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Wie halten es die heimischen Landfrauen mit dem Dekorieren und welche Trends sind dieses Jahr angesagt?

Das Frühjahr kreativ begrüßen

Die Tage werden länger, wärmer und sonniger und jetzt ist es höchste Zeit, dass der Frühling mit allerlei Dekoration in Haus, Hof und Garten Einzug hält. Eigentlich ist es diesbezüglich schon fünf vor zwölf, wie die Expertinnen bestätigen. Mit dem traditionellen Frühjahrsputz wurde bereits vor Wochen nicht nur der Winter mit seinen eher gedeckten Farben aus den Polstern geklopft, sondern auch der Weg frei gemacht für jede Menge fröhlich bunte Frühlings- und Osterdeko.

veröffentlicht am 05.04.2017 um 15:46 Uhr
aktualisiert am 05.04.2017 um 17:20 Uhr

Mit dem traditionellen Frühjahrsputz wurde bereits vor Wochen nicht nur der Winter mit seinen eher gedeckten Farben aus den Polstern geklopft, sondern auch der Weg frei gemacht für jede Menge fröhlich bunte Frühlings- und Osterdeko. Foto: sbr
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Sabine Brakhan Reporterin
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Eigentlich fängt die Umgestaltung bereits zwischen den Jahren an, wenn nach Weihnachten und vor Silvester der Blumenhandel mit den ersten Primeln und Hyazinthen aufwartet und der Einzelhandel eimerweise Tulpen auf den Markt wirft. Am Advents- und Weihnachtsschmuck hat man sich dann endgültig satt gesehen, er hat ausgedient. Frische Farben halten Einzug. Wer kann da noch widerstehen?

Doch wie halten es beispielsweise die heimischen Landfrauen mit dem Dekorieren? Auch sie bestätigen, der traditionelle Schmuck zum Osterfest wurde von der Frühlingsdekoration abgelöst. „Die Osterzeit ist einfach zu kurz und wenn man frühlingshaft dekoriert, hat man einfach länger etwas von dem schönen Anblick“, erklären die Landfrauen.

Allerdings sind sie nicht ganz so zeitig dran wie der Einzelhandel, aber immerhin: Noch vor dem meteorologischen Frühlingsbeginn haben sich die Mitglieder des Ortsvereins Rinteln-Hessisch Oldendorf zum Kreativnachmittag bei Heike Rehse-Gliesmann in Fuhlen getroffen. Getreu dem Motto: Die einen kehren den Winter mit dem Karneval aus, die anderen begrüßen das Frühjahr kreativ. „Das hat bei uns mittlerweile schon Tradition“, erklärt Landfrau Sigrid Dohm, die bereits zum wiederholten Mal teilnimmt.

Kurz vor Ostern beginnen die ersten sommerlichen Deko-Ideen die Ausstellung zu erobern. Regina Ziegner deckt schon einmal Spargel auf. Foto: sbr
  • Kurz vor Ostern beginnen die ersten sommerlichen Deko-Ideen die Ausstellung zu erobern. Regina Ziegner deckt schon einmal Spargel auf. Foto: sbr
Blumenbinderin Heike Rehse-Gliesmann gibt ihre innovativen Gestaltungsideen gern an ihre Kreativkursteilnehmer weiter. Foto: sbr
  • Blumenbinderin Heike Rehse-Gliesmann gibt ihre innovativen Gestaltungsideen gern an ihre Kreativkursteilnehmer weiter. Foto: sbr
Sigrid Dohm von den Landfrauen Rinteln – Hessisch Oldendorf empfängt den Frühling mit einem Allium-Stecker aus Draht und Steckzwiebeln. Foto: sbr
  • Sigrid Dohm von den Landfrauen Rinteln – Hessisch Oldendorf empfängt den Frühling mit einem Allium-Stecker aus Draht und Steckzwiebeln. Foto: sbr

Im dem zum Werkraum ungestalteten ehemaligen Melkstand ist ausreichend Platz für jede Menge Kreativität. Die Floristmeisterin zeigt in ihren Werkkursen gern, was ansonsten auch in ihrem Geschäft gleich nebenan käuflich zu erwerben ist. Doch die Fuhlerin lässt in ihrem Laden mit dem Namen „Die Blumenbinderin“ nicht nur Ideen Farbe bekennen, sondern unterrichtet auch vertretungsweise in Hannover bei einem Bildungsträger angehende Floristen, sodass sie trend- und verarbeitungstechnisch immer am Puls der Zeit ist. Die Landfrauen aus Rinteln und Hessisch Oldendorf haben in diesem Frühjahr die Wahl zwischen natürlich gestalteten Kränzen, aufwendigen Heukreationen und ungewöhnlichen Draht- und Astgeflechten.

