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Alter Falter!

Gaukler der Tropen zu Gast in den Schauhäusern Herrenhausens

Zitronenfalter, Kleiner Fuchs und Admiral sind ja gut und schön, aber manchmal darf’s auch exotischer sein, nicht wahr? Deshalb lohnt ab Freitag (26. Januar) bis Mitte März ein Ausflug, hinaus aus dem Weserbergland, hinein in die Landeshauptstadt Hannover, Stadtteil Herrenhausen. Die „Gaukler der Tropen“ sind angekommen in den Schauhäusern des Berggartens. Eine Flugschau? Eher eine Flug-Show!

veröffentlicht am 25.01.2018 um 14:18 Uhr

Foto: Frank Rückert/pr

Autor:

Jens F. Meyer
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HANNOVER-HERRENHAUSEN. Augen auf beim Eintreten in die frisch restaurierten Tropenschauhäuser. „Die Falter sitzen zwar gerne an den Blüten, aber nehmen nicht selten auch auf dem Gang Platz…“, sagt Anja Kestennus, Pressesprecherin der Herrenhäuser Gärten und bittet jeden Besucher damit sozusagen durch die Blume um Vorsicht. Wäre ja auch zu schade, mit unbedachten Schritten Bananenfalter, Monarchfalter, Himmelsfalter und viele weitere zu schädigen, plattzumachen… – denn es sind wahrhaftig besondere Lebewesen, die hier im Glashaus geschlüpft sind und jetzt fröhlich ihre Runden drehen.

„Ein Feuerwerk an Farben, das in den grauen Wintertagen wirklich jeder gebrauchen kann“, frohlockt Anja Kestennus. Viel Vorarbeit war vonnöten, bis es zu dieser (erneuten und bereits zweiten) Flugshow der Gaukler aus den Tropen kommen konnte. Vor mehr als 120 geladenen Gästen war am vorgestrigen Mittwoch offizielle Eröffnung gefeiert worden. Überall saßen und flirrten sie durch die Lüfte, diese teils handtellergroßen Schmetterlinge vom anderen Ende der Welt. Nicht weniger als rund 1000 Tagfalter füllen das Schauhaus mit buntem Leben. Die Besucher, die ab heute bis Mitte März dieses Schauspiel der Leichtigkeit bewundern können, sehen die filigranen Geschöpfe beim Blütenbesuch oder bei der Nahrungsaufnahme an Futterstationen. Mit etwas Glück sind auch der Schlupf eines Falters, die Paarung oder die Eiablage zu erleben. Auf speziellen Futterpflanzen sind die vor Ort geschlüpften Raupen zu sehen. Die Überlebensstrategien vieler Arten sind Jahrtausende alt und höchst faszinierend. So imitieren junge Raupen mancher Ritterfalter (Papilio) nichts anderes als Vogelkot, um sich vor Fressfeinden zu schützen. Sind die Raupen älter, sind sie in der Lage, bei Gefahr eine grellgelb gefärbte Nackengabel zu zeigen, die schon allein bedrohlich aussieht, die aber zusätzlich auch noch ein für Fressfeinde schrecklich stinkendes Sekret aussondiert. Welches Tier denkt da schon an einen hübschen Snack für zwischendurch? Die Populationen, die nun in Hannover-Herrenhausen zu sehen sind, müssen Fressfeinde glücklicherweise nicht fürchten. Im Verlauf der Ausstellung bevölkern 60 verschiedene Arten der faszinierenden Gaukler das Schauhaus: Ein Highlight ist der Himmelsfalter (Morpho peleides), der seine blau schillernden Flügel-Innenseiten nur im Flug zeigt, sich nach der Landung aber hervorragend tarnt. Der große Bananenfalter (Caligo memnon) legt seine Eier an Bananenstauden ab, die bizarren Raupen tragen Hörnchen, Dornen und einen Gabelschwanz.

Blühende Pflanzen wie der Stern von Ägypten (Pentas lanceolata) bieten den Faltern reichlich Nektar. Für die häufig sehr wählerischen Raupen stehen Bananen- und Zitruspflanzen, Pfeffergewächse und andere zur Verfügung. Der Monarchfalter (Danaus plexippus) kann seine Eier an Seidenpflanzen ablegen, während für die Passionsblumenfalter (Heliconiinae) Passionsblumen bereit stehen.

