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«Urgrün»

Geht Sarah Wiener als Politikerin nach Brüssel?

Berlin/Wien (dpa) - Macht es ihr zu schaffen, wie sich ihre alte Heimat entwickelt hat? Sarah Wiener sagt: «Seufz! Ja!»

veröffentlicht am 03.04.2019 um 15:41 Uhr
aktualisiert am 04.04.2019 um 18:11 Uhr

Sarah Wiener hat ein neues Ziel in Visier: Brüssel. Foto: Patrick Pleul

Autor:

Caroline Bock, dpa

Die Berliner Fernsehköchin und Unternehmerin ist in Österreich aufgewachsen. Jetzt kandidiert sie dort auf Platz 2 der Liste für die Grünen im Europawahlkampf. Nach Kochbüchern, Fernsehen, Restaurants, einer Bäckerei und einem Bauernhof heißt das Ziel: Brüssel.

Die Grünen erleben in Österreich, das in den vergangenen Jahren deutlich nach rechts gerutscht ist, nicht so einen Hype wie in Deutschland. Der Bundespräsident Alexander Van der Bellen kommt zwar aus ihren Reihen, aber die Grünen sind als Partei seit 2017 nicht einmal im österreichischen Parlament vertreten. Die Partei habe sich in den letzten Jahren leider selber «zerspragelt», sagt Wiener. Das ist Österreichisch und heißt hier so viel wie «zerlegt».

Dass sie Österreicherin ist, ist deutlicher zu hören als sonst. Vielleicht liegt es daran, dass Wiener gerade im Wahlkampf in ihrer Heimat unterwegs ist. Lange überlegen musste sie nicht, als der Grünen-Chef Werner Kogler sie für eine Kandidatur gewinnen wollte. «Ich halte diese EU-Wahl für extrem wichtig, wegen des Rechtsrucks, den wir jetzt erleben, aber auch wegen der Verabschiedung der gemeinsamen Agrarpolitik.» In Europa seien das genau die Themen, die sie brennend interessierten.

Wer in den vergangenen Jahren den Fernseher eingeschaltet hat, weiß es: Wiener setzt sich für Regionales und gesundes Schulessen ein. Sie ist der Öko unter den TV-Köchen, ein Medienprofi. Die Partei ist keine Überraschung. «Meine Werte sind urgrün», sagt Wiener im dpa-Interview. «Bei Grün denkt man als erstes an parteipolitische Scheuklappen. Aber ich bin mit der Friedensbewegung, der Anti-AKW-Bewegung, mit Tierschutz, Naturschutz und sozialer Gerechtigkeit aufgewachsen.» Das Interesse an diesen Themen habe sich bis heute nicht geändert.

Wie die 56-Jährige heute auf Österreich guckt? Die Familie und ihre langjährigen Freundinnen leben dort, es war für sie immer Heimat. «Österreich und besonders Wien sind meine Wurzeln. Deswegen habe ich als jemand, der jahrzehntelang nicht jeden Tag hier gelebt hat, einen sehr liebevollen und verklärten Blick auf das Land.»

Ihre politischen Ziele klingen sehr grün - etwa die Abschaffung der Förderungen für Landwirte, die nur rein nach Fläche subventioniert werden - egal, was sie mit diesen Flächen machen. Stattdessen sollte es ihrer Meinung nach «eine Prämie für das Richtige geben», also für Klimamaßnahmen, biologische Vielfalt, alte Nutztierrassen und den Dorfschutz. Außerdem geht es Wiener um Höheres: «den Schutz der demokratischen Werte, der Menschenrechte und das Recht der freien Meinungsäußerung, was ja auch gerade angeknabbert wird».

Die Chancen für die Grünen sind eher mittelgut. Derzeit gibt es drei Mandate aus Österreich, Umfragen sagen ein Mandat voraus. Die parteiinterne Hoffnung ist, dass sie zwei Abgeordnete unterbringen, also dann auch Sarah Wiener.

Falls es bei der Wahl Ende Mai klappt, möchte sie noch ein paar Sachen nebenbei machen können. «Aber der Plan ist tatsächlich, nach Brüssel zu ziehen und dort Politik zu machen.» Sie wisse, dass das EU-Parlament ein Arbeitsparlament und hochkomplex sei - «dass man da nicht kurz einfliegen und wieder rausfliegen kann, wenn man wirklich mitreden will». «Und das ist der Grund, warum ich rein will. Ich habe natürlich auch Respekt vor der Veränderung.»

Was wird aus Gut Kerkow, dem Bauernhof in Brandenburg, an dem sie beteiligt ist? Sie sei jetzt schon nicht diejenige, die auf dem Trecker sitze, sagt Wiener. «Ich bin sozusagen die «Chefideologin», die Visionen hat und mitentwickelt. So wie in meiner Firma: Ich bin nicht im Tagesgeschäft, weder in meinem Unternehmen noch auf meinem Bauernhof. Wir haben ein Spitzenteam. Meine Kolumnen, Bücher, Dreharbeiten, alles, was ich selber gemacht habe: Das werde ich zurückfahren müssen.»

Gerade hat Wiener ein Buch über Bienen geschrieben. Wird es den Tieren besser gehen, falls sie gewählt wird? «Wenn es nach mir geht, auf jeden Fall. Und mit ihnen auch allen anderen Insekten, Feldtieren und Vögeln.»



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