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Die wichtigsten Fragen und Antworten rund um den digitalen Nachlass

Wer erbt mein Facebook-Konto?

Was passiert nach dem Tod mit den Spuren, die der Verstorbene im Internet hinterlassen hat? Wer muss sich um den digitalen Nachlass kümmern und was gibt es dabei zu beachten? Ein Überblick zum Thema Erben und Internet.

veröffentlicht am 07.08.2017 um 18:45 Uhr
aktualisiert am 08.08.2017 um 12:30 Uhr

Auch nach dem Tod bleiben die eigenen Daten im Netz: Wer es seinen Erben leichter machen will, sollte vorsorgen. Foto: Pixabay/Montage
Nicole Trodler

Autor

Nicole Trodler Onlineredakteurin zur Autorenseite

Was gehört alles zum digitalen Nachlass?

Der digitale Nachlass eines Verstorbenen umfasst alle Vertragsbeziehungen, die dieser online eingegangen ist – sei es bei Online-Shops oder als Mitglied in sozialen Netzwerken. Auch Nutzungsrechte an Software, Urheberrechte und Rechte an hinterlegten Bildern, Foreneinträgen und Blogs gehören dazu. Digitale Daten, die auf physischen Medien (wie Laptop, externer Festplatte oder CD) gespeichert sind, zählen ebenfalls dazu.


Dürfen Angehörige auf E-Mails von Verstorbenen zugreifen?

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Ansprüche an E-Mails gehen an die Erben über – auch wenn diese nicht die nächsten Angehörigen sind. Zwar unterliegt der E-Mail-Verkehr dem Fernmeldegeheimnis, nach dem Tod des Empfängers dürfen die Erben aber Einsicht nehmen. Der Zugriff ist jedoch nicht möglich, wenn der Verstorbene das in seinem Testament explizit untersagt hat.


Wer erbt den digitalen Nachlass?

„Rechtlich befindet sich der digitale Nachlass in einer Grauzone“, sagt Rechtsanwalt Christian Solmecke. Einige Anwälte vertreten die Ansicht, dass die Mitgliedschaft im sozialen Netzwerk mit dem Tod endet – so wie der Tod in der analogen Welt beispielsweise die Vereinsmitgliedschaft beendet. Allerdings bleiben die Konten bei Facebook und Co. auch nach dem Tod weiterhin online, gekaufte Produkte werden verschickt, abgeschlossene Abos laufen weiter. Es muss sich also auch jemand darum kümmern. Verantwortlich sind die Erben, denn die Mehrheit der Juristen geht laut Solmecke davon aus, dass der digitale Nachlass im Erbe mit inbegriffen ist.


Was passiert mit den Konten in Sozialen Netzwerken, wenn der Nutzer gestorben ist?

