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Ein 24-Jähriger aus Jena baut ein neues soziales Netzwerk auf

Mastodon, das neue Twitter

Ein 24-Jähriger aus Deutschland baut ein neues soziales Netzwerk auf. Mastodon will anders sein als Facebook und Twitter. Ohne Begrenzung auf 140 Zeichen und vor allem ohne Neonazis und Hatespeech. Dass das Netzwerk genauso heißt, wie eine bekannte Metalband aus Atlanta, trägt zu seiner Popularität sicher bei. 125 000 Nutzer hat es schon.

veröffentlicht am 18.04.2017 um 08:26 Uhr

Die Startseite von Mastodon. Um das Netzwerk gibt es derzeit einen richtigen Hype. Screenshot: Mastodon.Social
Tomas Krause

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Tomas Krause Onlineredakteur zur Autorenseite
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Eugen Rochko heißt der Erfinder von Mastodon. Er ist 24 Jahre alt und kommt aus Jena. Alternativen zu Twitter und Facebook gab und gibt es bereits: Diaspora oder Ello. Durchgesetzt haben sich alle nicht. Was also soll anders sein an Mastodon und vor allem, wie will es zum ernsthaften Flagschiff-Killer im Netzwerkbereich werden?

Zunächst einmal gibt es keine Begrenzung auf 140 Zeichen wie bei Twitter, sondern eine auf 500. Auch rechte Hasstiraden und Hatespeech soll es im Großen und Ganzen nicht geben. Vor allem aber steckt hinter Mastodon keine Firma. Bei Mastodon handelt es sich um ein dezentrales Netzwerk, in dem Freiwillige Knotenpunkte betreiben, sogenannte Instanzen. Es ist unkommerziell und Open Source.

Vollkommen anders ist die Handhabung von Mastodon. Zunächst sucht man sich eine Instanz. 300 Stück gibt es dabis dato. Sie entsprechen Communities in der Community. Jede dieser Instanzen können spezielle Regeln haben oder sie richten sich an Nutzer einer bestimmten Sprache. Die größte Instanz heißt mastodon.social. Wegen Überfüllung kann man sich allerdings gerade nicht mehr anmelden. Wir haben deshalb social.lou.lt getestet.

Im Browser ähnelt Mastodon Tweetdeck, das viele Twitter-Nutzer kennen dürften. Links findet sich der eigene Account, wo man das eigene Profil einrichten kann und Statusmitteilungen verfassen kann. Im Bereich Home finden sich die Einträge aller Nutzer, denen man folgt. Daneben tauchen die Benachrichtigungen auf. Dann gibt es noch zwei Timelines, die sich „Local“ und „Federated“ nennen. Dort findet man alle öffentlichen Postings im Mastodon-Netzwerk.

Viele der Funktionen, die sich in Mastodon wiederfinden sind bereits in Twitter enthalten, haben hier aber einen anderen Namen. Das macht die Sache nicht einfacher, weil jede Instanz ihre eigenen Vokabeln verwenden kann. Eine Nachricht heißt hier nicht Tweet, sondern Toot. Retweeten, also das Weiterverbreiten eines Posts, heißt bei Mastodon Boost. Statt des Herzsymbols verwendet Mastodon ein Sternchen. Das heißt nicht „Gefällt mir“ sondern Favourite. So wie bei Twitter früher.

Für Mastodon gibt es auch Apps fürs Smartphone – und zwar nicht nur eine. Weil Mastodon ein offenes System ist, kann jeder eine App entwickeln. Für Android gibt es etwa Tusky, für iOS Amaroq. Ob es dem Netzwerk gelingt, Twitter-Nutzer dazu zu bewegen sich ein weiteres Netzwerk zuzulegen, bleibt trotz des guten Ansatzes erst mal offen.

Für uns scheint Mastodon nichts für den Normalnutzer zu sein. Es ist komplizierter als Twitter, vor allem der Einstieg ist schwer, weil keine prominenten Accounts vorgeschlagen werden und es auch keine Promis gibt. Mastodon geht es auch nicht um VIPs, sondern um Communities.

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