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Naturschützer stutzen Horst auf Molkereischlot

Storchennest bereit für Rückkehr von Adebar und Adele

HESSISCH OLDENDORF. Kurz vor der Heimkehr der Weißstörche aus dem Winterquartier ist das Nest auf dem Schornstein der ehemaligen Molkerei in Hessisch Oldendorf saniert worden. Ein Teil des stark nach Osten überhängenden Nestes wurde abgetragen. Nun ist das Nest bereit für die Rückkehr der Störche Adebar und Adele.

veröffentlicht am 14.02.2019 um 14:14 Uhr
aktualisiert am 14.02.2019 um 20:00 Uhr

Ein Blick von oben in das noch verwaiste Storchennest. Auffällig ist die Menge an Erde, die auf der Plattform liegt. Foto: Dietmar Meier
Frank Neitz

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Frank Neitz Reporter / Fotograf zur Autorenseite
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Ein fleißiger Handwerker ist er ganz gewiss. Wenn Meister Adebar der Meinung ist, dass hier und dort noch Ästchen in sein Nest gehören, dann legt er auch welche hin. Ein guter Architekt ist der Storch dabei allerdings nicht. Er baut einfach drauflos. Eben so, wie er will. Statik ist halt nicht sein Ding. Das hat man auch am Nest auf dem Schornstein der ehemaligen Molkerei gesehen. Der Nestbau war einfach zu gewaltig. Jetzt wurde der Horst saniert.

Imposant war es schon, was das Hessisch Oldendorfer Storchenpaar in den vergangenen Jahren nach und nach auf den hohen Schlot gepackt hatte. Aber schief war das Bauwerk zuletzt geworden, was auch dem Wind geschuldet war. Es war stark nach Osten hin verschoben. Und zu schwer wurde es mit der Zeit ebenfalls. Die Folge: Die Untere Naturschutzbehörde ließ im Rahmen von Artenhilfsmaßnahmen das Nest instand setzen.

„Das war eine versicherungstechnische Angelegenheit. Das Nest wurde immer höher. Der Schornstein musste entlastet werden“, erklärt Dietmar Meier vom Naturschutzbund Deutschland (Nabu). Der Regionalbetreuer für Weißstorchenschutz stand mit Rat und Tat zur Seite, als sich Gerd Kunze und Tobias Rosteck von der Dachdeckerei Junker am Horst zu schaffen machten.

Im letzten Jahr sah das Nest noch so aus. Foto: fn

Es ist beeindruckend, was für Ausmaße eine „Storchenburg“ annehmen kann. Ein aus Sicherheitsgründen vom Kirchturm im baden-württembergischen Mengen abgetragenes Nest hatte ein Gewicht von über zwei Tonnen, bei einem Durchmesser von 1,80 Meter und 1,90 Meter Höhe.

Solche Dimensionen hatte die Behausung von Adele und Adebar bei weitem nicht. Dennoch habe man rund zwei Kubikmeter Äste und Erde abgetragen, sagt Erhard Lefers, Mitarbeiter der Naturschutzbehörde. „Ich habe gestaunt, wie viel Erde im Nest lag“, meint der Naturschützer.

Zwei Drittel des Horstes wurden heruntergenommen, der Blitzableiter am Schlot freigelegt. Einmal oben, flochten die Dachdecker an der Westseite des Nestes aus Biotoppflegemaßnahmen stammende Weidenruten gleich mit ein und sicherten den Horst an vier bereits vor Jahren angebrachten Ankern.

Bleibt die spannende Frage, wie Adebar und Adele auf die erfolgte Renovierung ihres „Appartements“ reagieren werden. Die Vogelschützer griffen zu einem Trick, um den Tieren den erneuten Einzug schmackhaft zu machen. Sie gaukeln Adele und Adebar vor, dass das Nest schon benutzt war. „Wir haben den Nestrand mit weißer Farbe eingesprüht. Das soll wie Storchenkot aussehen und dem Vogel anzeigen, dass das Nest schon bewohnt war“, verriet Lefers.

Lange soll es nicht mehr dauern, bis die Schreitvögel wieder einfliegen. „Jetzt kommen erst einmal die Kraniche. Es gibt auch einen starken Gänserückflug. Ich gehe davon aus, dass auch die Störche nicht mehr lange auf sich warten lassen“, glaubt Meier. Seinen Optimismus nimmt der Storchenvater von den Wetterprognosen: „Bei der angekündigten Wetterlage mit Südwest-Winden über mehrere Tage werden die Rückenwind haben.“

Live-Bilder aus Storchennestern erfreuen sich im Internet großer Beliebtheit. Hätten die Naturschützer bei der Inspektion nicht auch eine Webcam installieren können? „Nein, das wollen wir nicht. Die Störche koten die Kamera sowieso schnell zu. Außerdem ist eine Kamera ein Anflughindernis. Den stellt schon der freigelegte Blitzableiter dar“, stellt Meier klar. Anders sei seine Meinung beim Nachbarnest in Wehrbergen. „Wenn es dort einmal klappen sollte, dass die Störche da richtig sitzen, kann man eine Webcam am Nachbargebäude installieren. Daran halte ich fest“, so der Mann vom Nabu.



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