des Abends, folgte zunächst willig dem von Thielemann vorgegebenen Primat der Musik. Er wählte als Interpretationsansatz das «Theater auf dem Theater», ließ seinen Bühnenbildner Mathis Neidhardt das Innenleben eines Stadttheaters auf die Bühne stellen mit Sachs als Regisseur einer «Meistersinger»-Inszenierung, Eva und Stolzing als Sängerstars und einem Chor von Bühnenarbeitern. Das bot zwar Gelegenheit für Situationskomik, aber keinen über die altbekannte Botschaft hinaus gehenden Deutungsansatz, dass es in den «Meistersingern» ja irgendwie um die Kunst geht.

Erst ganz zum Schluss gelingt Herzog dann doch noch ein kleiner Coup. Als Sachs, der tolerante Konservative, der selbstlose Förderer und Verteidiger Stolzings, auf der Festwiese zu seiner berüchtigten Eloge auf die hehre deutsche Kultur anhebt, wenden sich Stolzing und Eva erst verstört, dann sichtlich angewidert von ihm ab. So gibt es an diesem Abend neben dem blamierten Beckmesser noch mindestens einen weiteren Verlierer.



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