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Jacob Tremblay und Julia Roberts in einem Jugendfilm mit liebevoller Botschaft

„Entscheide dich fürs Nettsein“

NEW YORK. Am liebsten läuft Auggie mit einem Astronautenhelm auf dem Kopf herum. Das Gesicht des Fünftklässlers ist eine Fratze, andere Kinder ekeln sich vor ihm. Doch in der warmherzigen Verfilmung überzeugt er sie und sich selbst von etwas Besserem.

veröffentlicht am 24.01.2018 um 14:41 Uhr

Isabel Pullman (Julia Roberts) behütet ihren Sohn August (Jacob Tremblay), der es wegen seines entstellten Gesichtes schwer hat, von seiner Umwelt akzeptiert zu werden. FOTO: Dale Robinette/Studiocanal GmbH /dpa

Autor:

Christian Fahrenbach

„Pretty Woman“ Julia Roberts ist mit „Wunder“ in den USA nun wieder ein wirklicher Kinohit gelungen. Das liegt auch daran, dass die Haltung des optimistischen Jugenddramas sehr viel mit ihrem besonderen Lachen zu tun hat. Roberts spielt Isabel Pullman, die liebende, aber überbesorgte Mutter von August (Jacob Tremblay, „Raum“). Nach Jahren des Unterrichts zu Hause soll er in der fünften Klasse erstmals auf eine öffentliche Schule gehen. Wegen eines Gendefekts ist sein Gesicht entstellt, seine Umwelt hat auf den ersten Blick Angst vor ihm, sieht ihn ihn als Freak. „Wunder“ erzählt die Geschichte eines Schuljahres und wie der intelligente und witzige „Auggie“ darum kämpft, Freundschaften zu schließen.

Sicher, diese Handlung klingt nach Zuckerguss und in seinen schlechten Momenten grenzt der Film auch an das, was US-Amerikaner „Inspiration Porn“ nennen: Menschen abseits der Norm, die heroisch der Allgemeinheit eine Werte-Lektion vermitteln. Andererseits braucht es schon viel Zynismus, um zu erklären, was an Auggies Haltung „Entscheide dich fürs Nettsein“ so falsch sein soll. Zudem sind Film und Botschaft in guten Händen: Autor Stephen Chbosky hat den erfolgreichen Jugendroman von Raquel J. Palacio mit gutem Tempo und einigem Witz für die Leinwand angepasst. Er führt auch selbst souverän Regie und besonders die Idee, Teile des Films mehrfach aus verschiedenen Perspektiven zu erzählen, funktioniert sehr gut. Besonders klug ausgeführt ist ein Teil der Geschichte zu Auggies Schwester Via über den Alltag in einer Familie, in der ein Kind besondere Bedürfnisse hat und das andere etwas untergeht.

Es fällt leicht, sich auszumalen, welches Kitschfest dieser Film in den Händen einer weniger kompetenten Mannschaft geworden wäre. Den Stellen, in denen sich solche Filme für Sentimentalität entschieden hätten, setzt „Wunder“ entwaffnende Sprüche und differenzierte Beobachtung der Eltern zwischen Beschützenwollen und Gehenlassen entgegen. Neben Tremblay und Roberts überzeugt auch Owen Wilson („Die Hochzeitscrasher“) in einer für ihn ungewöhnlich ruhigen Rolle als Vater.

Doch unter dem Strich gelingt Chbosky die Verbindung von Ernst und Leichtigkeit nicht ganz so überzeugend wie in seinem herausragendem Indie-Vorgänger und Jugenddrama „Vielleicht lieber morgen“. Bei all dem Positiven bleibt „Wunder“ mit seiner geradeheraus erzählten Storyline ein Film, der sich vor allem an ein Publikum in Auggies Fünftklässler-Alter und leicht darüber richtet – Schüler, die vor allem in den USA das Buch häufig bereits im Unterricht behandeln.

Und Roberts? Ihr Lachen passt wunderbar: entwaffnend, mit Herz, wie gemacht für ein großes Publikum – und am Ende nur ein winziges bisschen zu breit.


Termine: Im Hamelner Maxx läuft „Wunder“ täglich 15.20, 17.45 und 20.15 Uhr, Freitag und Samstag auch 22.40 Uhr.

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