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Ausgedient – Was mit alten Schulen passiert

Seit Montag herrscht wieder Hochbetrieb an den Schulen. Allerdings bleiben die Gänge und Klassenräume in der Bückeburger Herderschule ab diesem Schuljahr leer. Niemand tummelt sich auf dem Schulhof, kein Geschrei in der Pausenhalle. Es ist still geworden in den Trakten, in denen bis Juli dieses Jahres noch die Realschule untergebracht war. Die Schüler verbringen ihren Vormittag jetzt in der benachbarten Graf-Wilhelm-Schule, der ehemaligen Hauptschule.

veröffentlicht am 31.08.2012 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 14:26 Uhr

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Lars Lindhorst

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Lars Lindhorst Reporter zur Autorenseite

Seit Haupt- und Realschule zur neuen Oberschule zusammengeführt worden sind, ist die alte Herderschule gewissermaßen übrig. Es besteht kein Bedarf mehr für die schulische Nutzung. Aber was passiert mit solch einem speziellen Gebäude, wenn es für den Schulbetrieb nicht mehr gebraucht wird?

Konkrete Pläne gibt es in Bückeburg noch nicht. Der Landkreis Schaumburg als Schulträger will in Sachen Herderschule gemeinsam mit der Stadt Bückeburg Lösungen finden. Der Landkreis will verkaufen, die Pläne nach dem Schulauszug sind noch offen. „Bei der Nachnutzung sind auch die jeweiligen Gemeinden gefragt“, sagt Landkreissprecher Klaus Heimann. „Es ist auch nicht automatisch eine gänzlich andere Nutzung möglich“, so Heimann. Allerdings würden in jedem Einzelfall die jeweiligen Bauleitplanungen der Kommunen mitentscheiden, was mit einem leer stehenden Schulgebäude einmal passieren wird. „Die Planungshoheit liegt bei der Stadt.“

Landauf, landab sind Schulschließungen und Zusammenlegungen dauerhaft ein Thema. Das hat mehrere Gründe: Mit der demografischen Entwicklung gehen sinkende Schülerzahlen einher. Besonders betroffen davon sind vor allem kleinere Schulen, meist Grundschulen auf den Dörfern, sogenannte „Zwergschulen“. Ehe nur noch eine Klasse mit zehn bis 15 Schülern pro Jahrgang angeboten wird, scheinen Zusammenlegungen von Zwergschulen pädagogisch – und besonders auch finanziell – sinnvoll zu sein. Nach Schätzungen des niedersächsischen Elternrats gibt es landesweit rund 300 solcher Zwergschulen, die nur einzügig sind.

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  • Seit Längerem in der Diskussion: die Grundschule Großenwieden.
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  • In Grohndes alter Schule soll ein Dorfladen entstehen. Fotos (3): Wal
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  • Teile der Albert-Schweitzer-Schule in Obernkirchen stehen aktuell zum Verkauf. Neue Schüler werden wegen der Inklusion nicht mehr an der Förderschule aufgenommen. Foto: ll

Weitere Gründe für Schulschließungen sind politischer Natur: Da wäre die Einführung der Oberschule, die wie am Beispiel der Herderschule aus Haupt- und Realschule eine gemeinsame Oberschule machen. In Bückeburg ist deshalb das eine Gebäude überflüssig. In Rinteln, wo zu diesem Schuljahr ebenfalls die Oberschule eingeführt wurde, bleiben die ehemaligen Gebäude der Real- und Hauptschule für den Schulbetrieb bestehen. Die Frage ist, wie lange noch. Politischer Wille ist ebenfalls die Inklusion. Viele Schulen in Niedersachsen sind auf dem Weg, eine inklusive Schule zu werden, in denen alle Schüler gleichberechtigt am Unterricht teilhaben sollen. Folge: Ehemalige Förderschulen werden aufgelöst, die Schüler werden an anderen, bereits bestehenden, Standorten beschult.

Für Landkreise, Städte und Gemeinden stellt sich die Frage, was mit den leer stehenden Gebäuden passiert. In vielen Fällen ist ein Verkauf die am geeignetsten erscheinende Lösung.

