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Gefährliche Jahreszeit

So kommen Sie mit dem Auto gut durch den Herbst

Im Herbst lauern für Autofahrer einige Gefahren. Mit etwas Vorbereitung und einem intakten Fahrzeug kann der Herbst aber kommen. Experten geben Tipps, wie sich Autofahrer auf die rutschige Jahreszeit am besten vorbereiten.

veröffentlicht am 25.10.2017 um 14:17 Uhr

In der Hamelner Reifenwerkstatt Müller zieht Heiko Gerber Winterreifen auf die Felgen eines Kunden auf. Der nahende Winter sorgt für volle Auftragsbücher in den Werkstätten – Wartezeiten für den Reifenwechsel sind keine Ausnahme. Foto: fn

Autor:

Fabian Hoberg

Regen, Nebel, Laub und rutschige Straßen. Im Herbst macht Autofahren wenig Spaß. Zudem lauern viele Gefahren. Experten geben Tipps, wie Autofahrer sicher und problemlos durch die nasse Jahreszeit kommen.

„Fahrzeug und Fahrer sollten in den unfallträchtigen Monaten auf die Gefahren vorbereitet sein. Licht und Reifen sind die Helfer der Saison“, sagt Ulrich Köster vom Zentralverband Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK). In keiner anderen Jahreszeit komme es auf die perfekte Funktion aller Leuchten mehr an als im Herbst. Fahrer sehen so bei früh einsetzender Dunkelheit und Nebel nicht nur besser, sondern werden auch eher gesehen. Viele Werkstätten bieten während Licht-Test-Wochen zusammen mit dem ZDK und der Deutschen Verkehrswacht im Oktober eine kostenlose Beleuchtungsüberprüfung an.

„Wenn das Auto regelmäßig gewartet ist, dürfte es im Herbst keine großen Probleme geben“, sagt Hans-Ulrich Sander vom TÜV. Viele Werkstätten bieten Checks an, bei denen Pflegemaßnahmen für kleines Geld erledigt werden. Doch auch die Fahrer müssen sich jetzt umstellen. „Im Herbst ändern sich die Straßenverhältnisse stark. Laub in Verbindung mit Feuchtigkeit kann ähnlich glatt werden wie Schnee“, sagt Jürgen Bente vom Deutschen Verkehrssicherheitsrat (DVR).

„Viele Autofahrer passen auch bei Regen und Nebel ihren Fahrstil nicht an den Herbst an, das ist ein Fehler“, sagt Jürgen Bente. Wer langsamer unterwegs ist, fährt sicherer. Die zulässige Höchstgeschwindigkeit bei Sichtweiten unter 50 Metern liegt bei maximal 50 Stundenkilometern. Außerdem kann die nun wieder tief stehende Sonne Autofahrer stark blenden.

Bei Nässe droht immer auch Aquaplaning: „Drohendes Aquaplaning lässt sich beispielsweise an Veränderungen der Motordrehzahl und der Wassergeräusche erkennen“, sagt Gunnar Beer vom ACE Auto Club Europa. Bei leise gedrehtem Radio nehmen Autofahrer Umgebungsgeräusche besser wahr. Ein weiterer Tipp: „Ein Anhaltspunkt für die reduzierte Griffigkeit einer Fahrbahn ist die Reflexion des Lichts. Je stärker sich das Licht spiegelt, umso mehr Vorsicht ist geboten“, sagt er.

Autofahrer sollten sich bei schlechter Sicht durch Nebel nicht auf die Lichtautomatik oder das Tagfahrlicht verlassen, sondern selbst aktiv das Licht einschalten. Die Automatik kann nur zwischen hell und dunkel unterscheiden, nicht aber zwischen diffusem und klarem Licht.

Eine große Gefahr sieht Sander aber auch durch mangelnde Aufmerksamkeit: „Zwar sollten sich Autofahrer unabhängig der Jahreszeit nicht von Smartphone oder Laptop während des Fahrens ablenken lassen. Aber im Herbst und Winter müssen Autofahrer noch schneller reagieren können.“ Da zähle jede Sekunde. Unsere Fahrtipps im Herbst:

Licht: Möglichst früh Licht einschalten. Denn das Tagfahrlicht leuchtet nur nach vorne, die Rückleuchten bleiben dunkel.


Aquaplaning: Vorsicht vor Flüssen und bei Senken: Dort kann Regenwasser stehen und Aquaplaning verursachen. Die Reifen verlieren die Haftung und das Auto lässt sich nicht mehr lenken. Dann grundsätzlich den Fuß vom Gas nehmen, das Lenkrad gerade halten und auskuppeln.


Tunnel: In Tunneln und Unterführungen nach Starkregen am besten sehr langsam fahren, um Wasserschlag zu verhindern. Sonst kann Wasser in den Ansaugtrakt des Motors laufen.


Brücken: Auf Brücken von Landstraße und Autobahn langsam fahren und auf Seitenwinde vorbereitet sein. Gefährliche Windböen drohen auch nach dem Überholen von Lastwagen.


