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Telekom kündigt Verträge für analoge Telefone / Verbraucher oft ratlos

Aus für alte Telefonanschlüsse: Das müssen Sie beachten

Bis 2018 will die Telekom alle Festnetzanschlüsse auf die IP-Technologie umgestellt haben. Doch wenn das Schreiben zur Umstellung im Briefkasten steckt, herrscht häufig Ratlosigkeit. Was hat es mit dieser „IP-Umstellung“ eigentlich auf sich? Wir klären auf.

veröffentlicht am 01.11.2017 um 12:53 Uhr
aktualisiert am 01.11.2017 um 15:00 Uhr

Bis 2018 werden alle Gespräche als Datenpakete über das Internet geschickt. Foto: dana

Autor:

Dorothee Balzereit und Benedikt Frank
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Irene R. möchte eigentlich nur so telefonieren, wie sie immer telefoniert hat. Mit ihrem alten Telefon, analog und zum Grundpreis von 16 Euro. Doch seit einiger Zeit flattern der Rentnerin, die von bescheidenen 800 Euro im Monat lebt, immer wieder Schreiben von der Telekom ins Haus. In den Briefen wird sie aufgefordert, einen neuen Tarif aus vier verschiedenen Angeboten zu wählen. Der günstigste neue Anschluss, der als „Netz der Zukunft“ beworben wird, soll 20,95 Euro kosten. „Wenn ich das nicht will, kündigt die Telekom meinen Vertrag“, sagt die Hamelnerin und fragt: „Darf das Unternehmen das?“ Die Rentnerin ist ratlos und hat sich deshalb an das Kümmerer-Portal der Dewezet gewandt.

Die schlechte Nachricht für Irene R. ist: Ja, die Telekom darf. Im Mai dieses Jahres hat das Unternehmen angekündigt, ihr gesamtes Netz bis 2018 auf Internet-Telefonie umstellen. Das heißt, dass Gespräche als Datenpakete über das Internet geschickt werden. Vodafone lässt sich damit bis 2022 Zeit. Während neue Anschlüsse schon seit einigen Jahren nur noch mit IP-Technik zu haben sind, steht diese Umstellung für manchen älteren Anschluss noch aus.

Dass der Wechsel von analog zu digital nicht nur für Irene R. ein Problem ist, zeigen die vielen Anfragen, die seitdem bei der Verbraucherzentrale in Hannover auflaufen – unter anderem aus dem Weserbergland, wie Mitarbeiterin Kathrin Körber bestätigt. Am häufigsten werde gefragt:

Alte Wählscheiben-Telefone sollen nach der Umstellung am IP-Anschluss noch funktionieren. Foto: pixabay
  • Alte Wählscheiben-Telefone sollen nach der Umstellung am IP-Anschluss noch funktionieren. Foto: pixabay
Wer nur ein Telefon an der TAE-Dose ganz ohne Internet nutzt, muss gar nichts machen. Foto: Dana
  • Wer nur ein Telefon an der TAE-Dose ganz ohne Internet nutzt, muss gar nichts machen. Foto: Dana
Wer zusätzlich zum Festnetz-Telefon ein Smartphone hat, ist bei der Umstellung – geht was schief – auf der sicheren Seite. Foto: pixabay
  • Wer zusätzlich zum Festnetz-Telefon ein Smartphone hat, ist bei der Umstellung – geht was schief – auf der sicheren Seite. Foto: pixabay
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Alte Wählscheiben-Telefone sollen nach der Umstellung am IP-Anschluss noch funktionieren. Foto: pixabay
Wer nur ein Telefon an der TAE-Dose ganz ohne Internet nutzt, muss gar nichts machen. Foto: Dana
Wer zusätzlich zum Festnetz-Telefon ein Smartphone hat, ist bei der Umstellung – geht was schief – auf der sicheren Seite. Foto: pixabay
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Muss ich auf Post oder Anrufe reagieren? Wer Post von der Telekom bekommt – in der Regel rund vier Monate vor Ablauf der Vertragszeit – kann höchstens versuchen, den Zeitpunkt der Umstellung hinauszuzögern. Betroffen sind grundsätzlich alle analogen Festnetzanschlüsse und ISDN-Anschlüsse mit Internetzugang bei Telekom. Eine Umstellung von analog auf digital erfolgt bei fristgerechter Kündigung durch die Telekom oder einem Tarifwechsel. Das Unternehmen ist zwar verpflichtet, einen Standard-Telefonanschluss anzubieten, es ist jedoch nicht gesetzlich vorgeschrieben, dass dieser analog sein muss.

Kann ich zu einem anderen Anbieter gehen? Das ist natürlich möglich, wenn andere Telefonanbieter am Wohnort verfügbar sind. Diese bieten jedoch ebenfalls nur Anschlüsse mit IP-Telefonie an.

