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Salbei, Rosmarin und andere sind empfindlich

Unsere lieben Problemsträucher

Es heißt, man solle denselben Fehler nicht ein zweites Mal begehen. Wer eine Gartenschere in der Hand hält, weiß, dass es in dieser Sachlage bisweilen leider beim frommen Wunsch bleibt. Weil der richtige Schnitt bestimmter Gehölze und Halbsträucher manchmal in Vergessenheit gerät.

veröffentlicht am 21.03.2019 um 13:00 Uhr
aktualisiert am 21.03.2019 um 18:30 Uhr

Jens Meyer

Autor

Leiter Redaktion PR- und Sonderthemen zur Autorenseite

Und auch, weil die Meinungen über die exakt anzuwendende Klinge weit auseinanderdriften. So gibt es Lavendelfans, die den Schnitt des provenzalischen Duftikus‘ zu ganz unterschiedlichen Zeitpunkten durchführen. Das kann fatale Folgen haben.

Gehölze, mit denen wir uns hier auskennen, mit denen wir womöglich groß geworden sind, die auch keine bestimmten Ansprüche ans Terrain stellen, denen – wie etwa Deutzie oder Holunder – ein normaler Gartenboden reicht stellen den Gärtner vor weniger große Herausforderungen. Sie, die vor allem Vögeln Schutz bieten und als Heckenanpflanzung vor neugierigen Blicken bewahren sollen, müssen nicht einmal jedes Jahr geschnitten werden. Aber da sind eben auch die anderen, bei denen die Anwendung der Klingen schwierig und trotzdem notwendig ist. Fünf wichtige Beispiele:

Ginster: Es gibt fantastische Sorten und Arten, die schnell wachsen und deshalb gern gesehene Gartenpflanzen sind. Allerdings neigen sie zur Verkahlung aus der Basis heraus. Der Grund: Je größer sie oben werden, desto weniger Sonnenlicht fällt hinein. Also muss man Ginster im Allgemeinen kontinuierlich in Form halten. Wartet man zu lange, sind die Pflanzen im unteren Drittel schon sehr verholzt. Wenn ein radikalerer Schnitt notwendig wird, schadet dies zwar nicht, sieht aber unschön aus. Der Ginster braucht dann länger, um wieder zu einem schönen Antlitz zu gelangen. Bester Schnittzeitpunkt: bei Frühlingsblühern wie Elfenbeinginster nach der Blüte im Juni, bei Sommerblühern wie Färber- und Rosenginster im Herbst. Verjüngungsschnitt am alten oder verkahlten Strauch zwischen 1. Oktober und 28. Februar

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Gutes Beispiel für schlechten Schnitt: Der Lavendel ist schon viel zu verholzt. Foto: sas (2) / ey

Lavendel: Ob im Freiland oder im Topf – sein Schnitt ist (eigentlich) einfach, aber nur, solange man ihn in keiner Saison verpasst. Wie neu auch immer ein Lavendel im Garten steht: Von Anfang an braucht er seinen regelmäßigen Schnitt! Die Triebe müssen gekürzt werden, bevor sie beginnen zu verholzen. Verpasst man den Zeitpunkt nur um ein Jahr oder gleich mehrere, verholzt die Pflanze immer mehr; dann muss ins alte Holz geschnitten werden, was sie nicht mag. Der Echte Lavendel (Lavandula angustifolia) ist ein Halbstrauch, also ein Zwitter zwischen krautiger Pflanze und Gehölz. Halbsträucher sollen nur im unteren Pflanzenbereich verholzen und oben biegsam bleiben, damit sie blühen. Muss ins Holz geschnitten werden, kann das den Tod der Pflanze bedeuten. Also müssen die Triebe eingekürzt werden, bevor sie verholzen. Bester Schnittzeitpunkt: Gleich nach der Blüte im Sommer (Juli/August) wird der Lavendel um etwa ein Drittel zurückgenommen. Ein leichtes Nachkorrigieren erfolgt im März. Warum? Weil der nach dem Sommerschnitt erfolgte Neuaustrieb den Lavendel sozusagen über den Winter bringt.

Echter Salbei: Salvia officinalis, ebenfalls wie Lavendel ein Halbstrauch, ist eine Heilpflanze, die in keinem Garten oder Kräuterbeet fehlen sollte. Die älteren Triebe verholzen, die Jahrestriebe bleiben krautig. In Form bleibt der Heilsalbei nur, wenn man ihn bis zum Übergang zwischen Kraut und Holz einkürzt – und zwar ausnahmslos in jedem Jahr! Bester Schnittzeitpunkt: Immer erst dann, wenn keine stärkeren Fröste mehr zu erwarten sind, also nach dem Winter, aber niemals davor – das setzt die Frosthärte herab. Wird er gut beschnitten, bringt er kräftigere Blätter hervor, die mehr Aroma entwickeln. Wird der Salbei bis in den verholzten Teil zurückgeschnitten, wächst er zögerlich. Aber manchmal muss auch das sein, vor allem, wenn man ein Jahr lang nicht aufgepasst hat…

Rosmarin: Eines ist sicher, und zwar, dass der Ernteschnitt nicht ausreicht, um ihn in Form zu halten. Rosmarin will mit einem klugen Schnitt gesund und dicht im Wuchs gehalten werden. Auch er: ein Halbstrauch (Hemiphanerophyt), also einer, der nach Jahren an der Triebbasis immer mehr verholzt. Die krautigen Bestandteile sind quasi einjährig. Bleibt ein Schnitt aus, verholzt die Heilpflanze immer mehr, wird kahl, treibt auch nicht mehr aus. Bester Schnittzeitpunkt: Im Frühling nach dem Frost die krautigen Triebspitzen bis knapp über den verholzten Teilen einkürzen. Dabei sollte die buschige Pflanze, falls notwendig, auch ausgelichtet werden, damit die eng stehenden Zweige sich nicht gegenseitig behindern.

Ysop: Hysoppus officinalis gilt nicht als Halbstrauch, das ist aber nur die halbe Wahrheit. Denn das mediterrane Küchenkraut, das zum Würzen von Kartoffelsalat, Braten oder Suppen genutzt wird, neigt dennoch zum Verholzen, und zwar, wenn man es nicht einkürzt. Bester Schnittzeitpunkt: Im Frühling nach dem Frost und vor dem Neuaustrieb um etwa die Hälfte einkürzen. Einen Schnitt ins alte Holz verträgt Ysop besser als Lavendel, sollte aber dennoch auch vermieden werden.



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