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Zahlen, Daten, Fakten: So funktioniert das 2000-Tonnen-Projekt

Wie schiebt man eine Brücke?

FUHLEN. Nach sieben Jahren der Planung und des Baus ist es nun soweit: Die Fuhlener Brücke wird verschoben. Wir liefern dazu heute ein technisches Datenblatt zu der neuen Weserbrücke von Fuhlen. Mit jeder Menge Zahlen, Daten, Fakten. Zum Staunen und Mitreden.

veröffentlicht am 19.10.2017 um 17:54 Uhr
aktualisiert am 19.10.2017 um 19:00 Uhr

Von Donnerstagfrüh bis zum Nachmittag lässt sich der Fortschritt des Verschubs bei Fuhlen in den Bildern unserer Fotografen deutlich erkennen. Foto: wfx

Autor:

Thomas Thimm und Johanna Lindermann
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Die neue Brücke wurde am Donnerstag fast schon komplett über die Weser geschoben. Dabei ging es Zentimeter für Zentimeter voran. Es ist ein gewaltiges, technisches Vorhaben, das auch für die Männer von der Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr etwas Besonderes ist. Michael Warm sagt: „Das ist nichts Alltägliches, das ist auch für uns ein Highlight.“ Doch wie schiebt man eigentlich eine Brücke über die Weser? Laienhaft ausgedrückt, so: Auf der Brücke ist eine Mega-Maschine mit einer irrsinnigen Power installiert. Diese Hydraulikpresse zieht sich und damit auch die Brücke an einem gespannten Stahlseil über die Weser. Die Brücke liegt während dieses Vorgangs auf einer Trägerkonstruktion, die auf einem bereiften Achssystem ruht. Die Arbeiten sind gestern sehr schnell und gut über die Bühne gegangen: Die Brücke ist schon fast komplett über die Weser geschoben worden. Heute geht es weiter. Die komplette Baustelle ist Mitte 2018 fertig.

1000

Tonnen wiegt die Weserbrücke, die es in Fuhlen zu verschieben gilt. Das ist mal eine ganze Menge. Obwohl: Alles ist relativ. So wiegt ein durchschnittlicher Blauwal 100 Tonnen – und der Eiffelturm rund 10 000 Tonnen. 2000 Tonnen wiegt das gesamte Material, welches in der Baustelle Fuhlen verbaut wird. „Nur“ rund die Hälfte davon wiegt die eigentliche Brücke. In der Großbaustelle werden neben der rund 1000 Tonnen schweren Brücke auch noch 4500 Kubikmeter Beton, 730 Tonnen Betonstahl sowie 4900 Quadratmeter Korrosionsschutz und blaue Farbe verarbeitet – denn blau war nicht nur die alte Brücke, blau soll auch die neue Brücke werden. Ähnlich wie die Fußgängerbrücke zum Werder in Hameln.

Foto: wfx
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Achsen haben die 28 SPMTs (kurz für Self-Propelled Modular Transporter, also Modulfahrzeuge mit eigenem Antrieb) insgesamt, die unter der Brücke liegen und diese beim Verschub stützen. Sie leisten jedoch keine aktive Arbeit beim Vorgang. Der lässt sich am besten mit einem Floß vergleichen, auf dem ein Mensch steht und sich an einem Seil über ein Gewässer zieht. Bei der Brücke sind es Stahlseile, sogenannte Litzen, die in eine Hydraulikpresse hineingezogen werden.

4,5

Meter schiebt sich die Brücke im Durchschnitt pro Stunde über die Weser. Wohl gemerkt: im Durchschnitt. Denn in manchen Stunden kann es bis zu 20 Meter vorangehen, dann gibt es auch Phasen, in denen die Brücke neu ausgerichtet wird und dann für eine längere Zeit stillsteht.

3

Tage sind angesetzt worden für die Verschiebeaktion über die Weser. Ursprünglich hieß es, am Donnerstag, Freitag und Samstag dieser Woche würde jeweils sieben Stunden lang geschoben. Am Donnerstag nun änderten sich die Pläne: Gut zwei Drittel der Brücke wurden bereits verschoben, die restlichen 40 Meter folgen Freitag. Freitag könnte es nämlich zu windig werden, hieß es, und dann gerät die ganze Aktion in Gefahr. Denn auch solch ein Stahlkoloss ist empfindlich. So verträgt diese Brücke nur Windgeschwindigkeiten bis zu 40 km/h.

13

Millionen Euro investiert das Land Niedersachsen mit der Baumaßnahme bei Fuhlen an der Weser. Diese Kosten beziehen sich auf die Gesamtmaßnahme inklusive Brücke, Anschlussstellen und den notwendigen Straßenbau.

19

Meter beträgt die Höhe der neuen Brücke. Also von Oberkante bis Unterkante. Misst man nur von der Fahrbahn zur Brückenspitze, hat man eine entsprechend geringere Höhe.

20

Arbeiter sind direkt an dem Verschub beteiligt. Dabei haben sie alle ganz unterschiedliche Aufgaben: Sie sind an den SPMTs im Einsatz, kontrollieren den Verschubvorgang, sprühen Schmierspray, um die Reibung zu minimieren, überwachen die Hydraulik und koordinieren den Umbau.

16,60

Meter breit ist die neue Brücke. Das bezieht sich auf die Außenmaße des Bauwerkes. Die Fahrbahnbreite ist schmaler.

109

Meter lang ist die neue Brücke von Fuhlen. Zumindest, wenn man so rechnet wie die Techniker: Die sprechen nämlich von „Stützweite von Auflagepunkt zu Auflagepunkt“. Klingt sehr technisch. Aber auch logisch.

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