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Dach kaputt – und nun?

Sturm und Schnee: Tipps für Hausbesitzer, Autofahrer und Reisende

Glatte Straßen, Schnee und Sturm – das derzeitige Wetter macht vielen gehörig zu schaffen. Was sollten Hausbesitzer tun, wenn etwa das Dach durch „Friederike“ beschädigt worden ist? Und was müssen Auto- und Bahnfahrer beachten?

veröffentlicht am 24.01.2018 um 17:09 Uhr

Feuerwehrleute begutachten ein vom Sturm beschädigtes Hausdach. Foto: dpa

Autor:

Isabelle Modler, Falk Zielke und Philipp Laage

Erst die Eisglätte, dann der Sturm: Das Wetter macht aktuell gleich doppelt Ärger. Was müssen Autofahrer, Bahnfahrgäste und Hausbesitzer beachten? Die wichtigsten Fragen und Antworten im Überblick:


Welche Versicherung zahlt bei Sturmschäden? Sturmschäden am Haus sind in der Regel über die Hausrat- oder die Wohngebäudeversicherung abgesichert. Voraussetzung ist, dass der Sturm tatsächlich die Ursache des Schadens ist. Darauf weist der Bund der Versicherten (BdV) hin. Die Gebäudeversicherung zahlt zum Beispiel bei abgedeckten Dächern, zerstörten Schornsteinen oder Schäden durch umgefallene Bäume. Sie kommt auch für Folgeschäden auf, wenn Regen durch das vom Sturm beschädigte Dach oder kaputte Fenster eindringt – aber nur für Schäden am Haus selbst. Für bewegliche Gegenstände ist die Hausratversicherung zuständig – sie kommt etwa für Möbel auf, die infolge des Sturms nass und unbrauchbar geworden sind. Betroffene melden sich am besten schnellstmöglich bei ihrer Versicherung. Grundsätzlich reicht ein Anruf, zur Sicherheit rät der BdV aber zu einem Einschreiben mit Rückschein. Zur Dokumentation der Schäden sollten Versicherte Fotos machen und Zeugen benennen. Wichtig ist: Ohne Rücksprache beheben Betroffene die Schäden besser nicht. Die Versicherung muss sie durch eigene Gutachter bestimmen können. Es kann sich lohnen, kleinere Schäden am Haus nach einem Sturm selbst zu tragen. Denn eine Versicherung kann den Vertrag auch kündigen, wenn Kunden immer wieder Schäden melden.


Und wenn der Sturm mein Auto beschädigt hat?Schäden durch Unwetter am Auto sollten Besitzer umgehend ihrer Kfz-Teilkaskoversicherung melden. Oft müssen sie die Meldung durch Angaben des Wetteramtes ergänzen, erläutert der ADAC. Denn der Wind muss zum Zeitpunkt der Beschädigung mindestens die Windstärke acht gehabt haben. Ohne Absprache mit dem Versicherer sollten Fahrer allerdings keinen Gutachter bestellen oder den Schaden reparieren lassen – sonst bleiben sie unter Umständen auf den Kosten sitzen. Bei Schäden durch herunterfallende Äste oder Dachziegel ist in jedem Fall die Teilkaskoversicherung der richtige Ansprechpartner. Denn hier findet in der Regel keine Rückstufung statt. Zudem ist die Selbstbeteiligung meist geringer. Fährt der Wagen hingegen gegen einen Baum, der bereits länger auf der Straße liegt, müssen sich Versicherte – falls vorhanden – an ihre Vollkaskoversicherung wenden.


Wie kann ich als Autofahrer Unfällen vorbeugen? Wenn das Auto bei Glatteis ins Schleudern kommt, reagieren Fahrer idealerweise wie folgt: bremsen, das Lenkrad gut festhalten und leicht gegenlenken. „Gegebenenfalls wieder etwas von der Bremse gehen“, rät Thorsten Rechtien vom Tüv Rheinland. Hektisches Gegenlenken oder auch zu starkes Bremsen verschlimmere die Situation in der Regel. Bei stürmischem Wetter müssen Fahrer sich außerdem auf tückische Seitenböen gefasst machen. Der ADAC rät daher, das Tempo zu reduzieren, um leichter gegenlenken zu können. Auch auf Dachlasten wie Skiboxen und Fahrräder verzichten Fahrer besser. Besonders vorsichtig sollten sie auf Brücken, in Waldschneisen und beim Überholen von Lkw und Bussen sein. Der Tüv Süd rät außerdem, den Abstand zum vorausfahrenden Fahrzeug zu erhöhen und auch auf genug Seitenabstand zu achten, falls auf der Gegenfahrbahn Autos oder Lastwagen durch den Wind ins Schlingern geraten.


