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Astrantia major funkelt die Sterne

Ist ja doldig

Gehölze gelten als Grundgerüst des Gartens, sind sozusagen Pflicht. Und Stauden sind die Kür! Umso wichtiger, sie regelmäßig näher zu betrachten und jene vorzustellen, auf die kein Gärtner bei der Gestaltung von Beeten und Flächen verzichten sollte. Diesmal: Sterndolde (Astrantia major)

veröffentlicht am 14.06.2019 um 00:00 Uhr

Die Große Sterndolde (Astrantia major) blüht ab Juni oft bis in den August hinein. Foto: sas

Autor:

Saskia Gamander und Jens Meyer
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Entzückend in ihrer gesamten Erscheinung, ja, man möchte sagen, in ihrer Vollkommenheit, ist die Große Sterndolde (Astrantia major). Mit ihren wie Edelsteine schimmernden Blütenköpfchen vermag sie ab Juni bis in den September hinein ein Funkeln in halb vom Fixstern beschienene Bereiche zu zaubern, das jedem Sonnenstrahl zum Konkurrenten wird. Hier, im lichten Schatten auf relativ feuchtem Terrain, liegt der Schlüssel zum schönsten Erblühen der Sterndolde. Sie ist kein unbedingtes Sonnenkind, ist sie nie gewesen. Der Doldenblütler, bis heute ein vielfach unterschätztes Gewächs, toleriert einen mit Vollsonne verwöhnten Standort nur unter der Bedingung, dass seine Wurzeln mit genügend Feuchte versorgt werden. Trockenheit ist der Untergang jeder Sterndolde. In voller Sonne ist das natürlich problematisch.

Aus dem Umstand heraus, dass die Sommer aufgrund des Klimawandels womöglich niederschlagsärmer und heißer sich entwickeln, sollten dennoch keine voreiligen Schlüsse gezogen werden. An clever ausgewählten Orten blüht die Sterndolde auch weiterhin, zumal sie es normalerweise schon im Juni bis zum ersten Flor schafft und der lang anhaltenden Hitze zuvorkommt. Diese romantische Blume ist Blüte für Blüte betrachtet ein liebliches, kleines Dingelchen, aber in ihrer Gesamtheit können mehrere Pflanzen bestimmter gut wachsender Sorten an Orten mit feucht-humosem Boden ein Feld der Begeisterung begründen. Wo ein Teich oder Bachlauf in der Nähe ist, wo die Sonne nicht den ganzen, sondern vielleicht nur den halben Tag mit ihren Strahlen hinunterreicht, wo zu Beginn der Saison und nach der Blüte im September der Gärtner eine frische Lage Kompost dem Boden beimischt, wird die Sterndolde ohne Zweifel zufrieden das Jahr überstehen, sich in den wohlverdienten Winterschlaf zurückziehen und im Frühling des kommenden Jahres mit frischen Kräften daraus erwachen. Und: Sie wird sich bisweilen auch gut selbst aussäen. In Anbetracht der natürlichen Gemälde, die sie zu malen in der Lage ist, sollte sie daran nicht gehindert werden.

Nur zehn Arten sind bekannt, kaum fünf spielen bei der Gartengestaltung eine Rolle. Wiesen und Wald sind ihr natürliches Habitat. In Europa und Westasien sind Sterndolden wild weit verbreitet, in Kultur jedoch gelten sie aus unerfindlichen Gründen nicht zu den Blumen mit besonders guter Lobby. Dass ihr Halbschattendasein dafür ein Grund sein könnte, ist zu bezweifeln. Typische Schattenpflanzen wie Funkien (Hosta) oder Elfenblumen (Epimedium) sind im Gegenteil ja sogar besonders beliebt. Also woran liegt’s? Vielleicht spielt ihr nicht ganz unkomplizierter Charakter eine Rolle. Zwar sind diese aparten Stauden – auch durch gute Sortenzüchtung – mit relativ robustem Wesen ausgestattet, aber sie dulden es nicht, wenn auf Dauer die Idealbedingungen an ihrem gewohnten Standort gestört sind.

Auf kleinste Veränderungen reagieren sie empfindlich. Im Schatten von Gehölzen mögen sie gerne wachsen. Wird ein Gehölz aus der Reihe entnommen, kann dies unter Umständen dazu führen, dass die Sterndolde, sonst in der größten Mittagshitze vom kühlenden Schatten erfasst, deshalb kümmert und zugrunde geht, weil der neue Strauch kleiner ist und zuviel Sonne bis nach unten fallen lässt, was den Boden austrocknet.

Also Obacht vor zu viel Veränderung im Umfeld. Wenn sich Astrantia major allerdings wohlfühlt, dann füllt sie das Terrain mit Leben. Die Blüten sitzen endständig auf drahtigen Stielen; die zarten Dolden sind umgeben von zugespitzten Hüllblättern, die farblich noch einen Kontrast zu den Dolden bieten. Daher trägt diese Blume auch ihren deutschen Namen: weil die Hüllblätter sternförmig um die Dolden gruppiert sind. Aus der Urform sind schiere Kunstwerke entstanden. Als eine der romantischsten Sortenzüchtungen gilt ’Shaggy‘ mit weißen Dolden und silbrigem Schimmer. Dazu gesellt sich die dunkelrot blühende ’Hadspen Blood‘ als geniale, weil: Kontraste schaffende Partnerin. Die Sorten der Großen Sterndolde sind empfehlenswerter als die kleiner blühenden Arten Astrantia minor oder carniolica (Krainer Sterndolde), deren Dolden kaum größer als zwei Zentimeter sind. Zudem ist im Laufe der Jahre eine sehr hübsche Auswahl an Sorten hinzugekommen, die nicht nur mit auffälligeren Blüten, sondern auch mit dunklem Laub und besseren Eigenschaften punkten.



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