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Tomaten aus dem Bäckerkorb

So lassen sich Brachflächen im Garten für die Gemüseaufzucht nutzen

Beim Urban Gardening werden sogar Brachflächen zum Garten. Mit Hilfe von Hochbeeten etwa. Ein neuer Trend sind hier Kistengärten. Die Plastikkörbe lassen sich bequem in die Höhe stapeln, mit der zum Gemüse passenden Erde füllen und wegtragen.

veröffentlicht am 13.06.2017 um 16:35 Uhr
aktualisiert am 13.06.2017 um 21:20 Uhr

Das Kistengärtnern macht auch Kindern viel Spaß. Für sie eignen sich besonders Pflanzen, die sich gut beernten lassen. Foto: Dorothea Baumjohann/dpa-tmn

Autor:

Dorothée Waechter
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Eigentlich stapeln sich rote Kunststoffkisten vor den Bäckereien – gefüllt mit köstlich duftenden Brötchen. Immer öfter stehen diese markanten Kisten auch auf Balkon, Terrasse oder im Innenhof. Dann aber verströmen sie den Duft von Tomatenblättern, Basilikum und anderen Kräutern, die in den Behältern wachsen.

„Das Kistengärtnern ist eine Form des Urban Gardenings“, sagt Folko Kullmann, Gartenbau-Ingenieur und Buchautor aus Stuttgart. „Man kann den Begriff tatsächlich wörtlich nehmen“, erklärt Dorothea Baumjohann, ebenfalls Gartenbau-Ingenieurin und Buchautorin aus Bodenwerder (Niedersachsen). Die Kiste ersetzt genauso wie ein Blumentopf das Beet – bietet aber auf einer Fläche von 40 mal 60 Zentimetern mehr Platz.

Gut ist das natürlich für alle, die auf Balkon oder im Hinterhof gärtnern müssen. Aber auch im Hausgarten lassen sich so Brachflächen und die Ecke der Hofeinfahrt für die Gemüseaufzucht nutzen.

Gestapelt ergeben die Kisten ein Hochbeet. So lässt sich rückenschonend arbeiten. Foto: Dorothea Baumjohann/dpa-tmn
  • Gestapelt ergeben die Kisten ein Hochbeet. So lässt sich rückenschonend arbeiten. Foto: Dorothea Baumjohann/dpa-tmn
Dorothea Baumjohann: Kistengärtnern - Mobile Selbstversorgung step by step, BLV-Verlag, 2017, 144 Seiten, 15 Euro, ISBN: 978-3-8354-1599-7.
  • Dorothea Baumjohann: Kistengärtnern - Mobile Selbstversorgung step by step, BLV-Verlag, 2017, 144 Seiten, 15 Euro, ISBN: 978-3-8354-1599-7.
Die Kisten werden wie Hochbeete mit unterschiedlichen Materialien befüllt. In die untersten Kästen kommt zunächst grobes Häckselgut, dann halbfertige Komposterde. In das obere Gefäß kommt zur Hälfte reife Komposterde, Gemüse- oder eine Universalerde
  • Die Kisten werden wie Hochbeete mit unterschiedlichen Materialien befüllt. In die untersten Kästen kommt zunächst grobes Häckselgut, dann halbfertige Komposterde. In das obere Gefäß kommt zur Hälfte reife Komposterde, Gemüse- oder eine Universalerde füllen es auf. Foto: Dorothea Baumjohann/dpa-tmn

Das relativ große Erdvolumen und die geringe Platzverschwendung durch die eckige Grundform sind für Kullmann entscheidende Vorteile dieser modernen Art des Gemüsegartens. „Man ist aber auch unabhängig vom Boden“, ergänzt Baumjohann. So kann man sich nicht in jedem Garten und vor allem auf Brachen sicher sein, ob eine Schadstoffbelastung des vorhandenen Erdreichs vorliegt.

Durch den modularen Aufbau mit den Kisten, die je nach Modell eine Höhe von rund 30 bis 40 Zentimeter haben, kann man bequeme Hochbeete schaffen. Baumjohann ist praktizierende Kistengärtnerin und legt immer erst eine Europalette auf den Boden. Darüber kommen vier Kisten in zwei Ebenen übereinander.

Als Substrat nimmt man am besten eine torffreie Hochbeeterde.

