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So vielfältig ist das Autumn Moon

Typologie der Schwarzen Szene

HAMELN. Ihre Outfits sind immer ein Hingucker: wild oder sexy, aber vor allem schräg. Nicht jedermanns Sache, doch sich kreativ zu stylen, ist für Gothic-Fans ein Muss. Doch Gothic ist nicht gleich Gothic. Wir haben eine Typologie der verschiedenen Styles zusammengestellt.

veröffentlicht am 14.10.2017 um 11:00 Uhr

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Autor:

Gabriele Laube

Es bedeutet, sich abzugrenzen, einander erkennen und der eigenen Individualität einen Ausdruck zu geben. Der kleinste gemeinsame Nenner dabei ist Schwarz - als „Farbe“, Musik sowie in Gedanken verarbeitet. Die Dunkelheit und düstere Themen wie Trauer, Tod und Vergänglichkeit faszinieren die ernsthaften, nachdenklichen Goths, ebenso wie mystisch-okkultes Geschehen. Einige Mitglieder vom Karlsruher Gothic-Stammtisch stellen sich und ihren Kleidungsstil vor. Tätowierungen, dauerhaft oder aufgemalt, schaurig oder schön, gehören ebenso dazu wie Rüschen und Mieder.

Das typische Aussehen im Alltag zeigt uns Lena: Undercut-Haarschnitt, die eine Seite hoch, und an anderer Stelle richtig abrasiert. Starke Schminke und kreative Accessoires aus dem Fetisch- oder Bondagebereich wie Piercings, Nieten, Ketten, Leder und Plateauboots mit Schnallen lassen die 26-jährige Fachkraft für Lagerlogistik sehr selbstbewusst wirken. Musikalisch legt Lena sich nicht fest.

Die 28-jährige Mona ist Studentin und schneidert. Grobe Leinenstoffe verwandelt sie in Blusen und Röcke, Fell und Schnürmieder ergänzen ihr klassisches Mittelalter-Outfit. Sie liebt die Szene, weil sie hier immer Anschluss gefunden hat, wenn sie anderswo gegen Mauern gerannt ist. Gothics sind lockerer drauf und haben viel Spaß gemeinsam, sagt sie.

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  • Ines kann ihre Vorliebe für ausladende Röcke im Gothic- und Mittelalterstyle ausleben. Foto: Natalie Laube
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  • Langes Haar, Mottoshirts, Lederkluft und Stiefel machen Olli zum klassischen Metal-Goth. Foto: Natalie Laube
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  • Lukas in seinem Cybergoth-Outfit mit Goggles-Brille und Gasmaske. Foto: Natalie Laube
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  • Mona schneidert ihr klassisches Mittelalter-Outfit selber. Foto: Natalie Laube
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  • Lena mit Undercut-Haarschnitt, die eine Seite hoch, und an anderer Stelle richtig abrasiert. Ergänzt mit Accessoires aus dem Fetisch- und Bondagebereich. Foto: Natalie Laube
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  • Uri der glamouröse Neo-Romantiker. Foto: Natalie Laube
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Ines ist 23 und Erzieherin. Ihre Vorliebe für weite ausladende Röcke findet sie vor allem im Gothic und Mittelalter wieder. Diese Stile passen neben Metal auch musiktechnisch sehr gut zu der begeisterten Reiterin und Tänzerin. Sie schätzt die Vielseitigkeit der Menschen, die trotz aller Unterschiede im Schwarz ihre Gemeinsamkeit finden.

Lukas studiert Physik. Der 25-jährige zieht in seinem Cybergoth Outfit allein durch die Netzstücke und Accessoires wie Goggles-Brillen und Gasmaske mehr Blicke auf sich als andere. Die Unabhängigkeit von Marken und den damit verbundenen Zwang, sowie die Verbundenheit innerhalb der ganzen schwarzen Szene sind für ihn Gründe genug, ein Goth zu sein.

Olli ist Sänger der Dark Metal Band Arcane Rain und seit über 20 Jahren in der Szene unterwegs. Langes Haar, Mottoshirts, Lederkluft und Stiefel machen den 37-jährigen Auslieferungsfahrer zum klassischen Metal-Goth, auf der Bühne ebenso wie auch im normalen Leben. Sein Lebensmotto lautet: Sich mit Individualität und Rebellion vom Mainstream absetzen.

Uri ist Altenpfleger, Künstler und ein auffallend glamouröser Neo-Romantiker. Selbstbewusst trägt der violett geschminkte 32-jährige seine zum Teil selbst hergestellte Gewandung aus schwarzem Tüll, glänzendem Satin und Rüschen, ergänzt seine elegante Erscheinung mit Kopfgeweih und viel Silberschmuck. Seine Tätowierungen dagegen sind nur aufgemalt.

Das sind die Top-Acts zum Autumn Moon:

Peter Heppner: Es gibt auf dieser Welt nicht viele Stimmen, die so einmalig und sofort identifizierbar sind. Schon gar nicht unter deutschen Sängern. Der ehemalige Frontmann der Electro- Pop-  und Dark- Wave- Band Wolfsheim Peter Heppner nennt zweifellos eines dieser absolut markanten Organe sein eigen. Die Stimmungspalette von melancholisch über hoffnungsvoll bis rebellisch und ausgelassen fröhlich wird mittels durchgehend stimmiger Integration von Elementen aus unter anderem Rock und New Wave bis hin zu aktuellen Dancefloor-  und Ambient- Klängen illustriert.

Joachim Witt: Joachim Witt lieferte mit dem Hit Goldener Reiter in der Zeit der Neuen Deutschen Welle einen Klassiker ab, der inhaltlich von einer Nervenklinik am Rande der Stadt handelt.

Gesellschaftskritisch besingt Witt Themen wie Geisteskrankheit, Einsamkeit und das Gefühl des Ausgestoßenseins. Damit traf er damals und auch heute noch den Nerv der Zeit.

Das neue Album “Thron” beweist wieder einmal mehr, dass Joachim Witt ein Ausnahmekünstler ist, der in über 40 Jahren seine eigenen Soundwelten erschaffen hat und sich bei all diesen auch immer wieder bedient.


FRONT 242: Front 242 ist eine der ersten Elektronik-Bands der 1980er und wird bis heute als Inspiration oder gar als direktes Vorbild für zahlreiche EBM- und Electro-Combos benannt. 1981 in Belgien von Daniel Bressanutti und Dirk Bergen gegründet, um mit den aufkommenden elektronischen Mitteln Musik und Grafikdesign zu kreieren. Front 242 haben sich während ihrer 20-jährigen Karriere neu erfunden und ihren Sound mit zwei Jahrzehnten Erfahrung bereichert. Analoge Technologien und Vintage-Geräte pulsieren in dekonstruierte Tracks, wo Emotion und Forschung zu einer rein elektronischen Haltung zusammenführen.

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