weather-image
25°
Master-Studenten drehen Dokumentarfilm über diesen Ort mahnender Erinnerung

Der Bückeberg – ein unbequemes Denkmal

Emmerthal. „Der Bückeberg – das ist sicher ein unbequemes Denkmal. Aber es brennt mir auf der Seele, dass kaum jemand etwas darüber weiß. Vor allem, dass junge Leute keine Ahnung davon haben, was hier während der Nazizeit gewesen ist.“ Josefine Puppe, Archäologin und Germanistin, absolviert derzeit an der Europa Universität Viadrina in Frankfurt (Oder) den berufsbegleitenden Master-Studiengang „Schutz Europäischer Kulturgüter“ und hat es sich gemeinsam mit drei Kommilitonen zum Ziel gesetzt, die in der Bevölkerung bestehende Wissenslücke über das „Reichserntedankfest“, das von 1933 bis 1937 auf dem Bückeberg veranstaltet wurde, mit einem Dokumentarfilm zu schließen.

veröffentlicht am 10.06.2013 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 27.12.2017 um 14:09 Uhr

270_008_6390583_wolla_buecke.jpg

Autor:

Wolfhard F. Truchseß

Typisch für die Ahnungslosigkeit sei das Wissen sehr vieler Mitstudenten gewesen: „Sie wussten zwar etwas von Bückeburg und seinem Schloss, aber der Bückeberg und das Reichserntedankfest waren ihnen völlig unbekannt.“

In den vergangenen Tagen befragte das Team um die Produzentin Josefine Puppe und Regisseur Arne Cornelius Wasmuth, der 15 Jahre lang beim NDR-Fernsehen Regie führte, auch Menschen in Emmerthal, darunter auch Bürgermeister Andreas Grossmann und Domänenbetreiber Andreas Rieke, zu dessen landwirtschaftlichem Gelände der Bückeberg gehört, aber auch Anwohner, die direkt am Bückeberg gebaut haben. Und sie filmten eine Gruppe von Schülern der Handelslehranstalt, die von dem Historiker Bernhard Gelderblom über das Gelände geführt wurden. Der Film soll eine Länge von etwa zehn Minuten haben und wird voraussichtlich am Tag des offenen Denkmals am 8. September in der Handelslehranstalt (HLA) der Öffentlichkeit vorgestellt.

Gleichzeitig wird in der HLA auch die von Gelderblom erarbeitete Ausstellung über den Bückeberg und das Reichserntedankfest gezeigt. Danach soll der Film sowohl als kostenlose DVD als auch auf verschiedenen Internetseiten als Download publiziert werden.

Dass das gesamte Gelände im Jahr 2011 nach jahrelangem Streit unter Denkmalschutz gestellt wurde, fand vor allem in der Bevölkerung der umliegenden Orte teilweise wenig Zustimmung, wenn nicht gar offene Ablehnung. Nach Ansicht von Josefine Puppe und ihren Mitstreitern reicht es aber nicht, „nur das Reichstagsgelände in Nürnberg oder das Gauforum in Weimar als mahnende Orte der Erinnerung zu bewahren“. Es sei im Gegenteil enorm wichtig, „auf die Gesamt-Reichs-Topografie derartiger Stätten zu verweisen, um die Logik einer NS-Propaganda-Maschinerie nachzuvollziehen“. Deshalb müsse auch diese mahnende Stätte der Erinnerung in Hagenohsen erhalten bleiben.

Die Kosten für den Dokumentarfilm veranschlagt Produzentin Puppe auf 20 000 Euro. Jeweils 2500 Euro spendeten der Landschaftsverband Hameln-Pyrmont, das Niedersächsische Landesamt für Denkmalpflege und die Stiftung niedersächsische Gedenkstätten zur Finanzierung. Den Rest des Geldes für das Projekt sammelte das Team per Crowd-Funding von Freunden und anderen politisch-historisch Interessierten ein.

Copyright © Deister- und Weserzeitung 2018
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

Mehr Artikel zum Thema
Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Anzeige
    Kommentare