weather-image
19°
Jäger starb im Jahr 1900 am Deister

Mesenstein erinnert an einen tödlichen Scherz

Bad Münder. Gedenksteine gibt es viele im Großen Deister. Ein ganz besonderes Exemplar ist der Mesenstein. Er ist direkt neben dem Panoramaweg am Waldrand zu finden, nicht weit von der Gaststätte Ziegenbuche entfernt. Eine vom Kur- und Verkehrsverein Bad Münder im Jahr 2003 dort aufgestellte Tafel gibt Auskunft über einen Jagdunfall, der sich etwa im Jahr 1900 dort ereignet hat.

veröffentlicht am 10.02.2012 um 06:00 Uhr

270_008_5217937_hm_1002.jpg

Autor:

Achim Linck

In dem Wald lebten viele und starke Wildschweine. Sie brachten manchem Jäger Waidmannsheil, aber richteten auf den angrenzenden Feldern auch beachtliche Schäden an, die schon damals von den Jagdpächtern gezahlt werden mussten. Cord Mese war einer der Jäger. Er wollte am Unglückstag mit seinem Freund Sauen jagen. Der hatte jedoch sein Gewehr nicht mitgenommen und ging angeblich nach Hause, um es zu holen. Man verabredete sich an einem Treffpunkt, nicht weit entfernt von der Stelle, wo heute der Stein steht. Dort machte sich Mese einen Spaß.Er erwartete seinen Jagdfreund nicht am vereinbarten Treffpunkt, sondern hatte sich versteckt. Als der Münderaner nun mit dem Gewehr kam, grunzte der Jäger im Gebüsch wie ein Wildschwein. Der Freund glaubte, ein Tier vor sich zu haben, legte an und schoss in die Richtung, aus der die Tierlaute kamen. Cord Mese wurde getroffen. Der andere Jäger lief ins Dorf und holte Hilfe. Mese konnte den Herbeigeeilten noch den Tathergang schildern, ehe er dort am Waldrand verstarb.

Zur Mahnung an andere Jäger, aber auch um das Schicksal des Freundes deutlich zu machen, wurde ein Kreuzstein aufgestellt. Er trug die Inschrift: Cord Mese „Hei grunzet as en Swin un is as en Swin erschaten. Der Seele Godt gnedich syn.“ Dieser Stein war im Lauf vieler Jahre durch Witterungseinflüsse beschädigt. Er zeigte nur noch schwach lesbare Buchstabenfragmente und hatte ein vom Steinmetz zugefügtes Balkenkreuz. Er wurde 1968 gestohlen. Wer der Dieb war, konnte nie geklärt werden. Der Stein wurde jedoch eines Tages am Steinhof, dem heutigen Verwaltungsgebäude, abgestellt. Die Wiederaufstellung am ursprünglichen Ort war geplant, der Stein wurde jedoch erneut entwendet und ist unauffindbar.

Der Kur- und Verkehrsverein wollte an das Ereignis jedoch weiterhin erinnern, und so wurde 1959 von Bildhauermeister Willi Meyer der jetzt dort befindliche Stein gefertigt. Er zeigt statt des Kreuzes ein Wildschwein. Noch heute verweilen die Jäger kurz hier oben am Deisterhang, wenn sie an dem Stein vorübergehen und gedenken des Waidgenossen aus alten Tagen, der durch eine kindische Fopperei sein Leben lassen musste. Die Inschrift mahnt die Waffenträger, nicht eher den Abzug zu betätigen, ehe man das Zielobjekt einwandfrei erkannt hat.

Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Kommentare