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Eine Reise in die Zeit des Rock ’n’ Roll

Jürgen Tosch und seine Plattensammlung

Jürgen Toschs Liebe zum Rock ’n’ Roll drückt sich in seiner gigantischen Schallplattensammlung aus. Über 1200 Exemplare nennt er in zwischen sein Eigen. Das mussten wir uns genauer anschauen und haben ihn in seinen Hobbykeller begleitet.

veröffentlicht am 24.04.2017 um 20:06 Uhr

Foto: Pixabay
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Autor

Maibritt Bartling Reporterin
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Vinylscheiben, Plattenspieler, Musikbox: Das alles sind für mich Begriffe aus vergangener Zeit. Ihr Aussehen kenne ich höchstens aus Abbildungen oder Dokumentationen im Fernsehen. Für Jürgen Tosch sind das Jugenderinnerungen – an denen er bis heute sehr hängt. Die einfache Liebe zum Rock ’n’ Roll ist es, die ihn damals, vor rund 50 Jahren, zum Sammeln angetrieben hat. Und noch immer hält sein Hobby an: 1200 Platten hat er ordentlich sortiert in seinem Hobbykeller stehen. Eine Besichtigung seiner Schätze gleicht einer kleinen Zeitreise …

Dass neben dem Sammeln auch das Malen zu seinen Hobbys gehört, merkt man sofort, wenn man seinen Bereich des Hauses betritt. An den Wänden des Kellers hängen bemalte Leinwände und selbstgestaltete Collagen. Dabei ist die Leidenschaft Toschs für den Rock ’n’ Roll und seine Zeit unverkennbar. Die Bilder zeigen vorzugsweise alte Legenden wie Elvis Presley oder Marilyn Monroe.

Aber auch sonst wirkt der Keller mit Plattenspieler, einer Musiktruhe und einer alten Bar aus Holz wie aus einer anderen Zeit. Doch das Herzstück des Raumes ist eindeutig: „Die Musikbox kommt aus Amerika und wurde in den 50ern gebaut“, erkärt Tosch. Heute gebe es davon noch etwa zwanzig Stück in Deutschland – und sie seien einiges Wert. Trotzdem ist sie für ihn definitiv nicht bloß zum Ansehen gedacht. Regelmäßig lässt sich Tosch hier von der Musik mitreißen.

Auch ich darf mir einen Titel aussuchen und die Box ausprobieren. Darin befinden sich genau 200 verschiedene Singles, also kleine Platten mit nur einem Song. Auf kleinen Schildern gedruckt sind die Titel der Songs vermerkt, daneben steht die dazugehörige Zahl. Zuerst bin ich überfordert: Ich sehe auf den ersten Blick weder einen mir bekannten Song, noch weiß ich die Box zu bedienen. Jürgen Tosch zeigt es mir: In einen Münzschlitz wird wie bei einem Parkautomaten eine Deutsche Mark eingeworfen und danach mit der Wählscheibe die gewünschte Zahl gewählt.

Was bei Tosch Jugenderinnerungen weckt, ist für mich Neuland: Noch nie habe ich eine Wählscheibe bedient oder eine DM in der Hand gehabt. Aber was macht das Musikhören damit so besonders? „Auf Partys ist eine Musikbox immer der Mittelpunkt“, sagt Tosch dazu und erklärt , was ihm daran so gefällt. „Die Gäste können sich die Titel einfach selber auswählen. Nicht nur der Gastgeber bestimmt die Musik, sondern alle!“. Danach sind die Singles in der Musikbox, welche Tosch selbst bestückt hat, auch ausgewählt. Es ist ein „bunter Mix“ und „für jeden etwas dabei!“

Während aus den Lautsprechern „Sultans of Swing“ von den Dire Straits tönt, zeigt mir Tosch die eigentliche Sammlung. In einem Schrank hat er seine 1200 Platten verstaut- und das mit System. Die Singles sind sortiert und katalogisiert. Sowohl in seinem Computer, als auch ganz altmodisch in einem Heft hat er jeden Titel aufgeführt. Aber auch ohne kennt sich Tosch bestens aus: „Ich weiß immer ganz genau, wo welche Platte zu finden ist“.

Das war nicht immer so. Noch vor ein paar Jahren war seine Sammlung etwa 3000 Platten groß. Mit dem Ruhestand kam die Ordnung: Alle doppelten Platten wurden verkauft und die Sammlung auf „die Highlights“, wie er selber sagt, reduziert und erweitert. Somit habe er heute eine „Große Bandbreite an Künstlern“. Dafür sucht Tosch keine Händler auf. „Die sind viel zu teuer“, erklärt er. Auf Flohmärkten werden Schallplatten meist für ein paar Euros verkauft. Dabei „liegen die Platten oftmals lieblos in Kisten und stehen auf dem Boden“. Die Leute wüssten meist gar nicht, wieviel ihre Schätze wert seien. Dabei profitiert Tosch von dem Unwissen, denn mehr als zwei Euro pro Platte gibt er nicht aus: Schließlich ist er „ein Sammler“.

Zum Abschluss bestätigt mir Jürgen Toschs Frau meinen Eindruck von seiner Sammlerleidenschaft. Mit einem Blick auf ihren Mann sagt sie: „Die Musik hält einfach frisch!“

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