Eisglätte: Besonder am frühen Morgen kann Raureif die Straßen bedecken. Dadurch kann es an Schattenstellen glatt sein.

Wann Autofahrer Winterreifen aufziehen sollten

Wann müssen sie rauf, wann müssen sie runter? Viele Autofahrer sind sich unsicher, denn in Deutschland gilt eine situative Winterreifenpflicht. Was bedeutet das?

Von „O“ bis „O“, also von Oktober bis Ostern, heißt die alte Faustregel für das Aufziehen der Winterreifen. Gilt sie in Zeiten von Ganzjahresreifen und Klimawandel immer noch? Der ADAC empfiehlt, sich grundsätzlich an diese Regel zu halten. Witterungsbedingt könne es aber etwa sein, dass Autofahrer die Winterreifen zeitiger aufziehen lassen müssen und sie bei einem früheren Ostertermin auch besser später abziehen lassen sollten. Denn eine allgemeine Winterreifenpflicht in Deutschland gibt es nicht, sondern eine situative. Diese greift – unabhängig von der Jahreszeit – wenn die Witterungsbedingungen winterlich sind. Das gilt zum Beispiel bei Glatteis, Schneeglätte, Schneematsch, Reif- oder Eisglätte. Fahrer, die gegen die situative Winterreifenpflicht verstoßen, müssen mit 60 Euro Bußgeld und einem Punkt in Flensburg rechnen, bei Behinderung werden 80 Euro fällig. Auch für den Halter bleibt es nicht folgenlos: Er wird mit 75 Euro Bußgeld und einem Punkt bestraft.

Beim Kauf neuer Winterreifen sollten Kunden auf das „Alpine Snowflake Symbol“ achten. Das sieht aus wie ein Gebirge mit einer Schneeflocke in der Mitte. Ab dem 01. Januar 2018 müssen alle neu hergestellten Winterreifen dieses Symbol haben. Deshalb rät der ADAC, bei Bedarf schon jetzt einen so zertifizierten Reifen zu kaufen. Wer sich kürzlich noch neue Winterreifen mit dem „M+S Symbol“ gekauft hat, muss aber nicht beunruhigt sein. Die alten Reifen sind bis zum 30. September 2024 gültig.

Ganzjahresreifen sind dagegen nicht jedem zu empfehlen. Sie sind oft „eher für den Winter als den Sommer gemacht“, so der ADAC, im Hochsommer können viele Ganzjahresreifen zum Beispiel einen längeren Bremsweg haben. Deshalb seien solche Reifen nur für Zweitwagen, die ohnehin nicht so oft gefahren werden, oder leichte Fahrzeuge geeignet.

Für Winterreifen wird eine Profiltiefe von mindestens vier Millimetern empfohlen. Andernfalls sollten sie ausgetauscht werden, rät Patrick Pöppl vom TÜV. Der Gesetzgeber schreibt eine Profiltiefe von mindestens 1,6 Millimetern vor.

Außerdem sollten Autobesitzer ältere Reifen ersetzen. Nach etwa sechs Jahren sollte ein Experte beurteilen, ob ein älterer Reifen noch tauglich ist. „Das Herstellungsdatum verbirgt sich in der DOT-Codierung auf der Reifenflanke“, sagt Pöppl mit. Die letzten vier Ziffern am Ende der DOT-Codierung zeigen das Herstellungsdatum an. Die ersten beiden Ziffern stehen für die Kalenderwoche, die letzten beiden für das Jahr.

Ab Januar 2018 gibt es laut TÜV eine wichtige Änderung: Die Hersteller können ihre Winterreifen nicht mehr selbstständig mit der Schneeflocke kennzeichnen. Die Reifen müssen zuerst geprüft werden, bevor sie das „Alpine“-Symbol erhalten. Trotzdem dürfen bis Ende 2017 hergestellte Reifen bis 2024 weiter benutzt werden. dpa

Information

Selber machen

Folgende Dinge können Autofahrer mit ein paar Handgriffen in Eigenregie erledigen oder checken lassen:

Beleuchtungseinrichtung kontrollieren, defekte Lampen austauschen.

Scheinwerfer, Rück- und Nebelleuchten sowie Blinker regelmäßig putzen.

Fahrzeuge und Fensterscheiben von innen und außen reinigen.

Scheibenwischer kontrollieren. Ziehen diese Schlieren, Scheibe reinigen und notfalls Wischerblätter ersetzen.

Wischwasser mit Reiniger auffüllen, am besten gleich mit Winterzusatz.

Luftdruck und Reifen kontrollieren. Sommerreifen sollten mindestens drei Millimeter Profil haben. Notfalls im Oktober schon auf Winterreifen wechseln. Die sollten mindestens vier Millimeter Profil haben.

Batterie und Bremsflüssigkeit checken lassen.

Fällige Reparaturen nicht anstehen lassen: Das ist sicherer und meist günstiger, als sie lange aufzuschieben.

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