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Umzug ins Paradies

Mit Spenden aus dem Weserbergland: Waisenhaus auf Bali eröffnet

Zum ersten Mal im Leben ein eigenes Bett, zum ersten Mal im Leben ein Bettlaken, zum ersten Mal im Leben eine Dusche. So vieles, was für uns selbstverständlich ist, ist für die elf Waisenkinder auf Bali nun das erste Mal. Die Kinder feierten mit 200 Gästen ein Fest, das in der Zukunft ganz sicher zu den Highlights ihres Lebens gehören wird. Ein Fest, von dem sie später einmal sagen werden: „Es war ein Umzug ins Paradies und der Beginn eines ganz neuen Lebens“.

veröffentlicht am 22.01.2018 um 09:59 Uhr

Die Freude über das neue Waisenhaus ist bei den Kindern als auch den Mitarbeitern groß. Foto: Angela Bendix/PR

Autor:

Pea Krämer

Ihr Leben hatte in der Hölle von Prostitution und Zwangsarbeit begonnen. Hätte ihnen jemand gesagt, dass sie einmal von zauberhaften Ersatzeltern und einem Verein aus dem fernen Deutschland aus ihrer Misere geholt werden, sie hätten wohl nur müde abgewinkt. Doch wie so oft kreiert das weise Leben Wege, die wir uns in unseren kühnsten Träumen so nicht hätten ausmalen können. Wir nennen das dann Wunder und die Menschen, die daran beteiligt sind, scheinen uns wie Engel. Für die Waisenkinder auf Bali heißen diese Engel Eny, Wayan und Angela.

Es begann alles 2012, als die Hamelnerin Angela Bendix im Urlaubsparadies Bali einfach nur ausspannen wollte. Auch ihr Leben hat sich seitdem maßgeblich verändert. War sie vorher eine Frau, die nie Kinder haben wollte, so hat sie aktuell elf, die ihr Herz im Sturm eroberten und nun fester Bestandteil ihres Lebens geworden sind. Sie schaute damals hin, wo andere Urlauber oft wegschauen. Sie wurde tätig, wo andere die Arbeit und Verantwortung scheuen. Heute, vier Jahre später, ist sie Gründerin des Vereins „Anak Domba Bali e. V.“ mit inzwischen über 100 Mitgliedern.

Unsere Zeitung berichtete mehrfach darüber. „Wenn ich zurückschaue, kann ich selbst nicht fassen, was daraus geworden ist“, sagt Angela Bendix, „ohne die tatkräftige Unterstützung von vielen mitfühlenden Menschen wäre es nicht möglich gewesen!“

Im April letzten Jahres war der Baubeginn des Waisenhauses, das Platz für 20 Kinder bietet. Nach nur sieben Monaten wurde es nun schließlich eingeweiht. Foto: Angela Bendix/PR
  • Im April letzten Jahres war der Baubeginn des Waisenhauses, das Platz für 20 Kinder bietet. Nach nur sieben Monaten wurde es nun schließlich eingeweiht. Foto: Angela Bendix/PR
Dieses Banner drückt die Dankbarkeit der Kinder und Mitarbeiter des Waisenhauses gegenüber den deutschen Sponsoren aus. Foto: Angela Bendix/PR
  • Dieses Banner drückt die Dankbarkeit der Kinder und Mitarbeiter des Waisenhauses gegenüber den deutschen Sponsoren aus. Foto: Angela Bendix/PR
Landestypische Tänze wurde bei der Eröffnung vorgeführt. Foto: Angela Bendix/PR
  • Landestypische Tänze wurde bei der Eröffnung vorgeführt. Foto: Angela Bendix/PR
Dem Vorstand des Vereins „Anak Domba Bali e. V.“ wird ein Blumenpräsent überreicht. Foto: Angela Bendix/PR
  • Dem Vorstand des Vereins „Anak Domba Bali e. V.“ wird ein Blumenpräsent überreicht. Foto: Angela Bendix/PR
Im April letzten Jahres war der Baubeginn des Waisenhauses, das Platz für 20 Kinder bietet. Nach nur sieben Monaten wurde es nun schließlich eingeweiht. Foto: Angela Bendix/PR
Dieses Banner drückt die Dankbarkeit der Kinder und Mitarbeiter des Waisenhauses gegenüber den deutschen Sponsoren aus. Foto: Angela Bendix/PR
Landestypische Tänze wurde bei der Eröffnung vorgeführt. Foto: Angela Bendix/PR
Dem Vorstand des Vereins „Anak Domba Bali e. V.“ wird ein Blumenpräsent überreicht. Foto: Angela Bendix/PR

