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Karibik-Urlaub

Dominikanische Republik: Der bunte Hund von Cabarete

Cabarete hat sich vom Fischerdorf zur dominikanischen Surf-Hochburg gemausert. Der Deutsche Marcus Böhm hat den Aufstieg und Wandel begleitet. Das meiste ist besser geworden - aber nicht alles.

veröffentlicht am 22.02.2021 um 14:41 Uhr

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Wegen der Corona-Pandemie warnt das Auswärtige Amt vor Reisen in die Dominikanische Republik. Trotzdem ist der karibische Inselstaat für viele ein Traumziel - vor allem für Windsurfer.

Als Marcus Böhm in Cabarete ankam, surfte er 60 Tage durch. Bis ihn die Blasen an den Händen zu einer Pause zwangen. Es war der Sommer 1990. «Windsurfen war damals der coolste Sport der Welt», erzählt Böhm. «Und ich war mit 20 der Jüngste hier.»

Heute ist Böhm, aufgewachsen in Neu-Ulm, 50 Jahre alt und lebt hier an der Nordküste der Dominikanischen Republik noch immer den karibischen Surfertraum. Blonde Locken unter einer Trucker-Kappe, das Gesicht gut gegerbt, die Augen blau wie das Meer.

«Du kannst hier morgens wellenreiten, zu Mittag essen und danach windsurfen oder kiten», sagt Böhm. Erst dann blasen die Passatwinde, aber das zuverlässig und im perfekten rechten Winkel zum Strand. Dazu ein Riff, das vor Wellen schützt: ideale Bedingungen für den weltweit wohl einzigartigen Vierkampf, den Böhm hier gestartet hat.

Beim Master of The Ocean treten die Teilnehmer im Wellenreiten, Standup-Paddling, Wind- und Kitesurfen gegeneinander an. Wer den Titel erringen will, muss alle vier Sportarten meistern. «Pro Sport gibt es 200 bis 300 Leute in Cabarete», sagt Böhm. Die Szenen mischten sich kaum. Der Wettbewerb soll die Wassersportler der vier Disziplinen zusammenbringen. «Und die großen Egos eindampfen.»

Vom Aussteiger-Paradies zur Touri-Hochburg

Nebenbei soll das Event Cabaretes Reputation in der Surfwelt polieren und Gäste anlocken. Denn die Zeiten des romantischen Fischerdorfs sind vorbei, Cabarete ist längst ein voll entwickelter Urlaubsort. Wer heute die kilometerweite Bucht entlang spaziert, passiert eine Surfschule nach der anderen. In der Mitte des Strandes wuchert ein wilder Mix aus Restaurants und Bars, mehrstöckige Hotels haben sich die Premiumlagen hinter den elegant geneigten Palmen gesichert.

Rolf Kientsch kam schon 1979 nach Cabarete. «Wegen der Liebe», wie er sagt. «Die Häuser waren damals aus Palmbrettern», erzählt der 68-Jährige. «Das Wasser schöpfte man aus einem Brunnen, abends zündete man die Kerosinlampe an.» Die Zeit ärmlicher Idylle endete Anfang der 1990er Jahre. Als Charterflieger Urlauber in die Bettenburgen von Playa Dorada flogen, boomte auch Cabarete.

Neuer Sport, neues Glück

Irgendwann tauchten in Cabarete die ersten Typen auf, die sich von Lenkdrachen übers Meer ziehen ließen. Die Windsurfer waren alles andere als begeistert - außer Marcus Böhm. Er kaufte einem der Neulinge seine Ausrüstung ab und legte los. Der Sport ist viel schneller zu lernen als Windsurfen, das Equipment günstiger und leichter, Touristen können es im Flugzeug mitbringen.

«Die Mädchen liebten es, wie wir durch die Luft flogen», erinnert sich Wilson Taveras breit grinsend. Der kräftige Rastamann, 37, war einer der ersten dominikanischen Kiter. Und zwar vor allem, weil er an jenem Strand aufwuchs, an den die Windsurfer die Emporkömmlinge mit ihren Drachen verbannten. «Nach ein paar Wochen konnten wir schon über Wellen springen, jeden Tag entdeckten wir neue Tricks», erzählt Taveras. «Wer ein paar Tage Pause machte, verlor den Anschluss.»

Heute heißt sein Heimatstrand Kite Beach, auch hier reiht sich nun ein Hotel an das andere. Das Kitesurfen hat ganz Cabarete im Sturm erobert. Böhm schätzt, dass heute mehr als 90 Prozent der Surfer kiten. Ein Wandel, der für Cabarete ein Segen war. «Das Kiten hat für alle die Tür zum Ozean geöffnet», sagt Taveras. Zuvor waren die Surflehrer Frankokanadier, Europäer oder Amerikaner. Nun übernahmen die Dominikaner und eröffneten eigene Surfschulen.

Investmentbanker im mobilen Office

Marcus Böhm war da schon wieder weiter gezogen. Zum nächsten Strand, zum nächsten Sport. An der Playa Encuentro, wo das Riff nahe an den Strand heran kommt, eröffnete er ein Camp für Wellenreiter. Das Meer hier ist rauer, der Strand noch unverbaut, das Flair hip und alternativ. Im Schatten der Seemandelbäume fläzen sich Gäste in Hängematten zwischen Reihen bunter Boards.

Böhm scheint hier jeden zu kennen. Er grüßt Gäste, ruft alten Freunden einen Scherz zu und plaudert mit einem reichen Investmentbanker, der seine Firma lieber von Cabarete als von an der Wall Street aus leitet. Doch auch das Refugium Encuentro scheint bedroht. «Der Luxusmarkt floriert», sagt der Immobilienmakler Anton Lvov, 36, in seinem klimatisierten Büro in der Stadtmitte. Es gebe jetzt gute Restaurants, in denen man Champagner bekommt. Mancher seiner Kunden für ein Wochenende fliegen aus New York oder Miami ein.

Zum Surfen komme heute nur noch die Hälfte der Gäste, schätzt Böhm. An diesen windstillen Tagen scheinen es sogar deutlich weniger zu sein. In der Bucht von Cabarete hüpfen schmerbäuchige Lederhäute in den Wellenschaum, Jungs und Mädchen spielen Volleyball.

Die meisten Gäste aber spazieren einfach die Bucht entlang oder arbeiten auf Liegestühlen an ihrem Nachmittagsschwips. Und träumen vielleicht davon, wie es wäre, dort draußen über das Meer zu gleiten.



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