Während es die eine Hälfte mit einem Kranz und dem traditionellen Heu versucht, gehen die anderen mutig an die innovative Metallverarbeitung. Ein Gartenstecker hat es Sigrid Dohm besonders angetan, der ein wenig an den Blütenstand des Fliederlauchs (Allium caeruleum) erinnert. Bis die blauen Pompoms in den Bauerngärten und Rabatten erblühen, ist es für gewöhnlich Mai oder Juni. Also helfen die Damen der Natur ein bisschen auf die Sprünge, indem sie ihren ganz eigenen Allium entstehen lassen. Auf unzähligen Drahtenden, die abgerollt und auf Länge gebracht anschließend zu einem Pompom gearbeitet wurden, müssen am Ende Dutzende von Steckzwiebeln aufgespießt werden. Eine echte Fleißarbeit, der ein Kraftakt vorausging, denn die Drähte wollen natürlich auch „bombenfest“ am Stiel verankert sein.

Dafür greifen Landfrauen wie Blumenbinderinnen auch schon mal zu grobem Schraubwerkzeug. „Der Frühlingsregen macht den Draht dann schön rostig und lässt die Steckzwiebeln austreiben. Wer das nicht abwarten möchte, arbeitet zusätzlich einige ausgetriebene Traubenhyazinthenzwiebeln ein“, erklärt die Fachfrau. Noch ein blaues Schleifenband an den Stiel gebunden und fertig ist der frühlingshafte Gartenstecker, der auch ohne Weiteres den Sommer im Garten überdauern kann.

„Frühling lässt sein blaues Band wieder flattern durch die Lüfte“ – Eduard Mörikes berühmtes Frühlingsgedicht kommt einem in den Sinn, wenn man beobachtet, wie der Wind mit den Chiffonbändern des Draht-Zwiebel-Alliums spielt.

Auch in Regina Ziegners Lädchen „Litonya“ im Hamelner Klütviertel findet man weniger traditionelle Osterdekoration als vielmehr eine vielseitige trendig-pastellfarbene Dekoration, die dem ganzen Frühjahr eine zarte Farbe verleiht. Und wie es sich für eine echte Deko-Queen gehört, setzt sie in diesem Frühjahr voll auf die Trendfarbe rosa. „In vielen Frauen steckt dieser heimliche Wunsch, einmal Prinzessin zu sein. Diesen Traum unterstützt der aktuelle Trend“, ist die Hamelnerin der Meinung und macht keinen Hehl daraus, dass auch sie auf rosa steht.

Die ersten Kundinnen durchstöbern bereits kurz nach Weihnachten ihren Laden am Breiten Weg auf der Suche nach frühlingshafter Deko. Jetzt, Anfang April, hat die 53-Jährige schon die Dekoartikel für den Sommer eingekauft und für das Herbst- und Wintergeschäft beginnt die Order. Um sich von den großen Ketten abzuheben, setzt auch Regina Ziegner auf Kreativität. Während ein Teil ihres Angebots an ihrer Nähmaschine, mit Nadel und Faden oder in ihrer Seifenküche entsteht, stammen andere schöne Dinge in dem kunterbunten Sortiment aus den Niederlanden. Bunt kombiniert ergeben sie einen besonderen Mix, den die Kunden – vor allem Frauen – bei Regina Ziegner so lieben.

Grundlegend umdekoriert wird saisonal viermal im Jahr. „Bis alles seinen Platz gefunden hat, vergehen schnell zwei Wochen“, erzählt die Dekoqueen. Und genau wie die Hamelnerin es der Kundschaft vormacht, kombiniert diese immer wieder ihren Bestand mit neu erworbenen Kleinigkeiten und schnell wird aus der frühlingshaften eine sommerliche Dekoration. Getreu dem Motto: Eier und Hasen runter vom Tisch, Spargel und Erdbeeren drauf. Und irgendwie verbindet man diese kulinarischen Genüsse – auch wenn sie in der Deko aus Kunststoff sind – ein Stück weit mit dem Frühling, oder?

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