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Vor 100 Jahren fährt die höchste Eisenbahn der Welt erstmals zum Jungfraujoch

Visionär erlebt Triumph nicht mehr

Die Strecke können die Fans im Schlaf aufsagen: Kleine Scheidegg, Eigergletscher, Nordwand, Eismeer und Jungfraujoch. Als die Jungfraubahn vor 100 Jahren in der Schweiz ihren Betrieb aufnimmt, ist sie zugleich ein Triumph; ein Triumph der Bergbezwingung.

veröffentlicht am 13.08.2012 um 00:00 Uhr

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Es ist ein Triumph für einen Visionär. Der Industrielle Adolf Guyer-Zeller hatte 1893 das Schilthorn bestiegen, mit Blick auf die Jungfrau. In einem Notizheft hielt er seinen Plan fest: eine Bahn auf das Felsmassiv. Ein Träumer war er nicht. 1839 geboren, zeichneten Risikofreudigkeit, Wissensdurst und Interesse an Neuem den jungen Guyer aus. Er zog nach Frankreich und England, wo er sich 1860/61 in verschiedenen Maschinen- und Textilfabriken ausbildete, nach Kuba, in die Südstaaten der USA sowie nach Palästina und Ägypten, wo er den Bau des Suezkanals besuchte.

1894 erhielt Adolf Guyer-Zeller die Konzession, eine Bahn auf das Jungfraujoch zu bauen, die an der Bahnstation der Wengernalpbahn auf der Kleinen Scheidegg beginnen und in einem langen Tunnel durch das Massiv von Eiger und Mönch bis hinauf auf den Gipfel der Jungfrau führen sollte. Pläne hatte es schon vorher gegeben, schließlich schien seit dem Bau des Eiffelturms, der 1889 eröffnet wurde, nichts mehr unmöglich zu sein, aber Guyer-Zeller vereinigte Vision und Pragmatismus: Alle anderen Planer wollten die Jungfrau vom Tal aus erschließen, Guyer-Zeller dagegen wollte bereits vorhandene Aufstiege nutzten, etwa die Wengeralpbahn. Der Unterschied: 1000 Höhenmeter weniger, die zu überwinden waren.

Die Geschichte des Baus der Jungfraubahn ist geprägt von Sprengunglücken, Streiks und finanziellen Problemen. Eine zusätzliche Herausforderung ist das Klima: Sturmartige Regenfälle, Lawinen und Schneestürme erschwerten die Bauvorhaben.

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  • Historische Postkarte mit der Jungfraubahn und den Bergen Mönch (l.) und Eiger. Foto: pr.

Und dann gibt es noch ein Problem: Wie soll die heftige Steigung bis zum Gipfel überwunden werden? Guyer-Zellers Lösung ist genial: Er lässt die Bahntrasse mitten durch den Fels des Eigers sprengen. Und löst so ein weiteres Problem: Im Inneren des Bergs kann weitergebaut werden, völlig unabhängig vom Wetter.

Um die Kosten für die Bauarbeiten decken zu können, hatte er die Guyer-Zeller-Bank gegründet. Am 27. Juli 1896 erfolgte der Spatenstich zum Bau der Jungfraubahn, aber die Bauarbeiten gingen nur mühsam voran. Am 19. September 1898 konnte der Betrieb auf der im freien Gelände verlaufenden Strecke von der Station Kleine Scheidegg bis zum Bahnhof Eigergletscher am Fuße des Eigers eröffnet werden.

Guyer-Zeller sah vor, jedes Jahr eine weitere Station zu erreichen und diese so schnell wie möglich in Betrieb zu nehmen.

Am 7. März 1899 erreichte die Spitze der Tunnelbauer den vorgesehenen Standort der Station Eigerwand. Am 3. April des gleichen Jahres starb Adolf Guyer-Zeller, seine Söhne führten den Bau fort, aber erst am 28. Juni 1903 konnte der Betrieb bis zur Station Eigerwand inmitten der Eigernordwand eingeweiht werden.

Von nun an konnten die Reisenden von der Terrasse aus den Ausblick Richtung Grindelwald genießen. Zwei Jahre später, am 25. Juli 1905, konnte die Strecke bis zur Haltestelle Eismeer auf rund 3160 Meter über dem Meer in Betrieb genommen werden und den Gästen eröffnete sich eine wunderbare Aussicht über die Gletscher. Aufgrund der knapp gewordenen Finanzmittel sowie des Todes Adolf Guyer-Zellers wurden die ursprünglichen Pläne abgeändert. Statt unter dem Mönchsjoch eine Haltestelle einzuplanen und die Bahn bis zum Gipfel der Jungfrau zu bauen, wurde das Jungfraujoch zur Endstation der Jungfraubahn.

Erst 1912 wurde die Strecke bis zum Jungfraujoch, das sich auf 3454 Meter über dem Meer befindet, fertiggestellt – neun Jahre später als ursprünglich geplant. 30 Menschen waren während der Bauzeit gestorben.

Heute kommen bis zu 5500 Besucher pro Tag auf das Jungfraujoch, viele Koreaner und Chinesen sind darunter. Seit Bollywood hier gedreht hat, ist sie auch für Inder ein Pflichtbesuch. rnk

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