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Spielend begreifen

Spaß an Mathe? - Mit dem „Mini-Mathematikum“!

Mathematik? Da läuft vielen Menschen wahrscheinlich ein Schauer über den Rücken. Aber muss das sein? Mathe begegnet uns schließlich überall im Leben. Eine neue Ausstellung in Rinteln will schon Kindergartenkindern Spaß daran vermitteln – und zwar ganz spielerisch.

veröffentlicht am 11.12.2017 um 10:51 Uhr

Das „Mini-Mathematikum“ ist vor allem für Kinder zwischen vier und acht Jahren gedacht. Schon in diesem Alter ist es wichtig, Mathe den Schrecken zu nehmen und „Erfolgserlebnisse“ zu schaffen, sagt Diplom-Pädagoge Ulrich Geisler. Doch nicht nur Kinde
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Marieluise Denecke Redakteurin / Online zur Autorenseite
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Man muss Entenfiguren in eine Form setzen. Sie gibt es in verschiedenen Farben und Zusammensetzungen: einzeln, zu zweit, zu fünft. In der Form ist Platz für insgesamt sechs Enten. Die Aufgabe lautet: Die Enten nebeneinanderlegen, sodass die Sechserreihe komplett ist. Man muss mindestens zwei Farben benutzen. Was das soll? Man könnte sagen: Hier lernen kleine Kinder rechnen.

Im Rintelner Museum Eulenburg ist noch zum 6. Januar eine Ausstellung zu sehen, die sich nicht ausschließlich, aber vor allem an Kinder zwischen vier und acht Jahren wendet. Sie sollen hier alles anfassen und ausprobieren, was zur Ausstellung gehört. Ungewöhnlich in einem Museum? Hier sicherlich nicht, denn genau das ist die Grundidee des „Mini-Mathematikum“.

Sie stammt aus Gießen, in dem das „Mathematikum“ steht, ein Museum komplett zum Thema Mathe, in dem man ausprobieren und experimentieren kann – ohne Altersbeschränkung. In das Museum kamen ganze Familien und damit auch Kinder in Kita- und Grundschulalter. Für die waren viele Experimente allerdings noch zu schwer, erzählt Melanie Schmidt, die beim Mathe-Museum arbeitet.

… Figuren aus riesigen Seifenblasen formen … Foto: mld
  • … Figuren aus riesigen Seifenblasen formen … Foto: mld
… oder ein Labyrinth lösen. Foto: mld
  • … oder ein Labyrinth lösen. Foto: mld
Die Ausstellung „Mini-Mathematikum“ regt zum Mitmachen an. Foto: mld
  • Die Ausstellung „Mini-Mathematikum“ regt zum Mitmachen an. Foto: mld
Pyramiden aus Kugeln bauen …Foto: mld
  • Pyramiden aus Kugeln bauen …Foto: mld
… Figuren aus riesigen Seifenblasen formen … Foto: mld
… oder ein Labyrinth lösen. Foto: mld
Die Ausstellung „Mini-Mathematikum“ regt zum Mitmachen an. Foto: mld
Pyramiden aus Kugeln bauen …Foto: mld

Also wurde das Mini-Mathematikum erdacht: Ein Bereich, der speziell für vier- bis achtjährige Kinder entwickelt wurde. Die Experimente folgen der Grundidee des „großen“ Museums, sind aber auf die Altersgruppe abgestimmt. Durch unterschiedliche Mitmach-Stationen werden die Grundthemen der Mathematik wie „Zahlen“, „Formen“ und „Muster“ anschaulich und begreifbar gemacht. Das ist auch in Rinteln spürbar: Bereits bevor die Ausstellung eröffnet wurde, hatten sich rund 800 Kinder aus Schulen und Kitas angemeldet.

Bereits seit Juli 2016 ist das Mini-Mathematikum eine Wanderausstellung, die in ganz Deutschland gastiert. Noch bis Dezember 2018 wird es an insgesamt 25 Standorten zu sehen sein. Eigentlich ist die Ausstellung immer nur zwei Wochen lang zu sehen, Rinteln hatte jedoch Glück, denn hier gastiert das Mini-Mathematikum insgesamt für sechs Wochen. „Wir wollen pro Standort mindestens 1000 Kinder im Alter von vier bis acht Jahren und deren Betreuungspersonen erreichen“, ist auf der Homepage des Mathematikums zu lesen.

15 Exponate sind es, die im Rahmen der Ausstellung zu sehen sind. Darunter befindet sich ein Häuschen mit Innenseiten, die komplett verspiegelt sind (Frage dazu: „Wie oft siehst du dich?“) oder Holzelemente, die man gleich einer Brücke über ein Loch im Tisch bauen kann. Es kann mit Bauklötzen ebenso gespielt werden wie mit einem riesigen Ring, der in Seifenlauge getunkt wird, um damit verschiedenste Formen nachzustellen. Manche kleine Kinder nutzen die Gelegenheit, um sich in die Mitte des Rings zu stellen und dann hinter der Seifenblase zu „verschwinden“.