Beispiel Zwergschulen: Im Landkreis Hameln-Pyrmont stehen einige dörfliche Grundschulen zur Debatte, an einigen Standorten sind Schließungen bereits beschlossen. So wird seit Längerem die Schließung der Grundschule in Großenwieden im Jahr 2013 diskutiert, ebenso stehen die Schulen in Hachmühlen und Flegessen zur Debatte. Im Flecken Salzhemmendorf werden gleich in drei von vier Grundschulen bis voraussichtlich 2018 die Lichter ausgehen, das betrifft Lauenstein (2013), Wallensen (2014) und Oldendorf (2018). Am weitesten gediehen sind Pläne der Nachnutzung am ehemaligen Grundschulstandort in Grohnde. Dort soll nach Ideen von Einwohnern ein Dorfladen eröffnet werden, der wieder Waren des täglichen Bedarfs anbieten könnte. Eine Machbarkeitsstudie soll nun klären, welche Baukosten dabei entstehen, ob sich das Dorfladen-Konzept betriebswirtschaftlich rechnet und welche Rechtsform gewählt werden muss, damit sich das Projekt umsetzen lässt.

Beispiel Förderschulen: Bis vor Kurzem hat der Landkreis Hameln-Pyrmont die ehemalige Astrid-Lindgren-Schule in Bad Münder, eine Einrichtung für den Förderschwerpunkt Lernen, im Internet zum Verkauf angeboten. Denn gefördert wird nun inklusiv – an der neu eingerichteten Kooperativen Gesamtschule in der Deisterstadt. Einen Käufer für die Astrid-Lindgren-Schule gefunden hat der Landkreis zwar noch nicht, aber zumindest haben sich Interessenten gefunden, die auch Kaufangebote abgeben haben. „Die Schule war in einem öffentlichen Bieterverfahren“, sagt Sven Beermann von der Kreisverwaltung in Hameln-Pyrmont. „Wer den Zuschlag erhält, ist allerdings noch offen.“ Ob die ausgediente Schule am Ende interessant für Investoren ist, entscheidet auch der Kaufpreis. Aber: „Wir sind angehalten, unsere Immobilien nicht unter Wert zu verkaufen“, sagt Beermann.

Für jeweils mindestens 60 000 Euro will jedenfalls der Landkreis Schaumburg Teile der Albert-Schweitzer-Förderschule in Obernkirchen verkaufen. Die Kreisverwaltung hat die Veräußerung von zwei denkmalgeschützten Villen an der Eilsener Straße, die früher als Schulgebäude, heute als Erziehungsberatungsstelle und Außenstelle des Jugendamtes dienen, einem Kölner Auktionshaus übertragen. Am 21. September sollen die ehemaligen Schulgebäude unter den Hammer kommen. Der Schaumburger Kreistag hatte die Auflösung der Förderschule auch vor dem Hintergrund sinkender Schülerzahlen beschlossen.

Die Villen, die zum Verkauf stehen, sind voraussichtlich nur der Anfang. Derzeit werden im Hauptgebäude der Albert-Schweitzer-Schulen lediglich auslaufende Jahrgänge weitergeführt, neue Schüler werden nicht mehr aufgenommen. Spätestens in ein paar Jahren wird auch das Hauptgebäude der Schweitzer-Schule nicht mehr für den Schulbetrieb zur Verfügung stehen.

Dass sie irgendwann einmal dauerhaft in einem Lehrerzimmer übernachten würden, davon haben die neuen Eigentümer der hannoverschen Südstadt-Schule sicherlich nicht geträumt. Seit gut einem Jahr aber weht in der ehemaligen Schule für Sehbehinderte ein ganz anderer Wind: Statt Butterbroten gibt es in der ehemaligen Pausenhalle nun Abendessen. Geschlafen wird unter anderem im ehemaligen Lehrerzimmer. Der Umbau der ehemaligen Südstadtschule zeigt, was mit einem ausrangierten Schulgebäude auch möglich ist. Das Projekt ist sogar preisgekrönt, denn es gilt als Wohnexperiment: In einer Baugemeinschaft sind dort 15 Wohnungen zwischen 59 und 176 Quadratmetern entstanden. Alleinstehende, kinderlose Paare und Familien wohnen in der alten Schule nun Tür an Tür. Doch so vorzeigbar die Nachnutzung in Hannovers Südstadt auch sein mag, so unerschwinglich erscheinen die Preise. Gut fünf Millionen Euro haben die 15 Eigentümer für den Kauf von Gebäude und Grundstück sowie Umbau gezahlt.

Diskussionen um Schulschließungen und -zusammenlegungen sind ein Dauerbrenner. Nicht allein wegen sinkender Schülerzahlen stehen vielerorts ausgediente Schulgebäude leer – Tendenz steigend. Pläne, wie alte Schulen nutzbar bleiben, gibt es hingegen nur wenige.

Wohnexperiment: Übernachten im Lehrerzimmer

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