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Vor welchen Herausforderungen der Verein „Arbeit und Integration“ steht

An einem Strang ziehen – leicht gesagt

Bad Pyrmont. „Neue Herausforderungen bedürfen neuer Lösungswege“, sagt Ralf Gehring. Dabei denkt der Geschäftsführer des Vereins „Arbeit und Integration Bad Pyrmont“ (AIBP) vor allem an jene Menschen, die langfristig unterstützt werden müssen, um ihr Leben wieder in den Griff zu bekommen. An ihnen geht der Rückgang der Arbeitslosenzahlen nämlich vorbei.

veröffentlicht am 08.06.2013 um 06:00 Uhr

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„Kurzfristige Maßnahmen wie Beschäftigungs- oder Qualifizierungsprogramme bauen diese Klienten zwar auf. Wenn sie dann aber wieder in die Arbeitslosigkeit entlassen werden, verfliegt die Euphorie schnell“, weiß Gehring. Da sei der Bundestrend, langfristige Förderprogramme wegen der „guten Arbeitsmarktsituation“ einzustellen, eher kontraproduktiv, bedauert er – zumal sich die Arbeitslosenquote in Bad Pyrmont mit derzeit rund 7,6 Prozent kaum von der Stelle bewege und zwei Drittel der Betroffenen langzeitarbeitslos seien.

Sehr aufmerksam hörten die Mitglieder der AIBP deshalb während ihrer Versammlung hin, als der SPD-Landtagsabgeordnete Ulrich Watermann eine neue Art zu denken einforderte und von ersten Bemühungen der neuen Landtagsregierung berichtete. Diese Neuausrichtung betreffe sowohl die Bildungspolitik als auch die Ausländer- und Migrationspolitik. Zustimmung bekam Watermann für seine Ausführungen zum Thema „Inklusion“. Sie meint bekanntlich die völlige Teilhabe eines jeden Menschen an der Gesellschaft, geht also weit über die Integration hinaus. Watermann verurteilte beispielsweise die Zerstörung der Infrastruktur in den Dörfern bei gleichzeitigem Einschnitt in den öffentlichen Nahverkehr. „Die Senioren können nicht nur auf dem Land nicht einkaufen oder zum Arzt gehen. Es wird ihnen gleichzeitig die Möglichkeit genommen, angemessen in die nächste Stadt zu kommen.“

AIBP-Vorsitzender Thorsten Fuhlroth betonte die Notwendigkeit von „begleiteten Arbeitsplätzen mit langfristiger Perspektive“ gerade auch im Sinne von „Inklusion“. Dazu wünschte er sich eine bessere Förderung des Recyclinghofs als „sozialen Wirtschaftsbetrieb“, um hier weitere Arbeitsplätze zu schaffen.

Martin Spreemann zeigte Inklusion in der Praxis: „In der Tischlerwerkstatt sind zwei der Mitarbeiter schwerbehindert und leisten gute Arbeit.“ In diesem Sinne könne auch die Senioren-Unterstützung „Hand in Hand“ verstanden werden, von der Elisabeth Theilen berichtete. „Neben der Beratung, die vor allem bei finanziellen Problemen aufgesucht wird, da die Rente nicht ausreicht, bieten wir auch praktische Unterstützung durch ‚Ein Euro-Jobber‘, die sehr gut angenommen wird.“

Großer Nachfrage erfreuen sich laut AIBP auch die neu ins Angebot genommene Schwangerenberatung, die werdende Mütter unterstützt, sowie die Schwangerschaftskonfliktberatung. Sie ist vorgeschrieben, bevor eine Frau einen Abbruch vornehmen lassen will. Da die AIBP auch kurzfristig Termine vergeben könne, kämen viele Interessentinnen aus der ganzen Region, sodass mit rund 100 Beratungsfällen pro Jahr gerechnet wird. Da sich das Gesundheitsamt des Landkreises Hameln-Pyrmont aus dieser Beratung zurückziehe, sehen die Pyrmonter Chancen, deren Kapazität zu übernehmen.

Interessiert vernahmen die Mitglieder auch Watermanns These, dass alles, was aus wirtschaftlichen Gründen wegfällt, durch neue Ideen zu ersetzen sei – ebenso wie den Wunsch des Sozialdemokraten, Parallelstrukturen zu vermeiden und Verantwortung zu vernetzen. „Es wird nicht einfach sein“, bedauerte Ralf Gehring. Auch er würde sich wünschen, dass alle an einem Strang zögen. „Aber oft stehen Prestige- oder finanzielle Interessen einer Kooperation zwischen einzelnen Institutionen und Anbietern entgegen.“ Auch das Prinzip der Ausschreibung befördere die Zusammenarbeit zwischen den Interessierten nicht. yt

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