weather-image
27°
×

Kräuter aus dem eigenen Garten bereichern Beete und Speisen

Das Potenzial der Würze

Die Poesie und wundersamen Mythen, die sich um Heilkräuter seit Jahrtausenden ranken, sind vermutlich in genauso hohem Maße vorhanden wie die Inhaltsstoffe und ätherischen Öle in ihren Blättern, Blüten, Samen und Wurzeln. Allein: Sie wachsen zu sehen, ohne ihre Würzkraft für verschiedenste Speisen zu nutzen und ohne sich daraus eigene Teemischungen zu zaubern, wäre schade. Denn Rosmarin wertet Ofenkartoffeln gehörig auf, Salbei ist perfekt für Pizza-, Pasta- und Fleischgerichte, und mit Zitronenmelisse oder Minze lassen sich tolle Tees vollkommen problemlos zubereiten. Je nach Aufwand und Menge reichen manchmal ein paar wenige Blätter, um Köstliches zu genießen.

veröffentlicht am 11.06.2015 um 14:50 Uhr

Autor:

Pflege und Anbau sind unkompliziert

Die meisten Kräuterpflanzen sind anspruchslos. Das macht ihren Anbau auch für ungeübte Hobbygärtner unkompliziert. Dünger brauchen sie im Grunde nicht, solange die Grundlage stimmt: der Boden. Für ein gesundes Wachstum ist es wichtig, die verschiedenen Ansprüche zu beachten. Wer etwa Thymian, Estragon, Salbei oder Lavendel auf schwere, lehmige Böden setzt, wird keine Freude daran haben, weil sie eine durchlässige, teils magere und kalkhaltige, mit Sand und Kies vermischte Unterlage bevorzugen. Hingegen fühlen sich Minzen und Zitronenmelisse in nährstoffreicher Erde wohl; normaler Gartenboden, noch mit gutem Kompost verbessert, dürfte für gutes Wachstum hier also absolut ausreichen.

Beim Anbau von Kräutern und Heilpflanzen rankt sich viel um die Frage, wie man sie nutzt, wie man sie haltbar macht und vor allem: wann man sie schneidet! Hier passieren die meisten Fehler. Denn häufig greifen Gartenbesitzer im Herbst zur Schere, damit die Pflanzen im Frühling neu austreiben können. Dies kann sich jedoch nachteilig auf die Pflanzen auswirken, vor allem dann, wenn es einen langen, frostigen Winter gibt. Der späte Schnitt setzt die Frosthärte herab. Es ist deshalb besser, die im Grunde vollkommen winterharten Kräuter erst im Frühling (März) in Form zu bringen. Dann treiben sie kräftig aus und werden umso schöner. Das wäre der erste Schnitt, doch der zweite folgt schon bald…

…denn Kräuter zu nutzen, bedeutet eben auch, zu ihrer schönsten Zeit mit beherzter Klinge zu hantieren. Kurz vor der Knospenbildung oder kurz vor der Blüte sie abzusäbeln, hat den Nachteil, auf ihren optischen Hochgenuss verzichten zu müssen. Aber diese Hürde muss genommen werden, wenn es darum geht, den Wintervorrat mit höchstmöglichem Reservoir an Inhaltsstoffen haltbar zu machen. Die meisten Kräuter verlieren mit der Vollblüte einen großen Teil ihrer Würzkraft; auch der Anteil der ätherischen Öle und wertvollen Inhaltsstoffe sinkt. Sogar die Tageszeit kann entscheidend sein. Kräuterexperten wie Rudi Beiser (siehe Buchtipp) schwören darauf, zum Beispiel Thymian oder Rosmarin zwischen 11 und 14 Uhr zu ernten, weil zur Mittagszeit aufgrund der Sonneneinstrahlung das Aroma am kräftigsten ist. Das ist kein Zauberwerk, sondern hat für die Pflanzen einen ganz pragmatischen Hintergrund: Der Stand der ätherischen Öle steigt, weil mit der sogenannten Verdunstungskälte die Zellen vor Überhitzung geschützt werden. Das hat die Natur schön clever eingerichtet.

Cleverness zeichnet den Gärtner aus, der also genügend Kräuter pflanzt, um sowohl sie zum Blühen zu bringen und sich daran zu erfreuen, wie Bienen, Hummeln, Schwebfliegen und Schmetterlinge von Blüte zu Blüte tropfen, als auch in der Lage ist, sich einen Wintervorrat anzulegen. Der Trend geht demnach klar zur Zweit-, zur Dritt-, zur Viertpflanze! Die Vielfalt erlaubt das Spiel zwischen Schönheit und Nutzen. Doch wie macht man Kräuter haltbar? Die gängige Methode ist das Trocknen. Dazu werden die Blätter nach dem Schnitt vorsichtig von den Stängeln abgestreift beziehungsweise bei kleinblättrigen Arten wie etwa Thymian die Stängel im Ganzen belassen. Die Kräuter werden nicht gewaschen (weil: nicht nötig) und an einem warmen, trockenen und dunklen Ort (weil: direkte Sonne lässt sie ausbleichen und zerstört die Wirkstoffe) aufgehängt oder locker auf Gittern ausgebreitet. Tipp: Ein Baumwolltuch auf einem Wäscheständer tut’s auch. Und wer sich richtig Mühe machen will, wählt den Dachboden als Trocknungsraum – der ist perfekt dafür geeignet. Länger als acht Tage sollte der Trocknungsprozess nicht dauern. Mit einem Dörrapparat geht’s in wenigen Stunden. Dann erfolgt die Lagerung: unbedingt unzerkleinert! Dunkle Glasbehälter mit Schraubverschlüssen bewahren die Blätter vor Feuche und Schimmel.

Es gibt weitere Möglichkeiten, die Würze und Aromen der Kräuter zu konservieren, um sie während der Herbst- und Wintermonate in der Küche zu nutzen. Kräutersalz (am besten mit bretonischem „Fleur de Sel“) und Kräuteressig (beste Grundlage: Riesling) lassen sich hervorragend nutzen und sind überdies eine tolle Geschenkidee für Familie und Freunde.

Die schönsten Kräuter – eine Auswahl: am nächsten Freitag



Copyright © Deister- und Weserzeitung 2021
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.


Anzeige
Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Anzeige