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Wie unsere Zeitung entsteht: Von der Nachricht bis zum fertigen Artikel

So kommt eine Nachricht in die Zeitung

Es gibt viele Möglichkeiten, wie Geschichten ihren Weg zu uns finden: Manche erfahren wir durch gezielte Nachfrage, auf andere stoßen wir bei der Recherche, wieder andere trudeln als Pressemitteilungen ein, Doch was nun? Wie kommt die Neuigkeit ins Blatt?

veröffentlicht am 16.05.2017 um 15:50 Uhr
aktualisiert am 13.06.2017 um 14:31 Uhr

Ob auf einer Schreibmaschine oder am PC, die Entstehung eins Artikel durchläuft viele Stationen. Foto: pixabay
Johanna Lindermann

Autor

Johanna Lindermann Volontärin zur Autorenseite

Wer kümmert sich worum? Wer recherchiert wann und wo? Wie entstehen die Fotos? Natürlich gibt es kein Patentrezept – jede Geschichte ist einzigartig und wird deshalb individuell bearbeitet. Stellvertretend haben wir den Weg unserer Geschichten einmal an einem am 25. April erschienenen Artikel nachgezeichnet.

1. Die Redaktion erhält eine Einladung
von der Hessisch Oldendorfer Stadtverwaltung: Eine Sitzung des Bauausschusses steht an. Im Ratsinformationssystem auf der Homepage der Stadt schaue ich nach, welche Themen auf der dort einsehbaren Tagesordnung stehen. Das interessanteste Thema: Ein neues Konzept zur Umgestaltung des Weserufers wird heute vorgestellt. Um gut vorbereitet zu sein, rufe ich noch vor der Sitzung Ansprechpartner im Rathaus an und stelle vorab ein paar Fragen.




2. Am Abend fahre ich von der Redaktion
zum Hessisch Oldendorfer Rathaus, wo die Ausschusssitzung stattfindet. Vertreter der Verwaltung stellen das Weserkonzept vor und beantworten Fragen der Politiker. Ich darf während der Sitzung nichts fragen, aber schreibe alles auf und notiere, wo ich Nachfragen habe.




3. Nach der Sitzung frage ich die Politiker nach ihrer Meinung zu den Beschlüssen und stelle gezielte Nachfragen bei den Vertretern der Verwaltung. Da die Ausschüsse meist erst um 18 oder 19 Uhr beginnen und oft bis in die Abendstunden dauern, wäre es für einen Artikel in der morgigen Ausgabe aber zu spät.


4. Der nächste Morgen in der Redaktion. Ich bespreche mit meinen Kollegen, wie viele Zeilen ich über das Weserkonzept schreiben kann und wo wir die Geschichte auf der Hessisch Oldendorf-Seite unterbringen. Nachdem daraufhin das Layout für die Seite erstellt wird, kann ich anfangen zu schreiben. Dabei muss ich abwägen, wie ich den Artikel aufbauen will, sodass er für den Leser am verständlichsten ist. Ich wähle Zitate aus und überlege mir eine treffende Überschrift.



5. Beim Schreiben fällt mir auf, dass zur Veranschaulichung der Pläne eine Grafik hilfreich wäre, damit der Leser sich ein besseres Bild von dem Vorhaben machen kann. Wenn für einen Artikel eine Grafik erstellt wird, muss das nicht der Redakteur machen. Mit meinen Unterlagen gehe ich zum Grafiker Jörg Hofmeister, erkläre ihm, worum es geht und wie ich mir die Grafik grob vorstelle. Daraufhin erstellt er mithilfe von Kartenmaterial und den Informationen, die ich ihm über das Projekt gebe, eine Grafik des Weserufers, während ich weiterschreibe.


6. Sobald er fertig ist, besprechen Jörg Hofmeister und ich die Grafik und überlegen, was man noch deutlicher hervorheben sollte. Er schlägt vor, Skizzen von den geplanten Veränderungen am Ufer sowie aktuelle Fotos der Umgebung einzubauen. Mir fällt ein, dass die Hessisch Oldendorfer Stadtverwaltung ein paar Modellbilder in ihrer Präsentation genutzt hatte. Ich rufe im Rathaus an und frage, ob wir die Bilder verwenden dürfen. Im Anschluss fügt der Grafiker diese noch in die Grafik ein. Jetzt fehlen nur noch ein paar aktuelle Fotos.



7. Manchmal machen Redakteure die Fotos für ihre Berichterstattung selbst, zum Beispiel, wenn wir für die Recherche ohnehin gerade vor Ort sind. Meist beauftragen wir aber unsere Fotografen. Ich erzähle Fotograf Matthias Waldeck, um was es in meiner Geschichte geht. Gemeinsam besprechen wir, welche Motive vom Weserufer dafür am geeignetsten wären. Dann fährt er nach Hessisch Oldendorf und macht die Fotos, während ich meinem Artikel den letzten Schliff gebe.



8. Der Fotograf hat viele verschiedene Motive fotografiert
, sodass wir eine große Auswahl haben. Die Bilder, für die wir uns in der Redaktion entscheiden, schickt er an den Grafiker, der die Grafik damit ergänzt. Die fertige Übersicht füge ich dann in meinen Artikel ein. Jetzt ist meine Geschichte schon fast komplett.


9. Weserkonzepte gab es doch auch schon in Hameln, fällt mir ein. Ich besuche das Büro der Kollegen, die für den Bereich Hameln zuständig sind, und frage Michael Zimmermann, was es dort für Planungen gab. Dann erstelle ich in meinem Artikel eine Infobox, um die Geschichte noch informativer zu machen.




10. In einer Konferenz gehen die Kollegen aus der Chefredaktion
und der Lokalleitung die gesamte Ausgabe noch einmal aufmerksam durch. Dann ist mein Artikel fertig. Nachdem ich überprüft habe, ob alle Fakten vorhanden und richtig wiedergegeben sind, geht die Zeitungsseite zu unserem Korrektor Jobst Pfeil. Er liest alle Artikel der morgigen Ausgabe durch und korrigiert etwaige Tippfehler. Nachdem die Korrekturen in den Text eingearbeitet sind, wird die Seite zum Druckzentrum geschickt.

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