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Abenteuer auf 35000 Kilometern: Josef Lackhove aus Aerzen erfüllt sich seinen Lebenstraum

Mit dem Motorrad auf der Seidenstraße

Autor:

Gerko Naumann

Plötzlich hörte er ein unangenehmes Knacken und musste beim Blick nach unten feststellen, dass der Rahmen seiner Maschine auf beiden Seiten gebrochen war. „In diesem Moment wurde mir bewusst, dass das Abenteuer jetzt erst richtig anfängt.“

Das Abenteuer, damit meint Lackhove eine Reise über die Seidenstraße. Sie führt ihn acht Monate lang über 35 000 Kilometer und durch 18 Länder. Kreuz und quer durch Mittel- und Ostasien – seit mittlerweile mehr als fünf Monaten. Bevor es losging, musste Lackhove zwei entscheidende Dinge klären: Den beruflichen Übergang in die passive Altersteilzeit und – nicht ganz unwichtig – das Einverständnis seiner Frau. Beides klappte. Für die „außergewöhnliche Toleranz“ ist der Motorradfan sehr dankbar: „Meine Frau wollte meinen Plänen nicht im Weg stehen, weil sie genau weiß, dass ich mir damit einen lang gehegten Lebenstraum erfülle.“

Und der sollte nun also schon so plötzlich in Kasachstan enden? Nein. Lackhove hatte Glück. Zufällig kam ein Großvater mit seinem Enkel an der Unfallstelle vorbei. Die beiden halfen dem Aerzener aus der Patsche. Sie verluden das lädierte Motorrad auf einen Lastwagen und brachten es in eine etwa 120 Kilometer entfernte Werkstatt. Und nicht nur das: Drei Tage lang durfte der 62-Jährige bei der Familie wohnen und essen. „Sie wollten dafür kein Geld und haben mich aufgebaut, dass wir das mit dem Motorrad schon wieder hinbekommen.“ Und das gelang, auch wenn die Maschine „jetzt nicht mehr TÜV-fähig ist“, wie Lackhove resümiert. Beeindruckt war er aber ohnehin weniger von den technischen Fähigkeiten seiner Gastgeber als von deren Herzlichkeit. Die ließ selbst den abgehärteten Biker nicht kalt: „Beim Abschied standen mir die Tränen in den Augen.“

  • Die Mongolei ist landschaftlich faszinierend schön, ursprünglich und einsam mit seinen „unendlichen“ Weiten. Foto: privat
  • Eine eindrucksvolle Farbenvielfalt findet sich auf dem Basar in Kashgar. Foto: privat

Es sind aber nicht nur dramatische Szenen, die Lackhoves Reise über die Seidenstraße prägen. Der Niedersachse weiß auch von wunderschönen Landschaften zu berichten. In der Mongolei begegnete ihm tagelang niemand außer einem Mann mit seinem Esel. Er sei Hunderte Kilometer durch die „unendlichen Weiten“ der Täler gefahren. „Dieser Anblick lässt einen alle Mühe und Quälerei der vergangenen Tage vergessen“, sagt Lackhove.

Seine Liebe für die orientalischen Länder hat sich bereits seit 1993 entwickelt. Damals war er mit einem Freund und seinem Sohn in der Türkei unterwegs. Getrieben vom immer wiederkehrenden Fernweh ist der Aerzener seitdem mehrfach durch die Länder entlang der Seidenstraße gereist – allerdings noch nie so lange und weit wie in diesem Jahr. Dieser Marathon – und die zeitweise Einsamkeit – bringen ihn an seine persönlichen Grenzen. Aber genau das wollte Lackhove ja: „Klar bin ich hier raus aus der heimischen Komfortzone“, berichtet er. Im Gegenzug stelle sich aber ein Gefühl bisher ungekannter Freiheit ein.

Obwohl er allein unterwegs ist, will der 62-Jährige seine Reise nicht als „Egotrip“ verstanden wissen. Deshalb hat er sich vorgenommen, seine Mission mit einem sozialen Projekt zu verknüpfen. Dabei stieß er auf das Hilfswerk Misereor, das sich unter anderem gegen Kinderarbeit in Indien einsetzt. Mit dem zum Teil schon im Vorfeld der Reise gesammelten Geld wird Kindern der Schulbesuch ermöglicht, die zuvor beispielsweise in Steinbrüchen schwere körperliche Arbeit leisten mussten. „Es ist mir eine Herzensangelegenheit, langfristig in den Ländern zu helfen, die ich bereise. Deshalb mache ich Marketing für die gute Sache“, betont Lackhove.

Auf seiner bislang letzten Station in der indischen 1,7-Millionen-Einwohner-Stadt Agra hat er die Initiatoren des Misereor-Projektes besucht. Dort wurde der Gast aus Deutschland herzlich empfangen, die Einheimischen hielten sogar Fotos von ihm auf dem Motorrad hoch.

Enden soll das Abenteuer in einigen Wochen in Thailand. Dort trifft der Aerzener seine Frau wieder, und die beiden wollen vier Wochen gemeinsam Urlaub machen. Bis dahin wird Lackhove vermutlich noch einige Male an seine Grenzen kommen. Doch darauf ist er vorbereitet: „Ich habe gelernt, positiv zu denken und Hindernisse zu überwinden.“

Wie die Reise weitergeht, dokumentiert Lackhove unter www.seidenstrasse-2016.de.

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