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Für ihre Seerosen ist die Stauden-Gärtnerei Junge ausgezeichnet worden

Meisterhafte Schönheiten

Ehre, wem Ehre gebührt. Der Stauden-Gärtnerei Junge aus Wehrbergen wurde sie zuteil auf der Bundesgartenschau in der Havelregion in diesem Jahr. „Wir sind für besondere Leistungen im Bereich der Seerosen vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft mit dem Ehrenpreis in Bronze ausgezeichnet worden“, sagt Geschäftsführer Matthias Großmann. Das Fundament dafür legte er bereits vor über zwei Jahren im Rahmen der Vorbereitung, denn die Pflanzen mussten anwachsen „und so etwas braucht Zeit“. Rund 200 Seerosen lieferte die Wehrberger Pflanzen-Schmiede; 19 Sorten, eine schöner als die andere. Großmanns Großvater hatte vor Jahrzehnten sogar eine eigene Seerose kreiert, nicht gezüchtet, aber doch erfolgreich aus der Masse selektiert und vervielfältigt und somit eine Sorte geschaffen, die bestimmte Merkmale aufweist. Mit Nymphaea, so der botanische Name, kennt man sich bestens aus in der Gärtnerei Junge.

veröffentlicht am 22.10.2015 um 14:20 Uhr

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Ausbund an Schönheit und Ausdruckskraft

Nymphaea ’Fritz Junge‘ ist ein Ausbund an Schönheit und Ausdruckskraft, und würde sie nicht in feinem Rosé blühen, hätte Matthias Großmann seinem Großvater zu Ehren diese Blume mit in die Havelregion geschickt. Leider war kein Rosé gestattet. „Unser Auftrag war, rot-, weiß-, gelb- und orange- bis apricotfarbene Seerosen zu liefern.“ Damit war Fritz Junges Blüten-Epos weserbergländischer Herkunft aus dem Spiel, doch zeigt es, dass die Gärtnerei, ohnehin schon ein Schwergewicht in ihrer Branche, weil mit über 120 Jahren eine der ältesten in Deutschland, im Bereich der Seerosen besondere Akzente zu setzen weiß. Tradition verpflichtet.

Es mögen 600, vielleicht 800 Quadratmeter Wasserbassins sein, die auf dem Gärtnereigelände in Wehrbergen allein den Mutterpflanzen von über 50 Sorten Seerosen zur Verfügung stehen. Bis zur verkaufsfertigen Ware dauert die Aufzucht mitunter vier bis fünf Jahre; darin begründet sich auch der relativ hohe Preis einzelner Pflanzen. In ihrer Wirkung sind sie jedoch kaum zu übertreffen, das wusste auch schon der französische Maler Claude Monet, der neben dem Mohn vor allem Königin Nymphaea mit versierter Pinselführung ein für die Ewigkeit bestehendes Denkmal schuf. Über viele Sorten, die es seinerzeit noch nicht gab, wäre er hellauf begeistert. Nymphaea ’Gold Medal‘ leuchtet feenhaft in hellem Gelb und vermag im morgendlichen Nebeldunst elfengleich über dem Wasser zu schweben. ’Rembrandt‘ schiebt kräftig rote Blüten hervor, hübsch gezeichnet, so wie der Meister sie womöglich selber gemalt hätte. Die weiße ’Gonnere‘ ist vielblättrig gefüllt und mit einem warmgelben Herzen versehen. „Die Vielfalt bei Seerosen ist erstaunlich“, sagt Großmann. Die Pflege hingegen werde oft überschätzt. „Solange der Teich im Gleichgewicht gehalten wird, werden sich Nymphaea wohlfühlen.“

Ohne Teich keine Seerosen. Nymphaea braucht Wasser. Die Sortenauswahl hat sich erheblich vergrößert. Fritz Junge war sicher einer derer Gärtner, die den Stein ins Rollen gebracht hatten mit der Selektion und Neuzüchtung. Mittlerweile ist eine Bandbreite entstanden, die es auch Kleinteich-Besitzern erlaubt, mit diesen Pflanzen zu gärtnern. Laut Matthias Großmann gibt es Seerosen für flache Uferzonen (bis 20 Zentimeter Wassertiefe), solche für mittlere Wassertiefe bis 50 Zentimeter, bestimmte Sorten für Bereiche bis 70 Zentimeter Tiefe und auch solche, die sich in Regionen bis über einen Meter Tiefe am wohlsten fühlen. Um sie ansässig zu machen, braucht es nicht viel: allein einen gesunden Teich. Ihn anzulegen, überlässt man besser einem Fachmann; schon zu viele stille Gewässer sind erstaunlich schnell in Entengrütze übergegangen…

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Eine gute Pflanzzeit für Seerosen ist auch jetzt noch, da verhält es sich nicht anders als mit normalen Stauden. Ein besonderer Winterschutz sei nicht notwendig, und höchstens mal im ersten und zweiten Jahr eine Düngung – danach ist das nicht mehr nötig, weil ein gesunder Teich mit einer intakten Uferzone und klarem, sauerstoffhaltigem Wasser den Seerosen zum Leben reicht. „Je besser sie wachsen, umso mehr tragen sie auch zum Erhalt und zur Gesundung des Wassers bei. Ausgewachsene Seerosen blühen von Juni bis September und nehmen gut einen Quadratmeter Fläche ein, beschatten damit also das Wasser und sorgen an Hitzetagen dafür, dass sich das Wasser nicht zu sehr aufheizt.“

So bleibt Ihr Teich gesund:

Beschatten des Wassers: Seerosen helfen hier genauso wie an den Uferzonen wachsende Pflanzen. Die Beschattung wirkt gegen zu starke Überhitzung an Sommertagen und verhindert zu heftiges Algenwachstum.

Ein grüner Teichrand: Mindestens zwei Drittel der Uferzone sollten bepflanzt sein. Mit verschiedensten Arten können sowohl Ufer als auch tiefere Wasserflächen bepflanzt werden. Zu Seerosen passen Zwerg-Rohrkolben (Typha minima), Schwertlilie (Iris), Hechtkraut (Pontederia cordata, blau blühend) und Sumpfdotterblume (Caltha palustris, blüht sattgelb ab April) sehr gut. Matthias Großmann: „Kein Teich ohne Sumpfdotterblume!“

Bewegtes Wasser: Wasser benötigt Sauerstoff, der lebenswichtig für Pflanzen und Fische ist. Es muss nicht gleich ein großer Bachlauf sein, eine kleine Umwälzpumpe, ein leichtes Plätschern reichen in den meisten Fällen vollkommen aus, um dem Wasser Luft zuzuführen.

Bronzener Ehrenpreis auch für ’Gold Medal’ (links): Matthias Großmann (kleines Bild) erhielt die Auszeichnung für die hervorragenden Leistungen und Qualitäten im Bereich der Seerosen (Nymphaea), die seine Gärtnerei Stauden-Junge für die Bundesgartenschau geliefert hatte.

mg, ey



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