Was ist, wenn ich meine Reise mit der Bahn nicht antreten konnte? Nach Angaben der Bahn behalten alle Fahrkarten für vom Sturm betroffene Strecken ihre Gültigkeit. Sie können kostenfrei erstattet oder bis eine Woche nach Ende der Störung flexibel genutzt werden. Dies gelte auch für zuggebundene Fahrscheine. Sitzplatzreservierungen können umgetauscht werden. Hat sich ein Zug wegen des Unwetters erheblich verspätet, muss die Bahn einen Teil des Ticketpreises erstatten. 25 Prozent des Preises gibt es ab 60 Minuten Verspätung, 50 Prozent ab 120 Minuten. Entscheidend ist die Ankunftszeit am Zielort. Die Bahn hat für Kunden unter 08000/996633 eine kostenlose Sonderhotline eingerichtet.


Was ist, wenn ich als Bahnkunde unterwegs gestrandet bin?Die Deutsche Bahn erstattet Reisenden, die wegen eines Sturms gestrandet sind, die Kosten für nötige Übernachtungen. Das gilt, sofern die Fortsetzung der Fahrt am selben Tag unmöglich oder unzumutbar ist. Das schreiben die Fahrgastrechte der Bahn vor. Alternativ ersetzt die Bahn die Kosten für ein anderes Verkehrsmittel in Höhe von maximal 80 Euro, wie das Unternehmen erklärt. Organisiert die Bahn ein anderes Verkehrsmittel oder eine Übernachtungsmöglichkeit, so hat dies Vorrang vor einer selbst organisierten Alternative. Die Bahn hatte angesichts der Einstellung des bundesweiten Zugverkehrs aufgrund des Orkans „Friederike“ dazu aufgerufen, zum Beispiel Fahrgemeinschaften zu bilden. Auch Taxigutscheine wurden an den Bahnhöfen ausgegeben. Jeder Einzelfall sei kulant geprüft worden, sagte ein Bahn-Sprecher.


Und was gilt bei Flügen? Anders als bei der Bahn können Flugreisende bei einem Sturm nicht unbedingt auf eine Entschädigung für Ausfälle und Verspätungen hoffen. Denn ein starkes Unwetter kann als außergewöhnlicher Umstand gelten – wodurch der Anspruch entfällt. Das gilt aber keineswegs pauschal. Eine Fluggesellschaft muss alle zumutbaren Maßnahmen ergreifen, um Verspätungen dennoch zu vermeiden. Was genau hier jedoch angemessen ist, beschäftigt regelmäßig die Gerichte. Nach einer Verspätung oder einem Flugausfall sollten sich Betroffene zunächst an die Fluggesellschaft wenden. Kommt keine befriedigende Antwort, bietet sich eine Beschwerde bei der Schlichtungsstelle für den öffentlichen Personenverkehr (söp) an. Für Fluggesellschaften aus Deutschland gibt es außerdem die Schlichtungsstelle Luftverkehr beim Bundesjustizamt. Die Stellen prüfen kostenlos, ob der Kunde einen Erstattungsanspruch hat.


Darf ich zu Hause bei meinem Kind bleiben, wenn die Schule ausfällt?Nicht ohne Weiteres. Anders als bei anderen Notfällen, einem kranken Kind oder einem Todesfall in der Familie etwa, ist das eher keine Notsituation im Sinne des Gesetzes, sagt Peter Groll, Fachanwalt für Arbeitsrecht. In so einem Fall dürfen Eltern bis zu fünf Tage fehlen, bekommen aber trotzdem ihren Lohn. Ein Schulausfall wegen Sturm, Eis und Schnee oder aus anderen Gründen zählt aber nicht dazu. Stattdessen müssen Eltern also Urlaub nehmen, wenn ihre Kinder nach Hause geschickt werden. Oder sie finden mit ihrem Chef eine andere Lösung – das Nacharbeiten an einem anderen Tag oder ein spontanes Homeoffice zum Beispiel. Kommen sie dagegen einfach nicht zur Arbeit, kann das arbeitsrechtliche Konsequenzen haben.