Die Raupen der exotischen Schmetterlinge entwickeln teils seltsame Überlebensstrategien – allerdings mit Erfolg! Foto: Boris Schlumpberger / pr
  • Die Raupen der exotischen Schmetterlinge entwickeln teils seltsame Überlebensstrategien – allerdings mit Erfolg! Foto: Boris Schlumpberger / pr
Rund 60 verschiedene Arten bevölkern zurzeit die Tropenschauhäuser. Foto: Frank Rückert / pr
  • Rund 60 verschiedene Arten bevölkern zurzeit die Tropenschauhäuser. Foto: Frank Rückert / pr

Die Falter im Tropenschauhaus kommen aus Costa Rica, Malaysia, Thailand und von den Philippinen, einige auch aus Afrika. Sie werden nicht der Natur entnommen, sondern in ihren Heimatländern in speziellen Farmen herangezogen. Als Puppen sicher verpackt, werden die Tiere verschickt. Im Berggarten schlüpfen sie dann meist innerhalb von Tagen. Ihre natürliche Lebensdauer als ausgewachsene Falter beträgt im Durchschnitt nur zwei bis vier Wochen! Wie groß das Interesse an dieser lebendigen Ausstellung ist, zeigt die Tatsache, dass die abendlichen Führungen, nachdem sich die Tore des Berggartens längst geschlossen haben, bereits komplett belegt sind. „Und auch in der Schmetterlingsforscher-Werkstatt für Kinder ist kein Platz mehr frei“, sagt Anja Kestennus. Um die Tragweite dieser Ausstellung zu verdeutlichen, stelle man sich das Leben und die Kraft des Monarchfalters vor. Der Danaus plexippus ist in Amerika weit verbreitet und hat sich im 18. Jahrhundert über den Südpazifik bis nach Australien ausgebreitet. Bekannt ist er vor allem aufgrund seiner immensen Strecken, die er als typischer Wanderfalter zurücklegt. Es gibt Nachweise, die bei einzelnen Tieren eine zurückgelegte Streckenlänge von 3600 Kilometern belegen! Anders würden die im Norden Amerikas weilenden Edelfalter auch nicht überleben, weil sie vor dem Winter fliehen; sie überwintern in der mexikanischen Sierra Nevada. Über 100 Millionen Falter sind dort dann zu sehen, obwohl seit 2010 die Zahl der überwinternden Population deutlich gesunken ist. Es ist erwiesen, dass das Magnetfeld der Erde für die Falter eine Rolle spielt. Aber auch die Sonne leuchtet ihnen gewissermaßen heim. Die weit über 3500 Kilometer lange Strecke legen sie im Übrigen in weniger als zwei Monaten zurück. Das ist fürwahr beachtlich.

Und nun sind diese Edelfalter nebst weiteren wundervoller Exoten in den Tropenschauhäusern des Berggartens in Herrenhausen zu bewundern. Die Gebäude sind innerhalb der vergangenen vier Jahre saniert worden; als letztes wurde das Orchideenschauhaus – frisch bepflanzt – eingeweiht. Neben den Faltern und weiteren kleinen tierischen Bewohnern offenbart sich hier überall vor allem eine riesige Vielfalt sukkulenter Pflanzen, Wasserpflanzen, Orchideen und vieles mehr, und es ist gut möglich, dass das Kanarenschauhaus – mittlerweile auch in die Jahre gekommen und außerdem zu klein geworden – in absehbarer Zeit erweitert wird. Für Faltereien wie die momentanen wäre dann noch mehr Platz vorhanden.

Zudem lohnt sich der Besuch des Berggartens, sozusagen das botanische Herz der Herrenhäuser Gärten, sogar im Winter. In der kalten Jahreszeit beeindrucken vielerlei Fruchtschmuck, Fruchtstände, Gräser und Immergrüne mit ihrer Farben- und Formenpracht. Frühe Winterblüher wie der Duftschneeball, der Winterjasmin und manche Zaubernuss überraschen bei frostfreier Witterung mit zarten Blüten.


Gaukler der Tropen: exotische Schmetterlinge in den Schauhäusern des Berggartens Hannover-Herrenhausen, Sonderausstellung vom 26. Januar bis 18. März, Öffnungszeiten täglich von 9 bis 16.30 Uhr.

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