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Der Blaue Eisenhut ist die giftigste Pflanze Europas und ihr Gift wurde als Waffe benutzt

Pflanze mit dunkler Vergangenheit

Der Blaue Eisenhut ist eine stattliche Pflanze mit großen blauen Blüten, die in vielen Gärten zu finden ist. Leider wissen die meisten Gartenbesitzer nicht, dass es die giftigste Pflanze Europas und somit Vorsicht geboten ist. Der blaue Eisenhut besitzt eine kriminelle Vergangenheit, die bis in die Antike zurückreicht.

veröffentlicht am 03.04.2017 um 15:02 Uhr

Foto: Pixabay

Autor:

Ernst-Albert Meyer

Früher war der Giftmord ein häufig benutztes Mittel, um politische oder private Konkurrenten auszuschalten. Mit Gift konnte jeder – auch der Schwache – lautlos und unerkannt aus dem Hinterhalt töten. Daher lebten die Mächtigen und Reichen in vergangenen Zeiten auch in ständiger Angst vor Giftanschlägen. Zu den „klassischen“ Giftpflanzen, die vielen Menschen – vom Altertum bis heute – Leid und Tod gebracht haben, gehört der Blaue Eisenhut (Aconitum napellus), auch Sturmhut oder Mönchskappe genannt. Zwar ist die Zeit vorbei, in der er als „Mordwaffe“ eingesetzt wurde, doch unabsichtliche Vergiftungen kommen auch noch in unseren Tagen vor. In der Giftlehre (Toxikologie) gilt der Blaue Eisenhut als die giftigste Pflanze Europas.

Aus dem Speichel des
Höllenhundes

Der blaue Eisenhut, eine bis 1,5 m hohe, ausdauernde Pflanze bildet schöne, in dichten Trauben stehende, dunkelblaue bis dunkelviolette Blüten, deren oberstes Kelchblatt ritterhelmartig ausgebildet ist. Daher auch der Name Eisen- oder Sturmhut. Ursprünglich eine Gebirgspflanze, ist der attraktive Eisenhut heute als Zierpflanze in vielen Gärten zu finden. Blütezeit ist Juni bis August. Nach der griechischen Mythologie entstand diese Giftpflanze, als der Zeussohn Herakles den Wächter des Totenreiches, den dreiköpfigen Hund Zerebrus, aus der Unterwelt auf die Erde hinaufbrachte. Vom Tageslicht geblendet, geiferte das Ungeheuer giftigen Speichel. Er fiel zur Erde und aus ihm wuchs der Eisenhut, dessen Gift alles Lebende ins Reich der Toten befördern kann.

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Die Giftwirkung des
Eisenhuts

Der Hauptwirkstoff, das giftige Alkaloid Aconitin, kommt in allen Teilen der Pflanze vor, besonders aber in den Wurzelknollen (0,2 bis 3 Prozent). Schon 1,5 bis 5 Milligramm Aconitin töten einen Menschen. Für Tiere – besonders Pferde – genügen schon geringere Mengen. Bei den getrockneten Wurzelknollen des Eisenhuts liegt die tödliche Dosis bei 1 bis 2 Gramm. Das Aconitin zählt in der Toxikologie zu den am stärksten wirksamen natürlichen Giften. Die Vergiftungssymptome beginnen mit einem Gefühl von Kribbeln und Ameisenlaufen (Paraesthesien) in Händen und Füßen, Lähmungen im Gesichtsbereich und einem unerträglichen Kältegefühl im gesamten Körper. Dann folgen Lähmungserscheinungen in Armen und Beinen, erschwerte Atmung, Schwindel, Erbrechen Durchfall und sehr starke Schmerzen. Je nach Giftmenge tritt der Tod innerhalb von 30 Minuten bis drei Stunden durch Atemlähmung oder Herzversagen ein. Schon bei den ersten Vergiftungssymptomen ist medizinische Hilfe zu rufen!

„Schwerer ist es, Gift zu
erkennen als einen Feind!“

Dieser Ausspruch des römischen Rhetoriklehrers Quintilianus (um 80 nach Christus) verdeutlicht, dass man sich im antiken Rom häufig bestimmter Gifte bediente, um missliebige Personen zu beseitigen. Schon der berühmte Dichter Ovid (43 vor bis 18 nach Christus) beschrieb den Eisenhut als das Gift, das die Stiefmütter benutzen. Der römische Satiriker Juvenal (um 60 bis 127 nach Christus) weist auf die bevorzugte Verwendung des Aconits in der römischen Oberschicht hin: „Aconita trinkt man nicht aus irdenen Krügen. Denn nur der fürchte sie, wer einen edelsteinbesetzten Becher zum Munde führt.“ Dabei benutzte man zu verbrecherischen Zwecken die getrockneten und gepulverten Eisenhut-Wurzelknollen oder einen daraus hergestellten Auszug (Extrakt). Um zu morden, wurde Aconitpulver auch auf Kopfkissen gestreut oder Handschuhe in einen Aconit-Extrakt getaucht. Schon im alten Griechenland gehörten Giftmorde zum Alltag und der Handel mit Giften blühte trotz Androhung schwerster Strafen. So stand hier auf den Besitz des Aconits, des Blauen Eisenhuts, die Todesstrafe. Trotzdem lebten viele Giftmischer – es waren meistens Frauen – in der Antike gut und unangefochten, weil ihre Dienste häufig gebraucht und Giftmorde selten aufgeklärt wurden.

