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Eine Landfrauen-Überraschung

Bei Landfrauen live vorzutragen, ist ein großes Vergnügen. Es ist aber auch eine riesige Herausforderung, ein Ritt auf der Rasierklinge, weil ich weiß, dass sich dieses Fachpublikum sehr gut mit Blumen, Obst und Gemüse auskennt. Mit den Worten des Volksmundes würde man sagen, den Landfrauen kein X für ein U vormachen zu können. Habe ich nie versucht, bin nicht übergeschnappt.

veröffentlicht am 01.08.2021 um 11:00 Uhr

Jens Meyer

Autor

Leiter Redaktion PR- und Sonderthemen zur Autorenseite

Es muss also anspruchsvolle Beetgeflüster-Unterhaltung sein. In Pie-mal-Daumen-Manier kann ich dort nicht landen, das weiß ich. Was ich nicht weiß, verschweige ich. Nun, da mein Vortrag bei den Landfrauen in Aerzen einige Wochen zurückliegt, will ich mich aber noch einmal aus der Deckung begeben und Ihnen, verehrte Damen aus dem Hummetal, die sie so nett meinen Worten lauschten, zurufen: „Sie blüht sehr schön – und ich weiß jetzt, um welche Blume es sich handelt.“

Das Rätsel um die zarten Jungpflanzen ist gelöst

Rückblick: Ich hatte ein Geschenk erhalten, keine Flasche Sekt oder Krimskrams, sondern dem Anlass entsprechend recht vitale Jungpflanzen von allerlei einjährigen Sommerblumen. Einige dieser Zöglinge gaben mir Rätsel auf. Die Vorsitzende des Vereins entließ mich nach meinem fast zweistündigen Stelldichein mit den Worten: „Ich habe Ihnen eine schöne Auswahl gemacht. Die Pflanzen sind aus meinem Garten. Bin mal gespannt, ob Sie die kennen. Wenn nicht, rufen Sie mich an.“

Ich fuhr nach Hause, leicht unter Stress gesetzt. Was, wenn ich nicht erkenne, um welche Blumen es sich handelt? Was, wenn sie allesamt mein gärtnerisches Talent unterminieren und eingehen? Dürfte ich je wieder ins Hummetal zurückkehren? – Ich bin jetzt froh, dass sich all diese Fragen nicht mehr stellen, weil ich eine Antwort habe, die „Zitronen-Monarde“ lautet. Ich könnte auch Duftende Indianernessel, Indianerminze oder Präriebergamotte sagen. Um richtig anzugeben, setze ich noch einen drauf mit dem botanischen Namen Monarda citriodora, verbunden mit einem Dankeschön an die Aerzener Landfrauen, ohne die ich diese florale Entdeckung erst einmal nicht gemacht hätte. Weil ich die einjährige, nicht winterharte Form der mir natürlich sehr wohl bekannten frostfesten Indianernessel-Stauden kaum favorisiert hätte. Einjährige fallen bei mir eher in die Kategorie „kann, aber muss nicht“.

Nach reiflichem Begutachten der in Blüte stehenden Zitronen-Monarde würde ich kategorisch nun mit einem „Muss“ beurteilen. Weil sie ein Wunderfänger ist, den Hummeln, Bienen und meine Blicke ansteuern. Weil ihre in mehreren Wirteln fast etagenförmig angesiedelten Blüten eine Augenweide sind. Weil sie als „Teepflanze“ eine recht geschmackvolle Erscheinung ist, gut duftet. Und weil …

… ich gerade ein Exposé gefunden habe, in dem darauf hingewiesen wird, dass diese den Kräutergarten ergänzende Schöne bisweilen ein zweijähriges Verhalten zeigt, sich auch selbst aussät und Temperaturen von bis zu minus fünf Grad Celsius durchaus überleben kann. Was mich zu der Entscheidung kommen lässt, dass diese „Landfrauen-Blume“ in Zukunft einen festen Platz in meinem Garten haben soll.

Jens F. Meyer

j.meyer@dewezet.de



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