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Die Statistiken der Extremwetter

Gibt es mehr verheerende Unwetter als früher? Die Versicherer sind bei ihrer Antwort zurückhaltend. Sie wissen anhand der Schäden aber: Die Intervalle zwischen Jahren mit Wetterextremen werden kürzer. Und: In extrem kurzer Zeit kann es heute extrem viel Katastrophe geben.

Vollgelaufene Keller, anschwellende Flüsse, durchweichte Dämme: Orkane und Starkregen sorgen immer häufiger für Schäden und Schlagzeilen. Wie gehen die Versicherungen damit um, die schon 2011 in einer Klimastudie bis zum Ende des Jahrhunderts eine Verdoppelung, wenn nicht sogar Verdreifachung von Wetterextrema vorhergesagt haben? „In der Langzeitbetrachtung sehen wir, dass sich Jahre mit hohen Schäden und solche mit nur wenigen Schäden die Balance halten – auch wenn die Abstände dazwischen deutlich kürzer werden“, sagt Kathrin Jarosch vom Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft, deren Präsident Alexander Erdland die Anpassung an den Klimawandel für das Gebot der Stunde hält.

Niedersachsens Umweltministerium sah im letzten Sommer aufgrund damaliger Analysen zu Extremwetter- und Hochwasserereignissen für die jüngere Vergangenheit keinen einheitlichen Trend. „Regional zeichnen sich aber zunehmende Tendenzen ab, die sich in den Projektionen der Klimamodelle für die Zukunft fortsetzen“, sagte eine Sprecherin damals. Für eine sichere Beurteilung der Einflüsse des Klimawandels müssten diese Entwicklungen aber über längere Zeiträume von mindestens 30 Jahren beobachtet werden.

Bundesweit gab es im Jahr 2016 nach Angaben der Versicherungswirtschaft weniger Schäden durch Naturgefahren als in durchschnittlichen Jahren. Den zwei Milliarden Euro Schäden im Jahr 2016 steht seit dem Jahr 2000 im Schnitt eine Schadenssumme von 2,4 Milliarden Euro gegenüber. 2015 lag der Betrag mit 1,9 Milliarden Euro sogar noch niedriger. Die Branche – in der etwa 130 Anbieter von Wohngebäudeversicherungen vertreten sind – geht von einer vorhergesagten Zunahme von Stürmen und punktuell auftretendem Hochwasser in immer kürzeren Abständen aus.

Dauerte es zwischen den beiden Katastrophenjahren 1990 (bundesweite Schadenssumme durch Naturereignisse: 8,2 Milliarden Euro) und 2002 (6,7 Milliarden Euro) noch zwölf Jahre, so wurden die Abstände von ungewöhnlich teuren Schadensjahren in der Folge immer kürzer. Jahre mit überdurchschnittlichen Schadenssummen folgten in 2007 (4,6 Milliarden Euro) und 2013 (5,8 Milliarden Euro), als Deutschland wegen zwei Orkanen heftig mit Wasser und Wind, aber auch Hagel zu kämpfen hatte.

Was zudem neu ist: Es gibt mittlerweile regional stark begrenzt sehr viel mehr Katastrophe in nur sehr kurzer Zeit – vor allem wegen heftigen Starkregens. Wegen nicht abziehender Tiefdruckgebiete mit heftigsten Regenfällen werden dabei heute auch zunehmend Regionen überschwemmt, die eigentlich kein Hochwasser kennen. Die Versicherer, die für das Wetterphänomen auch die zunehmende Bebauung der Landschaft verantwortlich machen, begrüßen Investitionen in den Hochwasserschutz und geben auch selber praktische Tipps, um die Schäden schon im Vorfeld zu begrenzen.

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