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Ob nun die Wahl auf biologische Mittel oder auf chemische fällt: Ein Patentrezept gegen Zecken gibt es nicht

Was hilft gegen Zecken?

Da waren meine Arme ruckzuck schwarz von Zecken“, beschreibt Ortrun Humpert ihre Erfahrungen, die sie im Frühjahr beim Freischneiden ihrer Weidezäune mit den kleinen, aber gemeinen Krabblern gemacht hat. Die Schäferin aus Löwendorf bestätigt damit, was viele Menschen in der Region derzeit empfinden: 2017 ist ein extremes Zeckenjahr.

veröffentlicht am 07.08.2017 um 16:19 Uhr
aktualisiert am 07.08.2017 um 18:20 Uhr

Regelmäßiges Absuchen bei den Tieren ist unumgänglich, ebenso das sofortige Töten der Zecken. Foto: Burkhard Reimer
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Burkhard Reimer Reporter
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„Nun gut“, könnte man sagen, „dann ist das eben so“. Denn die Zecke ist zwar ein Parasit, der sich davon ernährt, dass er seinen „Wirten“ Blut absaugt, die Menge ist dabei aber so gering, dass weder Mensch noch Tier dadurch Schaden nehmen.

Das wirklich Gemeine an den Viechern ist, dass sie denen, von deren Blut sie sich zuvor bedient haben, anschließend gefährliche Krankheiten wie die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME – Auslöser von Gehirnhautentzündung) und die Borreliose übertragen können. Während vor allem der süddeutsche Raum als FSME-Risikogebiet gilt, ist die Borreliosegefahr durch Zecken bundesweit verbreitet. Achtsamkeit ist also auch in der Weserregion das Gebot der Stunde. Während die FSME bei Tieren keine Rolle spielt, werden vor allem Hunde-, aber auch Katzenhalter dringend vor dem Befall ihrer Vierbeiner durch Zecken gewarnt. „Denn die Borreliose ist eine bitterböse Krankheit, gegen die, ist sie einmal ausgebrochen, nur eine Behandlung mit entsprechenden Antibiotika hilft“, erklärt Dr. Astrid Möller-Trautmann, von der Tierarztpraxis Trautmann und Seitz in Stadtoldendorf, auf Anfrage unserer Zeitung. Eine Borrelliose-Impfung schütze nur bedingt gegen von Zecken übertragene Borrelien, da es verschiedene Borrelienstämme gebe, und nicht alle Stämme mit den Impfstoffen abgedeckt seien.

Weitaus besser sei es daher, der Gefahr eines Zeckenbefalls durch Prophylaxe (Vorbeugung) zu begegnen. In ihrer Praxis würden dabei seit zwei Jahren sehr gute Erfahrungen mit einem speziell zur Zecken- und Flohabwehr entwickelten systemischen Insektizid und Akarizid gemacht, das Hunden als Kautablette, Katzen als spot-on verabreicht wird und eine etwa dreimonatige Wirkdauer hat.

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Unsere Hunde bekommen beispielsweise täglich Kokosöl ins Futter und hin und wieder ein wenig frischer Knoblauch.

Silke Stricker, Tierphysiotherapeutin aus Lichtenhagen

„Alles andere hilft nichts“, erteilt die Veterinärin hingegen vielfach propagierten Hausmitteln, wie beispielsweise der Anwendung diverser Öle, eine klare Absage.

Auch Schäferin Ortrun Humpert, ansonsten praktizierende Verfechterin des Bio-Wesens, kann offenbar nicht ganz auf Chemie verzichten. Wie sie der Zeitung berichtet, greift sie jeweils einmal im Frühjahr zu einem für etwa vier Wochen wirksamen spot-on. „Das nehme ich gegen den ersten Ansturm hungriger Zecken auf arglose Warmblüter, deren Job es ist, jede Ecke zu kontrollieren“, womit sie ihre Herdenschutzhunde meint, „die die ganze Zeit mit den Schafen draußen sind“. Danach sei es ausreichend, wenn sowohl die Herdenschutz- als auch die Hütehunde sowie die noch nicht geschorenen Lämmer nach Bedarf mit einem erprobten Bio-Insektizid übergossen würden.