Genau das ist der Sinn hinter den Exponaten: Nirgendwo wird erklärt, wie man es richtig macht. Es gibt keine „Lösung“, erklärt Diplom-Pädagoge Ulrich Geisler vom Institut für Bildung und Erziehung in Göttingen, das das Mini-Mathematikum ins Leben gerufen hat. In dem Sinne lehne man sich an die Montessori-Pädagogik an: Die Kinder sollen hier frei lernen, der eigene Antrieb steht im Vordergrund.

„Lernen findet dann statt, wenn die Kinder begeistert sind“, sagt Geisler. Daher wolle das Mini-Mathematikum aufs Erklären verzichten und „mit Herz, Hand und Kopf“ zum Selbermachen anregen.

Zusätzlich sollen die Kinder diese Erlebnisse gemeinsam teilen. Bewusst ist die Zahl der Exponate mit 15 Stück relativ klein gehalten. Gleichzeitig sind sie meist rund gebaut, sodass sie von mehreren Seiten aus zugänglich sind. Während Mathe-Olympiaden elitär angelegt seien, erklärt Geisler, geht es hier um gemeinschaftliches Erarbeiten. „Gleichzeitig findet dabei Sprachförderung statt“, und Sprachbildungsprozesse würden ausgelöst, sagt Geisler. Denn die Kinder sprechen und rätseln miteinander. „Es gibt keine Hierarchien“, so Geisler.

Das zeigt beispielsweise der sogenannte Knobeltisch, an dem mehrere Exponate ausliegen. Hier können Kinder eine Kugelpyramide zusammenbauen, eine Pyramide aus drei ungleichen Teilen zusammensetzen oder bunt gefärbte Quadrate anordnen.

Dadurch, dass das Ausprobieren Spaß machen soll, dass gemeinschaftlich gearbeitet wird und dass es keine „richtige Lösung“ gibt, hofft Geisler, der Mathematik die „negative Konnotation“ zu nehmen, die sie bei Erwachsenen meist trägt. Mathe? Bloß weg damit!

Dabei zeige allein die jüngste PISA-Studie, dass die Mathematikleistungen der deutschen Kinder rückläufig seien. Geisler hält es daher gerade im Alter zwischen vier und acht Jahren für wichtig, Spaß an Mathe zu fördern, „Erfolgserlebnisse“ zu schaffen. „Ich bin mir sicher, dass sich die Kinder daran erinnern werden“, so der Pädagoge.

Genauso wie Hochbegabte gefördert werden müssten, dürften andere Kinder nicht „mit Niederlagen zurückgelassen“ werden. Schließlich würden mathematische Kompetenzen ein ganzes Leben lang gebraucht. Und wer mehr Zuspruch für die naturwissenschaftlichen MINT-Fächer später im Studium wünsche, der müsste mehr für die frühkindliche Bildung tun. Das Alter zwischen vier und acht, der Übergang zwischen Kita und Grundschule, stelle einen besonderen Übergang dar: „Diese Brücke müssen wir stärken“, so Geisler.

Dieser Ansatz soll nicht nur durch das Mini-Mathematikum vermittelt werden, sondern soll auch Einzug in die Grundschulen halten, durch „Mathekisten“, Knobelspiele und viel Bastelarbeit etwa. „Basteln ist wichtig fürs mathematische Denken“, sagt Melanie Schmidt. Gemeinsam mit den Trägern soll ein Begleitprogramm sowie Fortbildungen für Erzieher und Pädagogen entwickelt werden.

In Rinteln übernimmt den Part der Fachbereich Sozialpädagogik der Berufbildenden Schulen (BBS). Der erste und zweite Jahrgang haben die „Mini-Mathematikum“-Ausstellung in den ersten Wochen begleitet, erläutert Bildungsleiterin Elke Hölscher. Sie dienten als Ansprechpartner für die Kindergruppen.

Die Verbindung zur Ausstellung kam über das bundesweite Projekt „Haus der kleinen Forscher“, an dem auch die BBS teilnehmen. „Mathematische Früherziehung ist Teil des normalen Lehrplans“, erklärt Hölscher, ebenso wie Museumspädagogik. Die Lerninhalte ganz praktisch umsetzen, im Museum, in einer kindgerechten Ausstellung, das habe ganz besonderen Reiz für die Schüler. „Die Kooperation ist etwas ganz Besonderes“, so Hölscher.

Und so lernen im Museum nicht nur die Kinder, sondern auch die Erwachsenen – mit „Hand, Herz und Kopf“.

Öffnungszeiten:

Bis zum 6. Januar wird die Ausstellung noch in der Eulenburg, Klosterstraße 21 in Rinteln, zu sehen sein. Öffnungszeiten: Dienstag bis Samstag: 14 bis 17 Uhr. Sonn- und Feiertage: 11 bis 17 Uhr, für Gruppen nach Anmeldung auch vormittags oder abends. Montag geschlossen. Am 1. und 2. Weihnachtstag sowie an Neujahr bleibt das Museum geöffnet.

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