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Zocken wie die Profis

Workshops für Schüler: Ist E-Sport ein gesunder Sport?

Sollte man E-Sport als eine besondere Sportart an Schulen fördern? Sachsen-Anhalt will hier neue Wege gehen. Aus der Medizin kommen jedoch Bedenken.

veröffentlicht am 17.03.2021 um 12:20 Uhr
aktualisiert am 17.03.2021 um 13:11 Uhr

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Mit dem «E-Sport Hub» fördert Sachsen-Anhalt einen Knotenpunkt für wettbewerbsmäßiges Spielen am Computer. Der Hub soll den Wirtschaftsfaktor E-Sport für Unternehmen im Land erschließen und die Außendarstellung voranbringen.

«Wir haben hier in Sachsen-Anhalt immer noch eine Menge Aufklärungsarbeit zu leisten», sagte die Projektmitarbeiterin beim E-Sport Hub Sachsen-Anhalt Sandra Kilian. «Wir bringen das Thema E-Sport in die Wirtschaft, in Vereine und Verbände. Zum Beispiel gibt es Unterstützung für Vereine, die eigene E-Sport-Sparten aufmachen wollen.»

E-Sports in Schulklassen

Es gehe um Fragen wie: Welche Modelle? Wie baue ich mein Team auf? «Dazu beraten wir. In Schulen bieten wir zum Beispiel in Klassen ein Klassenonlineturnier an, damit die Schüler sehen, wie so etwas funktioniert.» Laut Kilian gibt es auch Kinder und Jugendliche, die ständig spielen und davon träumen, E-Sportler zu werden. Da müsse über das Berufsbild geredet werden. Dafür gebe es Workshops.

Zudem sei E-Sport auch ein wirtschaftlicher Aspekt. Unternehmen fragen sich, was kann man mit E-Sport machen, wie erreichen wir die Zielgruppen? «Die Mitarbeiter des eigenen Unternehmens zu Markenbotschaftern zu machen, das ist auch ein Modell», sagte Kilian. In Sachsen-Anhalt gebe es rund 500 aktive E-Sportler, die in fünf Vereinen organisiert sind.

«Der E-Sport kann so ab zehn bis zwölf Jahren einsetzen, aber das ist eine sehr persönliche Meinung von mir», sagte der Vizepräsident für den Breitensport beim E-Sportbund (Berlin), Martin Müller. «Die Gefahren des E-Sport muss man ernst nehmen, aber man darf es nicht verteufeln und mit dem großen Zeigefinger vorangehen. Es geht darum, jungen Leuten beizubringen, dass sie eben nicht nur sinnlos daddeln, sondern dass sie wirklich E-Sport betreiben.»

Suchtexperte sieht Unterschied zu klassischen Sportarten

«Für mich ist E-Sport kein Sport im ursprünglichen Sinn. Beim realen Sport geht es darum, sich miteinander zu messen, und möglicherweise als Sieger hervorzugehen, und beim E-Sport, insbesondere bei "Counter Strike‘, geht es ums Töten», sagte der Arzt und Leiter des Suchtbereichs am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, Rainer Thomasius. «Wenn Computerspiele zu früh und zu viel angewendet werden, beeinträchtigt das unter anderem die sprachlichen Fähigkeiten. Außerdem gibt es bei übermäßiger Nutzung Wahrnehmungs- und Konzentrationsprobleme.»

Laut Thomasius ergab im September 2019 eine Umfrage bei den 10- bis 17-Jährigen, dass zehn Prozent riskant Internetspiele nutzen, und 2,7 Prozent pathologisch das Internet benutzen. Also 535.000 Kinder und Jugendliche zwischen 10 und 17 mit riskanter Nutzung und 144.500 mit pathologischer Nutzung in Deutschland. «Es sind wirtschaftliche Interessen, dass man E-Sport so fördert. Spieleanbieter stellen gezielt Psychologen und Medienpädagogen ein, mit dem Ziel, die Spieler so lange wie möglich im Spiel zu halten, damit sie beispielsweise empfänglich sind für Werbebotschaften», sagte Thomasius.

«Ich finde das Computerspielen am E-Sport sehr interessant, das war aber schon als kleiner Junge so. Das hat mich mehr gereizt als Fußball», sagte der Kommentator und aktive Spieler Marius Lauer. «Die Profis, die ich kenne, haben alle einen strikten Zeitplan, der vorgegeben ist.» In diesem Zeitplan seien teambildende Maßnahmen als auch körperliche Maßnahmen, also auch richtiger Sport mit enthalten. «Ich trainiere auch bestimmte Muskelgruppen. Wir treffen uns mit anderen, tauschen uns aus und wollen natürlich auch auf die Bühne. Einmal auf der Bühne in einem Turnier zu spielen, einmal im Mittelpunkt zu stehen und seine Leistung zu zeigen, das ist für den E-Sportler unbezahlbar», sagte Lauer.



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