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Meconopsis – eine Spielart des Mohns

Schöner Schein

Gehölze gelten als Grundgerüst des Gartens. Stauden aber sind die Kür! Im Wesentlichen handelt es sich um frostharte Pflanzen, die nicht verholzen, deren Pflanzenteile oberirdisch vor jedem Winter absterben, deren Wurzelstock aber überlebt und im Frühling neu austreibt. Umso wichtiger, sie regelmäßig hier näher zu betrachten und jene vorzustellen, auf die kein Gärtner bei der Gestaltung von Beeten und Flächen verzichten sollte. Heute: Scheinmohn (Meconopsis)

veröffentlicht am 04.05.2019 um 08:00 Uhr

Der zitronengelb blühende Kambrische Scheinmohn (Meconopsis cambrica) ist weitaus weniger bekannt, als sein blauer Bruder Meconopsis betonicifolia – dabei ist er viel einfacher zu kultivieren und stellt weniger hohe Ansprüche. Foto: sas

Autor:

Saskia Gamander und Jens Meyer
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Christopher Grey-Wilson ist ein angesehener Autor zahlreicher Bücher über Pflanzen und Gärten. Obgleich ihm – nach all seinen Erfahrungen, die er unter anderem auch als Principal Scientific im Royal Botanic Garden Kew sammeln durfte – ein großer Wissensschatz zur Verfügung steht, dürfte er sich mit einigem Respekt an die Aufgabe herangewagt haben, ein Buch über den Mohn zu verfassen. Der Mohn in all seinen Facetten, mitsamt Betrachtung der gesamten Familie (Papaveraceae). „Poppies“ ist die niedlich klingende englische Bezeichnung für Mohne. Grey-Wilsons „The Poppy Family in the wild and in cultivation“ ist ein bis heute unübertroffenes Standardwerk; kein jemals über Mohn verfasstes Buch ist umfassender.

Bekanntlich gehört zur Familie des Mohns auch der Scheinmohn (Meconopsis). Über 50 Arten sind bekannt; viele haben ihre Heimat im asiatischen Raum, wachsen in Nepal teils in windumtosten Höhen des Himalayamassivs, wobei die wenigsten dieser Arten in Kultur zu finden sind. Das hat mit ihren Eigenschaften zu tun. Stehen keine Idealbedingungen zur Verfügung, ist es äußerst schwierig, sie woanders zu beheimaten.

Zudem gelten viele Scheinmohnarten als monokarpisch. Das bedeutet, dass die Pflanzen nach der Blüte absterben; dies gilt in etwa für die Arten Meconopsis integrifolia und Meconopsis horridula (Stachliger Scheinmohn). Was bedeutet, dass sie in Kultur zur Gestaltung von Gärten und Flächen nicht wirklich infrage kommen sollten. Die teils sehr eingeschränkte Winterhärte zeigt zudem, wie widersprüchlich sich die Meconopsis-Mohne verhalten. Weil sie in alpinen Höhen in Nepal, Myanmar oder China durchaus zu unaussprechlich wunderschöner Blüte gelangen, könnte man nämlich zunächst einmal davon ausgehen, dass sie absolut frosthart sind – aber das sind die meisten eben nicht.

Obwohl ihnen dort, wo ihre heimatlichen Wurzeln in teils auch kargen Boden greifen, eine Ganzjahreswärme nicht gegeben ist, gelingt es ihnen dennoch, zu überleben, und zwar nicht nur durch Selbstaussaat, sondern durchaus durch Verharren des Wurzelstocks im Erdreich. Es gibt viele enttäuschte Gartenbesitzer, die schon oft vor den Ruinen des Blauen Tibet-Scheinmohns (Meconopsis betonicifolia), gestanden haben, weil sie ihm mehr Durchhaltevermögen zugetraut hatten, doch dieses Vermögen ist begrenzt. Nur wenn die Bedingungen ideal gewählt und möglichst verändert worden sind, kann er sich langfristig halten.

Über 50 Arten sind bekannt – die meisten haben ihre Heimat im asiatischen Raum

Aus der vielfältigen Meconopsis-Familie bleiben im Grunde zwei bis drei Arten und eine Hybride, die sich für die Gartengestaltung gut eignen und die auch mehr als eine einmalige saisonale Freude sein können. Dabei flitzen Blumenfreunden immer die blauen, papierartigen Blüten des Großen Scheinmohns (Meconopsis grandis) durch die Gedanken, doch gibt es auch eine Art, die weniger anspruchsvoll ist als er, kleiner wächst und gelb blüht – und die sogar schon vor über 400 Jahren Beachtung fand! Es handelt sich um den Kambrischen Scheinmohn (M. cambrica), dessen Heimat – im Gegensatz zu seinen Verwandten – nicht das ferne Asien ist, sondern Wales.

In Steingärten macht der Kambrische Scheinmohn die besten Fortschritte, toleriert aber auch etwas fülligeren Boden. Bemerkenswert leuchtend sind seine zitronengelben Blütenblätter und die noch einen Funken heller gefärbten Stempel, die bei Bienen und Hummeln nicht weniger Eindruck schinden als die Blütenherzen „normaler“ Papaver-Mohne. Bei näherer Betrachtung seiner Petalen könnte der Kambrische Scheinmohn ohne Weiteres in die Nähe des Klatschmohns gerückt und damit zu den Papaver-Arten gezählt werden, was von den wichtigsten Botanikern – selbst Carl von Linné, dessen binäre Nomenklatur bis heute Gültigkeit hat – auch bis ins 19. Jahrhundert so getan wurde. Als „mohnähnlich“ (meconopsis) stufte diese Pflanze der französische Arzt und Botaniker Louis G. Alexandre Viguier erst Anfang des 19. Jahrhunderts ein.

Der Kambrische, gelbe Scheinmohn darf nicht als Alternative zum Blauen Scheinmohn angesehen werden, eher als besondere Ergänzung in der Vielfalt der Pflanzen. Fest steht aber auch, dass Meconopsis cambrica, auch als Wald-Scheinmohn bekannt, sich weit weniger divenhaft verhält. Ende des 19. Jahrhunderts gab es sogar eine gefüllte, orangefarbene Sorte ’Flore Pleno‘, die als zauberhafter Gartenvagabund sonnige bis halbschattige Bereiche auf kühlem, locker-lehmigem Boden auszufüllen wusste. Leider ist diese Sorte im Laufe der Zeit am schwindenden Interesse – weshalb eigentlich? – rar geworden. Es ist fast unmöglich, sie aufzustöbern, da hilft selbst die weitweite Suche in der digitalen Welt wenig.

Meconopsis grandis ist die Art, die für Gartenbesitzer eine weitaus größere Rolle spielt. Dabei handelt es sich um den Großen Scheinmohn. Er wächst zögerlich, wenn ihm sein Umfeld nicht gefällt. Man darf davon ausgehen, dass ein Gutteil des blauen Großen in vielen Gärten zugrunde geht, weil die Bedingungen schlecht sind. Er braucht keine Sonne oder zumindest zur dosiert. Kalkhaltige Erde ist ihm zuwider: Sie muss sauer sein. Austrocknende, forsche Winde machen es ihm das ganze Jahr über schwer, und in Trockenzeiten braucht er Wasser.



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