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Corona-Maßnahme

Lufthygiene-Experte empfiehlt an Schulen feste Abluftanlagen

Lüftungsanlagen, Geräte mit Filtern oder UV-Licht - was sollte in Corona-Zeiten in Schulen zum Einsatz kommen? Die beste Akut-Lösung sei eine, die für manchen vielleicht «übersimpel und steinzeitlich» klinge, heißt es dazu vom Umweltbundesamt.

veröffentlicht am 24.11.2020 um 13:33 Uhr

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Statt auf mobile Luftreiniger sollten Schulen Experten
zufolge besser auf sinnvollere langfristige Lösungen setzen. «Fest
installierte Lüftungsanlagen sind auch nach der Corona-Pandemie noch
von großem Nutzen».

Das sagte der Präsident des Umweltbundesamtes, Dirk Messner, der Deutschen Presse-Agentur. Anders als viele mobile Luftreiniger verursachten sie häufig nur geringe Geräusche im Klassenzimmer und ließen nicht nur die Menge an Krankheitserregern in der Raumluft sinken, sondern auch die an Kohlendioxid und ausgedünsteten Schadstoffen. Kurzfristig stehe ohnehin eine ebenso simple wie hoch effektive Lösung im Vordergrund: regelmäßiges Lüften.

Derzeit ist unklar, wie es für die Schüler in den nächsten Wochen
weitergeht. Bund und Länder hatten ihre Entscheidung über das weitere
Vorgehen im Zuge der Corona-Pandemie auf den kommenden Mittwoch (25.
November) verschoben.

Die Kommission für Innenraumlufthygiene (IRK) am Umweltbundesamt
(Uba) mit 23 Experten aus Deutschland, Österreich und der Schweiz
hatte erst kürzlich wieder betont, dass mobile Luftreiniger kein
Ersatz für ausreichendes Lüften seien. Sie seien nur dort eine
sinnvolle Ergänzung, wo Fenster nicht ausreichend geöffnet werden
könnten und auch keine einfachen Zu- und Abluftsysteme in Frage
kämen. Luftreiniger mit speziellen Filtern sammeln Viruspartikel aus
der hindurchströmenden Luft, andere Geräte sollen Erreger etwa
mittels UV-Licht abtöten.

Etliche Hersteller preisen ihre Luftreiniger derzeit als ideale
Lösung unter anderem für die rund 33.000 Schulen bundesweit an, in
einigen Klassenzimmer sind solche Geräte bereits im Einsatz. Wenn für
einen mobilen Luftreiniger angegeben werde, dass er 99,99 Prozent der
Viren herausfiltere, sei dies in Bezug auf eine Virenlast im Raum
nicht erreichbar, erklärte Messner. «In der Praxis können 80 bis 90
Prozent erreicht werden, wenn die Reinigung lange genug erfolgt und
das Gerät im Raum richtig aufgestellt ist.» Von einem entfernt davon
sitzenden infizierten Schüler oder Lehrer abgegebene Viruspartikel
gelangten unter Umständen aber erst nach längerer Zeitdauer zum
Gerät.

Viele Menschen hofften in der Corona-Pandemie auf technische
Lösungen, erklärte Messner. Luftreiniger könnten dazu verführen, sich
in falscher Sicherheit zu wiegen. «Und so übersimpel und
steinzeitlich diese Lösung für manchen klingen mag: Lüften
funktioniert nun mal am besten.» Erreger verschwänden nach draußen,
ebenso das für Müdigkeit und Konzentrationsschwäche sorgende
Kohlendioxid, gesundheitsschädliche Stoffe, die aus Materialien im
Klassenraum ausdünsten und auch Feuchte, die zu Schimmel führen
könne.

Aber offene Fenster bei kalter Außenluft sorgen für Erkältungen,
oder? Diese Sorge sei unberechtigt, hatte der HNO-Arzt Bernhard
Junge-Hülsing kürzlich erklärt. Im Gegenteil sei es wahrscheinlicher,
sich in einem schlecht gelüfteten Raum bei anderen anzustecken. Denn
Luftaustausch hält nicht nur die Menge an Sars-CoV-2 klein, sondern
auch die anderer möglicherweise vorhandener Erreger wie Grippeviren
oder Bakterien.

Die Ansteckungsgefahr in Schulen grundsätzlich und nachhaltig zu
senken, könne mit fest installierten zentralen Lüftungsanlagen
erreicht werden, sagte Messner. «Es ist seit Jahren Forderung des
Uba, Schulen damit auszustatten.» Bei einem Neubau entfielen nur
wenige Prozent der Bausumme auf eine solche Anlage.

«Als rasche Maßnahme empfehlen sich Zu- und Abluftanlagen für
einzelne Klassenräume», ergänzte Messner. Professionelle Modelle mit
Wärme- und Feuchterückgewinnung könnten an der Fensterfront
angebracht werden. «Das wäre zeitnah umzusetzen und hält viele
Jahre», so der Uba-Präsident. Auch improvisierte Abluftanlagen aus
Baumarktmaterialien könnten Abhilfe im Klassenraum schaffen, wie ein
Vorschlag der Max-Planck-Gesellschaft gezeigt habe. Bei den mobilen
Luftreinigern hingegen sei unklar, wie lange sie nach der Pandemie
überhaupt noch eingesetzt werden. Auch aus Umweltgesichtspunkten
seien Lüftungsanlagen daher besser.



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