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Wir stellen heimische Künstler im Porträt vor – heute: Karin Otto

„Es kommt einfach so aus mir heraus“

Gemalt habe ich schon immer gerne. Seit der Kindheit“, sagt Karin Otto. In der Schule aber, da gab es im Malen nur Dreien und Vieren. Es störte sie nicht. Sie malte weiterhin so, wie sie es konnte. „Und ich hatte Spaß daran!“

veröffentlicht am 04.12.2017 um 09:03 Uhr
aktualisiert am 06.12.2017 um 11:50 Uhr

Nicht im „Atelier“, im „Malstübchen“ entstehen Karin Ottos Bilder, die bereits in diversen Ausstellungen gezeigt wurden. Foto: amg
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Autor

Alda Maria Grüter Reporterin
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Als es zur Berufsfindung kam, spielte sie mit dem Gedanken, Kunst zu studieren. Aber die Familienkonferenz tagte und hob entsetzt die Hände: „Kunst, brotlose Kunst!“ Karin Otto sah es ein. Es waren damals, 1954/55, ja auch schlechte Zeiten.

Die Kunst ruhte. Später aber, durch ihre Beschäftigung bei einer Münchner Firma, die unter anderem Rahmen vertrieb, kam sie doch noch zur Kunst: Kunden brachten Bilder in das Geschäft, um Rahmen zu kaufen – da erwachte in ihr wieder das Interesse an der Malerei.

Es war im weitesten Sinne die naive Kunst, die sie besonders ansprach, ein Stil, dem sie während ihrer jahrzehntelangen Schaffenszeit treu geblieben ist. „Abstrakt zu malen beispielsweise, das käme für mich überhaupt nicht in Frage.“ Karin Otto beschaffte sich einen Ölmalkasten sowie alles notwendige Zubehör, ihr erstes kleines Werk mit Ölfarben entstand – und „die Bilder kamen beim Publikum gut an“.

Hamelner Häuser sind immer wieder Motiv von Karin Otto. Hier das Leisthaus. Foto: Dana
  • Hamelner Häuser sind immer wieder Motiv von Karin Otto. Hier das Leisthaus. Foto: Dana
Nicht nur Weserrenaissance und Straßenszenen machen das Werk von Karin Otto aus: ein Angler in süddeutschem Ambiente. Foto: amg
  • Nicht nur Weserrenaissance und Straßenszenen machen das Werk von Karin Otto aus: ein Angler in süddeutschem Ambiente. Foto: amg
„Bevor ich es malte, hatte ich die klare Vorstellung, dass es genau so aussehen soll“: die Künstlerin mit ihrem Rosenbild. Foto: amg
  • „Bevor ich es malte, hatte ich die klare Vorstellung, dass es genau so aussehen soll“: die Künstlerin mit ihrem Rosenbild. Foto: amg

So begann ihre Karriere als Künstlerin. Wobei: Halt! Karin Otto wehrt ab. „Ob ich mich als richtige Künstlerin oder nur Hobby-Künstlerin bezeichnen sollte … Es kommt auf die Definition an.“ Sie liegt wohl irgendwo dazwischen. Die Malerei hat Karin Otto zwar nie berufsmäßig betrieben, in dem Sinne, dass sie ihren Lebensunterhalt davon finanzierte. Andererseits: „Wenn ich etwas malen will, beschäftige ich mich sehr intensiv damit.“ Zum einen suche sie den Ort auf, von dem das Motiv stammt, manchmal sogar mehrmals.

Sie studiere genau alle Details, mache Fotos, die später als Vorlage dienen. Und: „Ich setze mich außerdem geistig sehr lange mit einem Bild auseinander, bewege es vorweg im Kopf.“ Und das Bild sei fertig, lange bevor sie beginne, dem erdachten Konzept folgend, die weiße Leinwand zu füllen – schon diese Art von Auseinandersetzung gehe in Richtung Kunst, meint sie.

„Beispielsweise die Weihnachtskarte, die ich im nächsten Jahr für die Dewezet malen werde – das läuft jetzt schon in meinem Kopf rund“, sagt Karin Otto und zeigt ein anderes Beispiel. Das Rosenbild: „Bevor ich es malte, hatte ich die klare Vorstellung, dass es genau so aussehen soll“, sagt sie und deutet zu der Wohnzimmer-Wand, an der es hängt. Ihr Lieblingsbild, man sollte es schon ganz aus der Nähe betrachten. Denn: Gerade im Detail liegt die künstlerische Finesse. Und das trifft für das Bild mit dem Rosenbukett wie für all ihre anderen Bilder zu.