Hexensalben und Werwolf

Trotz seiner Giftigkeit und der damit verbundenen Gefahr verarbeiteten Kräuterfrauen den Eisenhut im Mittelalter – meist zusammen mit Nachtschattengewächsen wie Tollkirsche, Stechapfel, Bilsenkraut und Alraune – auch in Hexensalben. Rieben sich die Frauen mit der Salbe ein, wirkten die Inhaltsstoffe (Alkaloide) der Nachtschattengewächse auf das Zentralnervensystem und setzten die vermeintlichen Hexen in angenehme Träume und Halluzinationen. In eine Hexenwelt, die aus Teufelskult, Hexenflug und Gestaltwandel bestand. Für die im Rausch erlebte Verwandlung in eine Katze, einen Hund oder den gefürchteten Wehrwolf, der den Bauern das Vieh riss, macht die Wissenschaft heute das Aconitin verantwortlich: Es erzeugt eine Kribbeln auf der Haut und kann durchaus ein Gefühl entstehen lassen, als wüchse einem ein Fell. Um einen Missbrauch zu verhindern, wurde der legale Gifthandel im Mittelalter durch strenge Bestimmungen geregelt. Sie waren Bestandteil von Apotheker-Eiden, Medizinalordnungen und Bestallungsurkunden von Apothekern.

Antidota – wahnsinnig teuer und doch wirkungslos!

Die ständige Gefahr eines Giftanschlags ließ vor allem die Herrschenden und Privilegierten frühzeitig nach Abwehrmaßnahmen gegen Gifte suchen. Denn sie waren die bevorzugten Opfer von Vergiftungen. Besonders hoch im Kurs standen so genannte Antidota (Gegengifte), die für horrende Summen gehandelt wurden. Antidota sollten – bei Vergiftungen eingenommen – die Wirkung des Giftes neutralisieren und damit unschädlich machen. Auf diese Weise hoffte man, den Giftanschlag zu überleben. Die wissenschaftliche Untersuchung bestimmter Antidota aus vergangenen Zeiten ergab jedoch, dass die meisten Mittel – trotz der hohen Preise – unwirksam waren.

Der Kaiser befahl den
Giftversuch!

Über den berühmten Prager Giftversuch berichtet der Arzt Mattioli (1501–1577) in seinem „Kreuterbuch“. Als Leibarzt Kaiser Ferdinands I. nimmt Mattioli 1561 an einem makabren Experiment in Prag teil: Der Kaiser hatte ein Gegengift („berühmt pulver wider allerley gifft“) erworben, dessen Wirksamkeit er jetzt testen wollte. Als Versuchsperson wird ein zum Tode verurteilter Dieb ausgewählt. Diesem Mann wird – falls er überlebt – die Freiheit versprochen. In Anwesenheit des Kaisers, „Doctorn und anderer Namhafftiger Leute“ muss der Dieb die Wurzeln, Blüten und Blätter des Blauen Eisenhuts verzehren, um dann das Antidot des Kaisers auszuprobieren. Nach zwei Stunden klagt der Dieb über Müdigkeit und Herzschmerzen. Als ihm kalter Schweiß auf die Stirn tritt und der Puls schwächer wird, gibt man dem Dieb das in Wein gelöste Gegengift zu trinken.

Aber es hilft nicht! „Da ers getruncken hat/verwandt er die Augen scheußlich/sperrete und zerrete dz maul/krümmet den halß….und machte sich unrein. Darnach legt man jhn auff stroh/da klagt er/wie jhn Schauder oder Kälte anstiesse/nach dem brach er sich /und speyete viel stinckenden wust und gewässer auß von Farben gelb und bleich schwartz….starb also sanft ohn alle andere Zufälle und Bewegnuß/gleicherweise als entschlieff er. Das Antlitz wurde jhm bleichschwartz.“

Vorsicht im Garten!

Schon das Berühren oder Pflücken der Pflanze bringt Gefahr, denn der Wirkstoff Aconitin kann durch die unverletzte Haut ins Blut gelangen und damit Vergiftungssymptome auslösen. Deshalb sollte diese Giftpflanze nicht im Garten gehalten werden, wenn Kinder zum Haushalt gehören!

In der Homöopathie von großer Bedeutung! Wegen der großen Giftigkeit des Eisenhuts bzw. des Aconitins wird diese Giftpflanze heute in der Schulmedizin nicht mehr verwendet. Dafür ist der Eisenhut in der Homöopathie als „Aconitum“ (bis D3 verschreibungspflichtig) sehr beliebt. In homöopathischen Mitteln wird der Eisenhut sehr stark verdünnt eingesetzt, so dass hier die Giftwirkung nicht mehr auftreten kann. Das homöopathische Präparat „Aconitum“ gilt als bewährtes Mittel bei allen plötzlich und heftig einsetzenden Erkrankungen im Organismus wie Entzündungen, Herzrhythmusstörungen,

Angina pectoris-Anfälle, Neuralgien und Migräne, aber auch bei Schock, Angst und Panikzuständen. Bei akuten Schmerzen ist „Aconitum“ das Mittel der Wahl! Im Wechsel mit „Belladonna“ (Tollkirsche) wird „Aconitum“ zur Behandlung von Erkältungskrankheiten mit Fieber und Schweißausbrüchen eingesetzt. „Aconitum“ ist auch Bestandteil einer Vielzahl homöopathischer Komplexmittel gegen Erkältungskrankheiten.

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