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Ein Floß treibt über den Pazifik

7. August 1947: Die Kon-Tiki endet nach 101 Tagen auf dem Raroia-Riff

Schon als Kind träumt er von einem einfachen Leben, er zeltet in der norwegischen Einsamkeit und sammelt Insekten und Pflanzen. Mit seiner ersten Ehefrau lebt er in eienr Bambushüttte acht Monate auf einer menschenleeren Insel. Weltweit bekannt wird er, als er beweisen will, dass es den präkolumbischen Indianern Südamerikas technisch möglich war, Polynesien zu besiedeln; er will zeigen dass eine Besiedelung der Inseln von Osten, also von Amerika aus, nicht nur theoretisch, sondern auch praktisch möglich war.

veröffentlicht am 07.08.2017 um 10:04 Uhr

Das Floß „Kon-Tiki“ im Jahr 1947 im pazifischen Ozean. Der norwegische Forscher Thor Heyerdahl baute das Floß nach altinkaischen Vorbildern aus Balsaholz und fuhr mit seinen Begleitern damit von dem Land Peru gen Westen. Foto: dpa inp/dpa
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Frank Westermann Redakteur zur Autorenseite
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Er stellt ein Team zusammen und fliegt mit ihm nach Peru,: Dort wird ein Floss gebaut, aus Balsa-Holz, und nur mit Material, das auch den Ureinwohnern verfügbar war. Die Ausrüstung? Funkanlage, ein Schlauchboot, Überlebensausrüstung, Navigationsmittel und eine Filmkamera zur Dokumentation des Experiments. Denn Thor Heyerdahls Kon-Tiki-Expedition wird nicht nur ein Abenteuer, sondern auch ein Medienereignis. Sowohl das Buch als auch der Dokumentarfilm dazu werden Welterfolge.

Die Menschheit verfolgt das Experiment gebannt, denn hier paaren sich zwei Tugenden: Die schiere Willenskraft, diese Expedition, von der alle Experten sagen, dass sie scheitern wird, tatsächlich auf die Beine zu stellen; und das Vertrauen: Man wird sich der Natur, dem Wind, den Wellen und der Strömung weitestgehend überlassen; niemand im Team hat überhaupt eine Ahnung davon, wie man ein Floß tatsächlich steuert. Alles muss während der Überfahrt in der Praxis erlernt werden.

So wie Heinrich Schliemann das Epos Ilias von Homer wörtlich nahm, um Troja zu entdecken, so glaubt auch Heyerdahl alten Legenden: Etwa die von Tiki, dem Vorfahren der Polynesier, der irgendwann in grauer Vorzeit von Westen her auf die Inseln gekommen ist. Heyerdahl findet das nicht unglaubwürdig: Weht nicht von Westen der ewige Passatwind? Doch wie Schliemann sieht sich auch Heyerdahl mit seiner Meinung allein: Alle Theorien besagten, dass die polynesischen Inseln von Osten her besiedelt wurden. Heyerdahl ist bereit, die alte Legende mit der Wirklichkeit zu vergleichen.

Und wie vor ihm Schliemann, so kämpft auch Heyerdahl gegen wissenschaftliche Mühlen. Der Haupteinwand: Den Südamerikanern habe an geeigneten Schiffen für eine solche Überfahrt gemangelt. Heyerdahl läuft so lange gegen Wände, bis er sich schließlich pleite in New York in einem norwegischen Seemannsheim wiederfindet. Dort, am Tiefpunkt seines Lebens, beschließt er, den praktischen Beweis anzutreten: Er wird nach den alten Überlieferungen ein Floß aus Balsaholz bauen und die Reise wagen. Sein Team bindet neun etwa 13 Meter lange Stämme Balsaholz sowie einige Querhölzer mit Seilen aus Hanf zusammen, errichtet darüber eine Hütte mit einem Dach aus Bananenblättern und einen neun Meter hohen Mast und nennt das ganze „Kon-Tiki“.

Die Reise beginnt am 28. April 1947 in Callao/Peru, nachdem das Floß tags zuvor getauft worden ist. Es ist eine Fahrt voller Gefahren, doch auch im schlimmsten Sturm bewähren sich Floß und Mannschaft. Die größte Gefahr ist, über Bord zu gehen, denn das Floß kann wegen der immerwährenden Strömung nicht anhalten. Haie und Stürme machen das Unternehmen mehrfach zum Himmelfahrtskommando.

Während der Fahrt werden viele Fachmeinungen widerlegt. Etwa zum Boot selbst: Die Baumstämme imprägnieren sich selbst und verhindern so d das Eindringen von Meerwasser. Das Floß ist also weitaus länger schwimmfähig, als Fachleute vorhergesagten. Heyerdahl verzichtet auch auf Stahltrossen und Metallbeschläge. Fachleute hatten sie als „unentbehrlich“ eingestuft, auf dem Meer zeigt sich, dass sie die Holzkonstruktion zerschnitten hätten, das Experiment wäre mit ihnen gescheiert.

Nach 101 Tagen landet die Kon-Tiki am 7. August 1947 auf dem Raroia-Riff und die sechs Männer haben endlich weißen Sandboden unter und Palmen über sich. Das Floss hat 6980 Kilometer bei einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 1,5 Knoten zurückgelegt. Auf Raroia wird das Team nach kurzer Zeit von Einwohnern einer nahegelegenen Insel entdeckt und sowohl dort als auch später auf Tahiti kommt man aus dem Feiern gar nicht mehr heraus.

Das Floß selbst wird bald darauf bei höherem Gezeitenstand über das Riff hinweg in die Lagune gespült. Anschließend wird es nach Tahiti geschleppt und nach Norwegen zurückgebracht, wo man in Oslo das Kon-Tiki-Museum errichtet.

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