Für Konten in sozialen Netzwerken gelten bislang keine einheitlichen Regelungen. Hier muss im Einzelfall geschaut werden, welche Vorgaben die Anbieter machen. Informationen sind im Hilfebereich der jeweiligen Webseite zu finden. Passwörter werden von den Anbietern aus Datenschutzgründen übrigens generell nicht heraus gegeben.
Bei Facebook kann im Grunde jeder einen Todesfall melden. Jedoch müssen offizielle Nachweise erbracht werden, bevor das betroffene Konto angepasst wird. Der Melder muss nachweisen, dass er ein direktes Familienmitglied oder ein Nachlassverwalter ist und eine Sterbeurkunde vorlegen. Das Konto des Toten kann dann gelöscht oder in einen Gedenkzustand versetzt werden. Zudem gibt es die Möglichkeit, bereits zu Lebzeiten vorzusorgen, indem man einen Nachlasskontakt bestimmt. Diese Vertrauensperson kann dann nach dem Tod entscheiden, was mit dem Konto passieren soll. Der Kontoinhaber kann auch bereits festlegen, dass das Koto auf jeden Fall nach dem Tod gelöscht werden soll.
Ähnlich sind die Möglichkeiten, die Instagram anbietet. Konten von verstorbenen Personen können in einen Gedenkzustand versetzt werden. Familienmitglieder können nach Vorlage entsprechender Nachweise auch die Kontolöschung beantragen.
Um ein Konto beim Videoportal YouTube löschen zu lassen, muss man sich direkt an Google wenden (seit 2006 ist YouTube eine Tochtergesellschaft von Google). Dazu berechtigt sind unmittelbare Familienmitglieder, gesetzliche Vertreter oder Testamentsvollstrecker. Als Nachweise werden Scans eines Personaldokuments und der Sterbeurkunde verlangt. Es besteht auch die Möglichkeit, einen Zugriff auf die Daten des Kontos zu beantragen – hierfür müssen ebenfalls Nachweise vorgelegt werden.
Ein Twitter-Konto kann gelöscht werden, wenn ein Nutzer verstorben oder – aus gesundheitlichen oder anderen Gründen – handlungsunfähig ist. Der Antrag kann von unmittelbaren Familienmitgliedern oder anderen bevollmächtigten Personen eingereicht werden. Twitter stellt dafür ein Formular bereit, in einem zweiten Schritt werden dann per E-Mail Anweisungen zur Bereitstellung weiterer Angaben (darunter die bereits von anderen Anbietern verlangten Nachweise) verschickt.
Das soziale Netzwerk Pinterest stellt eine Internetadresse zum Melden von Todesfällen bereit (care@pinterest.com). Der Melder muss seine Beziehung zur verstorbenen Person nachweisen und einen Todesnachweis erbringen. In beiden Fällen lässt Pinterest verschiedene Nachweise zu, akzeptiert zum Beispiel auch eine Traueranzeige oder eine öffentliche Erwähnung der Beziehung.

Was geschieht mit online abgeschlossenen Verträgen? Einkäufen? Abonnements? Die vertraglichen Verpflichtungen aus Online-Abos und -Einkäufen gehen – solange das Erbe nicht komplett ausgeschlagen wird – auf die Erben über. Hier gilt es, sich schnell einen Überblick zu verschaffen, Einkäufe zu stornieren sowie Konten und Verträge zu kündigen. Anders als bei Konten in Sozialen Netzwerken erweist sich das in diesen Fällen als noch schwieriger. Bei Amazon oder Ebay gibt es zum Beispiel keine Formulare, die man nutzen kann, sondern man muss direkt an den Support schreiben.


Wie kann ich vorsorgen?

Die genannten Online-Dienste und sozialen Netzwerke sind nur die bekanntesten und bei Weitem nicht alle, die es gibt. Um den Erben einen Überblick zu geben und die Nachlassverwaltung zu erleichtern, sollte deshalb bereits zu Lebzeiten eine detaillierte Liste mit allen genutzten Diensten und den dazu gehörenden Passwörtern angefertigt werden. Diese sollte zudem regelmäßig gepflegt werden. Die Verbraucherzentrale rät außerdem dazu per Vollmacht einen digitalen Nachlassverwalter zu bestimmen. Diesem sollten dann auch genaue Angaben hinterlassen werden, wie mit dem digitalen Nachlass umzugehen ist.

Der digitale Nachlass ist auch ein Thema im Vorsorge-Helfer, den Dewezet, Pyrmonter Nachrichten, Schaumburger Zeitung und Schaumburg-Lippische Landeszeitung kürzlich herausgegeben haben. Darin gibt es neben Informationen auch eine Vorlage für eine Vollmacht zur Einsetzung eines Nachlassverwalters sowie genügend Platz um Benutzernamen und Passwörter zu notieren. Das 108-seitige Heft ist in den Geschäftsstellen der Dewezet, Pyrmonter Nachrichten und im Online-Shop der Dewezet erhältlich. Es kostet für Abonnenten 9,90 Euro, Nicht-Abonnenten zahlen 14,90 Euro.

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