Was zunächst mit fünf Kindern begann, wuchs schnell auf elf Waisenkinder an und der Pastorenhaushalt von Eny und Wayan platzte rasch aus allen Nähten. Die Kinder schliefen zu dritt und viert in ihren Betten. Wenn ich im Sommer letzten Jahres nicht selbst vor Ort gewesen wäre, würde ich nicht glauben, dass es im Urlaubsparadies Bali eine Armut gibt, wie ich sie bislang nur aus Indien kannte.

Da weder ein größeres Haus zu mieten oder zu kaufen war, entschloss sich der Verein, ein Grundstück zu kaufen und ein neues Haus zu bauen, mit Platz für 20 Kinder. Im April war der Baubeginn, in der rasanten Zeit von nur sieben Monaten am 7. November die Einweihung. Die Kinder wussten während der Bauphase, dass ein größeres Haus gebaut wird und dass sie im November umziehen. Doch wie genau es aussieht, ihr neues Heim, sollte bis zum Einweihungstag ein Geheimnis bleiben.

So fieberten sie dem Datum entgegen, studierten Gesang und Tänze für den großen Tag ein. Als es dann endlich soweit war, wuchs die Aufregung. 200 Gäste kamen, darunter viele aus Politik und Kirche, einige hatten sogar den weiten Weg von Deutschland auf sich genommen. Am Morgen des „großen Tages“ packten die Kinder ihre sieben Sachen, die gut in ihren zwei Armen Platz hatten, und auf ging es. Man kann nur erahnen, was in diesen Kindern vor sich ging, als sie mit großen, leuchtenden Augen vor ihrem neuen Zuhause standen, das in den kommenden Jahren zu ihrer Heimat und ihrem Anker werden soll. Staunend erkundeten sie die neuen Räume. Ein Trakt mit zwei Zimmern für je fünf Mädchen und einem Bad, das gleiche spiegelgleich im Jungentrakt. Ein Lern-Musikzimmer ließ besondere Freude aufkommen.

Am Nachmittag begann die feierliche Eröffnungszeremonie. Mit rührenden Worten dankte das Pastorenpaar Eny und Wayan dem deutschen Verein für die große Unterstützung, ohne die dieses Projekt nicht möglich geworden wäre. Pastor Dr. Suyatno, der extra aus Jakarta angereist war, hielt eine ergreifende Predigt, und Angela Bendix hatte für ihre Ansprache sogar einige Worte balinesisch eingeübt.

Zwischendurch sorgten die Kinder mit zahlreichen Auftritten für eine fröhliche Stimmung. In bunten, landesüblichen Trachten zeigten sie, was sie monatelang einstudiert hatten: Tempeltänze zu traditionellen Klängen, Gesänge, ein mit dem Deutschen Sven eingeübtes Stück, und ein Pantomimen-Auftritt des gehörlosen Bram. All das ließ die Eröffnungsfeier zu einem unvergesslichen Erlebnis werden. Als Angela, Eny und Wayan schließlich ein Band durchschnitten, war die Eröffnung des Hauses auch symbolisch vollzogen.

Spenden: Die Kinder werden auch in der Zukunft von westlicher Anteilnahme abhängig sein. Wenn also viele ein bisschen tun, kann Großes daraus wachsen. Alles Geld kommt eins zu eins bei den Kindern an, da alle Vereinsmitglieder ausschließlich ehrenamtlich arbeiten. Spenden auf das Konto IBAN DE33 2545 0110 01002 4197 5 bei der Sparkasse Weserbergland.


www.anak-domba-bali.de

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