Im Übrigen setzt sie auf „Handarbeit“, also auf regelmäßiges Absuchen der Tiere und umgehendes Töten gefundener Blutsauger. Wichtig sei in diesem Zusammenhang, dass die Zecken nicht gestresst würden – etwa, wie häufig empfohlen, durch das Aufbringen von Klebstoffen,denn gerade dann entleerten die Parasiten „umgehend jene Körperextrakte, die die gefährlichen Borrelien enthalten“.

„Ist der Hund gesund, wird er artgerecht ernährt und gehalten, ist das schon mal eine wichtige Basis“, sagt Silke Stricker, Tierphysiotherapeutin aus Lichtenhagen (Gemeinde Ottenstein), zum Thema „Zeckenabwehr“. Nähmen die Parasiten dann doch einmal überhand, gebe es diverse Abwehrmöglichkeiten. „Unsere Hunde“, berichtet die Halterin von zwei Landseern, „bekommen beispielsweise täglich Kokosöl ins Futter“. Hinzu komme hin und wieder ein wenig frischer Knoblauch. „So sind unsere Hunde seit Jahren zeckenfrei“, fügt Silke Stricker hinzu. Sie warnt aber ausdrücklich davor, ihr Rezept als „Patentlösung“ zu betrachten, denn „gerade die Zufütterung von Ölen muss aus verschiedenen Gründen gut überlegt sein“. Auch sie wendet ansonsten die „Methode Absammeln“ an. Die wiederum ist momentan für eine Wolfsspitz-Halterin das Mittel der Wahl. „Zwar habe ich im vorigen Jahr noch gute Erfahrungen mit Schwarzkümmelöl gemacht“, berichtet sie, „habe aber inzwischen erfahren, dass es sehr schädigend für die inneren Organe, speziell für die Leber, sein kann“. Also bleibe ihr nur, den Hund nach jedem längeren Spaziergang gründlich abzusuchen.

Gleichwohl ist Kokosöl bei den biologischen Abwehrstoffen derzeit offenbar „das Mittel der Wahl“. Allerdings, so eine Hundehalterin, die berichtet, damit gute Erfahrungen gemacht zu haben, müsse man keineswegs gleich den ganzen Hund mit dem Öl einreiben. Die Anwendung werde zwar verschiedentlich so beschrieben, „es reicht aber vollkommen aus, wenn man etwas von der pastenartigen Substanz zwischen den Händen verreibt und sie dann am Bauch, hinter den Ohren und um die Schnauze des Hundes verteilt“, empfiehlt sie. Wenn man den vierbeinigen Freund dann noch die Hände ablecken lasse, „unser Hund mag das Kokosöl sehr gern“, dann könne auch der Atem des Hundes der Zeckenabwehr dienen.

Übrigens: Das Internet ist voll von Tipps und Tricks zum Thema „Hunde und Zecken“. Wer sich dort tummelt, wird alsbald feststellen, dass es in etwa so viele Meinungen wie Mittel gibt. Ob nun die Wahl auf biologische Mittel, auf chemische oder auf eine Mischung aus beiden fällt, den „Weg der reine Lehre“ scheint es nicht zu geben. Am Ende muss jeder Hundehalter selbst entscheiden, welcher für seinen vierbeinigen Liebling der richtige ist.

Information

Nicht in die Toilette werfen: Wie man Zecken richtig entsorgt

Wer bei seinem Vierbeiner Zecken findet und sie entfernt, muss die Parasiten

richtig entsorgen. Bei einigen Methoden überleben die Plagegeister und können sich weitervermehren. Unsicher ist es zum Beispiel, die entfernte Zecke in die Toilette zu werfen und herunter zu spülen. „Das überleben sie in der

Regel“, warnt die Tierärztin Tina Hölscher von der Organisation Aktion Tier. Um die Tiere sicher zu vernichten, kann man sie mit einem Insektizid besprühen. Ansonsten wirken nur verhältnismäßig brachiale Methoden: „Die Zecke mit dem Feuerzeug

anzünden oder mit einem scharfen Messer den Kopf vom Körper abtrennen“, rät Hölscher. Riskant kann es dagegen sein, den Parasit zu zerquetschen – denn wenn das Tier kurz davor ist, Eier

zu legen, verteilen sich diese mit dem Aufplatzen überall.

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