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Glockenblumenbimmelim

Früher konnte ich den Glockenblumen wenig abgewinnen, aber früher hatten wir ja auch noch einen Kaiser, also wen interessiert‘s? Mich am allerwenigsten, weil: Heute finde ich Glockenblumen toll!

veröffentlicht am 14.06.2019 um 00:00 Uhr

Glockenblumen – hier neben Rosen – verwildern, sind aber dabei nicht hemmungslos. Foto: ey
Jens Meyer

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Jens Meyer Leiter Redaktion PR- und Sonderthemen zur Autorenseite
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Sie blühen lange, mischen sich unter andere Stauden und Gehölze und krauten sich auch aus Steinritzen hervor. Sie stellen sich mir manchmal in den Weg, wo sie es nicht sollten, legen sich quer und sehen besonders in der Abenddämmerung sehr apart aus, wenn sich die Blaue Stunde in ihren (meistens) blauen Blüten verfängt. Das Wilde, das ich in ihrem Wuchs früher zu erkennen fand und das auch durchaus heute noch vorhanden ist, weicht in meinen Augen mehr und mehr einem strukturgebenden Charakter dieser Pflanzen. Sie verwildern mal mehr, mal weniger, das ist unbestreitbar, aber meistens ist es ein Gewinn, vor allem dann, wenn der Zeitpunkt gekommen ist, da die Lupinen am Verblühen sind, der Pfingstrosen Köpfe zauseln und die Indianernesseln und Margeriten noch lange nicht bei ihrer Blüte angekommen sind. In dieser Übergangszeit des Vergehenden und zu Erhoffenden spielen die Glockenblumen ihre ausdrucksvolle Stärke als sympathische Farbtupfer aus.

Ob Wald- oder Wiesen-, Teppich- oder Knäuelglockenblume: Campanula-Arten sind naturhaft und willensstark, aber nicht hemmungslos. Sie säen sich aus, manchmal auch ein bisschen zu ergiebig, aber dann ist es ein Leichtes, sie mit der Rosengabel unter ihrem Wurzelgeflecht zu packen und zu entfernen. Zuviel ist zuviel, das gilt schon auch für diese Arten. Aber wer das maßvolle Ausmisten in seinem grünen Reich als stete Pflegeaufgabe anerkennt, wird das richtige Tun. Manchmal ist es auch so, als wenn eine überirdische Macht mitmischt, um zu sagen: „Zupf das da weg und lass dies da stehen.“ Wir sollten uns leiten lassen von unserem Gefühl für den Augenblick und die Pflanze. Wie wichtig ist sie jetzt und wie wichtig kann sie hier, an diesem Standort, in Zukunft noch sein? Erst dieses ständige Abwägen macht uns schließlich zu den guten Gärtnern, die wir sein wollen, weil es uns zu Freunden der Blumen macht.

Jens F. Meyer

j.meyer@dewezet.de



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