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Rolle in Strauss-Oper

Harald Schmidt: «Wo ich bin, ist Hochkultur»

Stuttgart (dpa) - Im Fernsehen feierte Harald Schmidt seine größten Erfolge - fünf Jahre nach dem unfreiwilligen Aus als Late-Night-Talker trauert er der eigenen Show im Fernsehen aber nicht nach.

veröffentlicht am 30.05.2019 um 12:00 Uhr
aktualisiert am 31.05.2019 um 10:22 Uhr

Harald Schmidt übernimmt eine Sprechrolle in der Oper «Ariadne auf Naxos». Foto: Bernd Weissbrod

Autor:

Linda Vogt und Christopher Hirsch, dpa

«Es langweilt mich, und das Fernsehen ist für mich ein Medium der Vergangenheit», betont Schmidt im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur.

Er kehrt zurück zu den Ursprüngen seiner Karriere: den Staatstheatern Stuttgart. Zum ersten Mal wird er dort auf der Opernbühne zu sehen sein. In der Oper «Ariadne auf Naxos» von Richard Strauss mimt er den Haushofmeister - eine Sprechrolle, die ihm nach eigener Einschätzung wenig Schauspielkunst abverlangt. «Ich komme sozusagen als Harald Schmidt auf die Bühne.» Er verkörpere einen snobistischen Manager - «das deckt sich relativ - glaube ich - mit dem Image, das viele von mir haben», erklärt er vor seinem Auftritt am Sonntag.

Harald Schmidt hat sich während seiner jahrzehntelangen TV-Karriere Legendenstatus erarbeitet. Nachdem er unter anderem «Schmidteinander» mit Herbert Feuerstein und «Verstehen Sie Spaß? » moderiert hatte, startete 1995 «Die Harald-Schmidt Show», und der Gastgeber avancierte zum prominentesten Zyniker des Landes. Mitunter erreichte der «deutsche David Letterman» zweistellige Einschaltquoten. Nach Wechseln zwischen Privat- und öffentlich-rechtlichem Fernsehen landete «Dirty Harry» schließlich wegen ständig sinkender Quoten bei einem Bezahlsender - am 13. März 2014 war dann endgültig Schluss.

«Fernsehen ist für mich uninteressant. Mir ist Fernsehen mittlerweile zu langsam», sagt Schmidt nun 2019. «Ich habe überhaupt nicht mehr das Bewusstsein, irgendetwas übers Fernsehen transportieren zu müssen. Heute ist ja jeder sein eigener Sender: Mit einem Handy sind Sie weltweit - wenn Sie die entsprechenden Netzwerke belegen wollen - rund um die Uhr auf Sendung.» Schmidt teilt sich über eine Videokolumne bei «Spiegel Online» mit, mitunter direkt aus dem Hotelzimmer. «Das ist eigentlich für mich das perfekte Format, weil ich sozusagen keinerlei Abstimmung mit irgendjemand habe. Keine Redaktionssitzung. Kein Chef. Kein Redakteur, der morgens um 11 Uhr noch nicht weiß, was die Schlagzeilen sind.»

Für seinen «Ein-Mann-Sender» könne er zur Zeit aus dem Vollen schöpfen, so der Entertainer. Das vieldiskutierte CDU-Video des YouTubers Rezo habe er in seiner Kolumne direkt verheizt: «Der Neuigkeitswert ist ungefähr der von einer durchschnittlichen Lokalzeitung vor einem dreiviertel Jahr.» Schmidt versteht sich als Materialsammler, der ständig auf Empfang ist. «Man ist schon immer auch ganz froh, wenn man mal so Andrea Nahles oder so weglassen kann.» Das sei zu berechenbar.

Deshalb nutzt Schmidt gern die Dreharbeiten für «Das Traumschiff» - im Gespräch mit Passagieren erfahre er «sehr, sehr gute Geschichten». Neben dem Kreuzfahrtdirektor Oskar Schifferle gab Schmidt auch schon einen Lord in einer Rosamunde-Pilcher-Verfilmung, nun folgt für vier Aufführungen der Abstecher nach Stuttgart für die Opern-Inszenierung von Jossi Wieler und Sergio Morabito aus dem Jahr 2013. «Das ist für mich derselbe Job. Das ist einfach ein unterschiedliches Genre.» Zwischen einer höheren und einer flachen Kultur möchte der ausgebildete Schauspieler ohnehin nicht unterscheiden: «Wo ich bin, ist Hochkultur. Verstehen Sie. Ich bin sozusagen Bayreuth auf zwei Beinen.»



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