Folko Kullmann, Gartenbau-Ingenieur

So kann sie rückenschonend arbeiten und auf unterschiedliche Böden achten, die die Gemüse- und Kräuterarten benötigen. Fruchtgemüse und Kohl verlangt zum Beispiel einen hohen Nährstoffgehalt, während Salate und Kräuter mit weniger Dünger auskommen.

„Natürlich müssen die Kisten an allen Seiten durchbrochen sein, damit Wasser abfließen kann“, betont Baumjohann. Die Kisten lassen sich aber mit Vlies oder Karton auskleiden, damit das Substrat nicht herausrieselt.

Es hängt von den angebauten Kulturen und ihrer Wurzeltiefe ab, ob man die untere Lage der Kisten mit Substrat befüllt. Wenn, dann rät die Buchautorin, die untere Kiste bis zum Rand zu befüllen. Es sollte von der darüber stehenden Kiste Substrat nach unten durchrieseln können, denn nur so entsteht tatsächlich eine Verbindung für die Wurzeln.

Die Kisten haben Durchfassgriffe an allen Seiten, so dass man sie relativ bequem tragen kann. „Das ist ein großer Vorteil im Vergleich zu klassischen Töpfen in einer entsprechenden Größe“, findet die Buchautorin. Kullmann betont auch die Haltbarkeit der Kunststoffgefäße. Zwar sehen auch Weinkisten aus Holz schön aus, aber sie haben ein deutlich geringeres Volumen und verrotten schnell.

„Als Substrat nimmt man am besten eine torffreie Hochbeeterde“, rät der Gartenbau-Ingenieur. Eine Drainage hält er für überflüssig, da die Gefäße eine optimale Entwässerung haben. Baumjohann schichtet in ihren unteren Gefäßen – ähnlich wie in einem Hochbeet – zunächst grobes Häckselgut aus dem Garten auf und gibt halbfertige Komposterde darüber. In das obere Gefäß kommt zur Hälfte reife Komposterde, Gemüse- oder eine Universalerde füllen es auf.

Wer diese verschiedenen Materialien nicht zur Verfügung hat, kann die verschiedenen Typen Hochbeeterde auch im Handel erwerben. Für die Befüllung einer Kiste benötigt man nach Angabe von Baumjohann rund 70 Liter Substrat.

Rasch sieht man den Erfolg des Kistengärtnerns bei schnellwachsenden Kulturen wie Salat und Radieschen. Kullmann rät beim Salat zu Jungpflanzen. Vier bis sechs Pflanzen reichen, um einen Single-Haushalt täglich mit frischen Salatblättern für das Sandwich zu versorgen.

„Gute Erfolge habe ich auch mit Rote Bete, Balkontomaten, Snackpaprika und buntem Mangold erzielt“, sagt Baumjohann. Auch Möhren, Zwiebeln und Kohlrabi eignen sich. Zucchini und Kohl brauchen für die Entwicklung etwas länger. „Wenn eine Kiste, in der Radieschen, Salat oder Rote Bete gewachsen sind, vollständig abgeerntet ist, kann man die Erde etwas auflockern und eine zweite Pflanzung beziehungsweise Aussaat vornehmen“, erklärt die Expertin.

Das Kistengärtnern macht auch mit Kindern sehr viel Spaß. Es ist die Möglichkeit, mitten in der Stadt Erfahrungen über Lebensmittel und ihren Ursprung zu sammeln. „Mit Kindern verwendet man vor allem Pflanzen, die die Sinne anregen“, rät Baumjohann. Das ist alles, was die Kinder ernten und direkt naschen können – etwa Radieschen, Erdbeeren und Möhren.

„Wenn man den Pflanzen beim Wachsen zuschauen kann, üben sie einen besonderen Reiz aus“, findet Kullmann. Für ihn kommen beispielsweise Erbsen und Bohnen in Frage. „Da sieht man, wie die Keimlinge aus dem Samen kommen, und später können die Kinder die Ranken an die Kletterhilfe führen.“

Grundsätzlich sollte man daran denken, ein paar Kräuter zu integrieren. Der Duft ist nicht nur für Kinder ein angenehmer Nebeneffekt, sondern rundet die Kombination gut ab. Baumjohann empfiehlt sogar, eine getrennte Kiste für mediterrane Kräuter wie Salbei, Thymian, Rosmarin und Oregano einzuplanen. „Diese Kiste wird mit Kräutererde bepflanzt, die weniger Nährstoffe enthält.“

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