Ob Menschen, Landschaften oder Gebäude – liebevoll und mit äußerster Akribie in Öl gemalt, entdeckt man auf einer Fläche von gerade einmal 24 x 30 Zentimetern eine verblüffende Fülle an Feinheiten. Hübsch und bunt sind die Motive allemal. Sozusagen gemalte Harmonie und Heiterkeit mit dem Charme der unbekümmerten, heilen Welt. Kleine Werke ganz groß. Und Kunst, bei der der Betrachter keine Interpretationsrätsel lösen muss. Denn, was es sein soll, man sieht es auf Anhieb. Hamelner sowieso, denn Bilder mit Motiven aus der Rattenfängerstadt hat Karin Otto nicht wenige gemalt.

Dass auf vielen ihrer Werke Winterstimmung gezeigt wird, indem es unzählige winzig kleine Schneeflöckchen rieselt, hat ganz einfach damit zu tun, dass die Bilder als Weihnachtskarten gedruckt werden. In dem Fall seien es dann immer Auftragsarbeiten – wie etwa für die Heimatzeitung. Ihre Motive zieren außerdem Grußkarten der Deutschen Krebshilfe, von Firmen und von namhaften (Kalender)-Verlagen, sagt die Autodidaktin, die seit 1978 Exponate auch auf Ausstellungen in Orten präsentiert, in denen sie gelebt hat, unter anderem in München, Starnberg und in Hameln, wo sie seit 1980 zuhause ist.

Auch Galerien, wie etwa die ehemalige Galerie Schreiber in München, haben ihre Bilder gezeigt, erzählt Karin Otto weiter, winkt aber wieder ab: Großes Aufsehen um ihre Person und um ihre Bilder möge sie gar nicht.

Apropos: Die Treppe hoch, da geht es nicht ins Atelier, sondern ins Malstübchen: „Ein gemütliches Zimmerchen, in dem man sich ausprobieren kann und beim Malen die Zeit vergisst.“ Am Fenster der Schreibtisch, an dem ihre Miniaturwerke entstehen. Auf den Regalen: Bücher, Kassetten und CDs mit Klassikmusik, Pinsel und Terpentindosen, Deko-Objekte.

An den Wänden: Bilder, die sie gemalt hat, Bilder, die Kinder und Enkelkinder gemalt haben. Sich von anderen Künstlern und Stilen inspirieren zu lassen, sich Maltechniken anderer abzuschauen oder gar Malkurse zu belegen, das sei für sie nie in Frage gekommen, erzählt Karin Otto. Und ob jemand befähigt ist, künstlerisch kreativ zu sein, das hänge nicht unbedingt von einem (Hochschul)-Studium ab.

Karin Otto legt gerade darauf Wert: dass sie für sich den autodidaktischen Weg gewählt hat. „Wenn das Bild fertig ist, muss ich etwas sehen, was mir gefällt“, sagt sie. Noch nie habe ein Bild, das sie nicht mit höchster Akribie und zu ihrer eigenen Zufriedenheit ausgeführt habe, ihren Tisch verlassen. Von jedem Bild müsse sie persönlich überzeugt sein.

Überzeugt erklärt Karin Otto auch, dass ihre Werke eigentlich nicht zweifelsfrei der Kategorie der naiven Kunst zuzuordnen wären: „Eigentlich kann ich mich als Malerin bezeichnen, in deren Bildern naive Elemente vorkommen. Wie gesagt, alles eine Frage der Definition.“

Natürlich habe sie mit der Zeit ihre Techniken weiterentwickelt und verbessert, erklärt Karin Otto. Und fügt hinzu: „Na ja, was ich male und wie ich es male, es kommt alles einfach so aus mir heraus. Ich kann nur das malen, was ich kann – und das mache ich sehr gern.“

Info: Die Ausstellung „Bilder aus 4 Jahrzehnten“ mit Werken von Karin Otto ist noch bis Freitag, 15. Dezember, in Hameln im Multimediaraum der Dewezet (Osterstraße 16) zu sehen. Montag bis Samstag von 9.30 bis 12.30 Uhr, Mittwoch und Freitag zusätzlich von 15 bis 17 Uhr.

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