Ist der neue Vertrag teurer? Nach Anschaffung eines Routers (siehe nächste Frage) seien die laufenden Kosten eher geringer, sagt Kathrin Körber. Allerdings gebe es immer Ausnahmen. Dazu gehört wohl Irene R. Menschen, die einen analogen Anschluss für diesen Tarif haben, sind selten geworden. Allerdings schätzt Körber die Dunkelziffer derer, für die die Kosten ein Problem darstellen, höher ein, als oftmals kommuniziert. „Viele sprechen aus Scham nicht darüber“, weiß Körber.

Laut Telekom brauche ich einen neuen Router. Stimmt das? Ja. Der Frequenzbereich, der für die analoge Telefonie reserviert war, wird nun auch für das DSL-Signal verwendet. Ältere Router können aber nicht mit diesem neueren Standard umgehen. Wer sich nicht sicher ist, sollte sich daher erkundigen, ob der vorhandene Router annex-J-fähig ist. Irene R. kommt definitiv nicht um den Kauf eines Routers herum.

Soll ich einen Router mieten oder kaufen?Die Telekom bietet normalerweise Mietgeräte an. Allerdings kann man einen Router auch bei der Telekom oder alternativ auch im freien Handel kaufen. Rechnet man die Mietkosten über die zwei Jahre Mindestvertragslaufzeit, so ist der Kauf oft eine Alternative. Der einzige Vorteil bei einem Mietgerät: Tritt ein Fehler nach Ablauf der Gewährleistungsfrist von zwei Jahren auf, ist die Telekom für Reparatur oder Austausch zuständig.

Muss ich mit höheren Ausfallzeiten rechnen? Wenn der Strom im Haus ausfällt, funktioniert das Telefon im Gegensatz zu vorher nicht mehr. Und wenn das Internet gestört ist, ist Telefonieren auch nicht mehr möglich. Es gibt aber keine Telefongesellschaft, die eine Verfügbarkeit von 100 Prozent vertraglich garantiert.

Können vorhandene Alarmanlagen oder Hausnotrufe weiter betrieben werden?Wer bisher eine Alarmanlage oder einen Hausnotruf über den Telekom-Telefonanschluss nutzt, sollte sich umgehend mit dem Anbieter in Verbindung setzen. Es muss geklärt werden, ob diese Dienste über IP weiter funktionieren. In vielen Fällen fallen die Systeme nach der Umstellung aus.

Ich habe nur einen normalen analogen Telefonanschluss. Muss ich etwas beachten?Bei reinen analogen Telefonanschlüssen mit nur einer Rufnummer muss nichts verändert werden. Die Umstellung nimmt hier die Telekom in der Vermittlungsstelle vor.

Was passiert bei einer IP-Umstellung? Und merkt man es überhaupt? Bei der Umstellung wird die Telefonie von der klassischen Telefonleitung auf die Internetverbindung verlegt. Allgemein kommt es bei der Neuerung zu einer kleinen Versorgungsunterbrechung von wenigen Minuten. „Die Telekom führt die Umstellung nur nach Vorankündigung durch und meist mitten in der Nacht. Der Kunde merkt also in der Regel nichts“, sagt Alexander Kuch vom Telekommunikationsportal „Teltarif.de“.

Ist für einen IP-Anschluss ein neues Telefon nötig?Wer nur ein Telefon an der TAE-Dose ganz ohne Internet nutzt, muss gar nichts machen. Hier stellt die Telekom den Anschluss netzseitig auf die All-IP-Technik um. „Selbst alte Telefone aus der analogen Zeit funktionieren noch am IP-Anschluss. Auch Wählscheiben-Telefone“, sagt Alexander Kuch.

Wird jetzt die Sprachqualität beim Telefonieren schlechter? Die Sprachqualität über die All-IP-Netze kann so gut sein wie gewohnt. Sie könnte sich sogar verbessern. Voraussetzung: Beide Gesprächsteilnehmer telefonieren über IP, beide Gesellschaften unterstützen diesen Standard und sie nutzen außerdem spezielle HD-Telefone nach dem Standard G.722.

Und warum wird überhaupt umgestellt?Weil laut Telekom für die alte analoge Telefontechnik und für ISDN keine Ersatzteile mehr lieferbar sind. Zudem lasse sich ein auf IP-Basis realisiertes Telefonnetz einfacher zentral verwalten als die bisherigen Netze. Auch die Wartungskosten spielen eine Rolle, sagt Tatjana Halm von der Verbraucherzentrale Bayern. Parallele Netze sind eben teuer.

Für Irene R. wäre es schöner, wenn alles so bliebe, wie es ist. Abgesehen davon, dass es teurer wird, möchte sie aus Überzeugung eigentlich gar nichts mit dem Internet zu tun haben, sagt sie. „Viele haben außerdem Angst, dass sie mit der neuen Technik nicht zurechtkommen“, bestätigt Kathrin Körber.

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