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Erntezeit ohne Leiter: Es ist fast wie im Schlaraffenland

Von wegen doofe Nuss!

veröffentlicht am 06.10.2016 um 12:45 Uhr

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Die Ernte, also das Bücken und Einsammeln, ist in vollem Gang. Während Haselnüsse schon weitestgehend gefallen sind, folgen nun auch die Walnüsse. Eine segensreiche Zeit, „denn Äpfel, Nuss und Mandelkern…“ – sie halten länger, viel länger noch als bis Weihnachten. Einziges Problem seien die Eichhörnchen, heißt es, aber das ist zu verschmerzen, denn sie fressen nicht, wie Kompanien von Staren in Kirschbäumen, ganze Kronen leer, sondern stibitzen.

Interessant ist, dass zwar von Nüssen in beiden Fällen die Rede ist, die eine mit der anderen mit Ausnahme der harten Ummantelung für die köstliche Frucht aber nicht viel gemein hat. Die Gewöhnliche Hasel (Corylus avellana), ein mehrstämmig wachsender Busch, ist ein Birkengewächs. Die Walnuss hingegen begründet eine eigene Gattung mit hoch (teils bis 30 Meter) wachsenden Bäumen. Haselnussgehölze sind vor allem als Büsche bekannt, die so breit wie hoch werden. Doch es gibt auch hier Bäume. ’Wunder aus Bollweiler‘ und ’Hallesche Riesen‘ wachsen aufrecht bis sechs Meter hoch, entwickeln einen Hauptstamm. Es gibt sie also, die Haselnussbäume, die keine dicht verzweigten Großsträucher sind, sondern exakte Kronen bilden. Wer genau hinschaut, wird sie sogar hier und dort im Stadtbild entdecken, spätestens dann, wenn zur Reifezeit die Nüsse in ihren geradezu aufwändigen, auffälligen Verpackungen zu Boden fallen.

Breiter Busch und hoher Baum Die Hasel ist eine pflegeleichte Pflanze, kommt mit Halbschatten und Sonne gut zurecht, wächst auf fruchtbarem, durchlässigem und kalkhaltigem Boden am besten. Unser Augenmerk fällt auf sie schon dann, wenn das Laub sich noch nicht entwickelt hat, denn bereits im Winter schmücken die männlichen Kätzchen die Zweige und Äste, hängen warmgelb oder grünlich koloriert herab und versprühen im zeitigen Frühling ihre Pollen. Mit Haseln lassen sich Gemischtheckenpflanzungen gut ergänzen, zumal es auch dunkellaubige Sorten (sehr zu empfehlen: Purpurhasel Corylus maxima ’Purpurea‘) gibt. Nach einer Einzelstellung verlangt hingegen die Korkenzieher-Hasel. Die Sorte ’Contorta‘ ist am bekanntesten; ihre Triebe vom Stamm bis zu den Ästen sind korkenzieherähnlich gedreht. Ein merkwürdiges Ziergehölz, das keinen Nussertrag bringt.

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Merkwürdig ist sicher auch die Erscheinung der Walnüsse. Die harte Schale birgt eine seltsam geformte Frucht, die nicht allein ihrer Form wegen als Gehirnnahrung gilt. Walnüsse sollen tatsächlich dazu beitragen, die grauen Zellen zu unterstützen. Wo genug Platz im Garten ist, sollte aber nicht nur aufgrund dieser guten Ingredienzen, sondern auch wegen der stattlichen und schönen Form des Baumes eine Walnuss (Juglans regia) gepflanzt werden. Das Terrain sollte nicht kleiner als 700 Quadratmeter sein, wenn das Wohnhaus auch noch darauf steht, denn Walnüsse werden je nach Sorte bis zu 30 Meter hoch und bilden eine mächtige, bis 15 Meter breite Krone aus. Beim Standort sind sie wählerischer als die Haseln, benötigen gut durchlässige, frische, tiefgründige Böden und tolerieren es nicht, im Schatten oder Halbschatten gepflanzt zu werden. Sie benötigen außerdem viel Zeit, um zu fruchten. Einen Baum aus einer Nuss zu ziehen, ist möglich, jedoch wird die daraus erwachsene Ernte gut 20 Jahre auf sich warten lassen. Es macht mehr Sinn, eine kultivierte Sorte in der Baumschule zu kaufen. Ist es ’Franquette‘ oder ’Wilson’s Wonder‘, könnten die ersten Nüsse nach sieben bis zehn Jahren sich entwickeln; für Walnussbäume ist das rasant… Die Schwarze Walnuss (Juglans nigra) wächst schneller und fruchtet bisweilen schon nach fünf Jahren, aber eine Garantie gibt es dafür auch nicht.

Einmal abgesehen von der Ernte ist ein Walnussbaum auch deshalb eine gute Wahl, weil er erstens einen schönen Stamm mit glatter, hellgrauer Borke ausbildet, der haptisch überzeugt. Zudem gelten die edlen Blätter, deren Bronzeton leicht ins Purpurne gleitet, als Anti-Mücken-Mittel. Die kleinen Biester mögen den Duft der Walnuss nicht.

Hübscher Nebeneffekt für einen Baum, der seit Jahrhunderten den Menschen als über den Winter helfende Nahrungsquelle gilt. Denn: Nüsse sind lange haltbar. Liegen sie trocken, können sie ihr Aroma bis in den Frühling hinein halten, ohne ranzig zu werden oder an Schimmel zu leiden. Das liegt an der perfekten Verpackung: Sowohl Walnuss als auch Haselnuss umhüllen ihren (relativ) weichen, essbaren Kern mit einer harten Schale.

Der Fettanteil von Nüssen liegt bei über 60 Prozent! Wer es mit dem Schnabulieren nicht zu sehr übertreibt, wird aber kaum an durch Nüsse hervorgerufenes Hüftgold leiden, denn es handelt sich vor allem um gute, ungesättigte Fettsäuren. Außerdem ist gerade auch bei Walnüssen der Anteil an Mineralstoffen und Vitaminen (B und E) sehr hoch. Der regelmäßige Verzehr von Nüssen kann dazu beitragen, den Blutfluss in den Gefäßen zu verbessern und so vor Herzinfarkt zu schützen. Es werden ihnen außerdem positive Wirkungen bezüglich des Cholesterins und chronischen Entzündungen nachgesagt. Mit zunehmender Trocknung der Walnüsse schwinden die Vitamine allerdings. Zum Vergleich: Frische Walnüsse haben einen Vitamin-B-Gehalt von 30 Milligramm pro 100 Gramm! In getrockneten Nüssen beträgt er gerade noch vier Milligramm. Tipp: Den Wintervorrat nicht nur trocknen und dunkel lagern, sondern die Nüsse jetzt frisch knacken und dann einfrieren. Vorgeschlagene Tagesrationen: entweder 20 Haselnüsse oder sechs Walnüsse.



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