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Zu trocken: Der Frühling lehrt uns, das Wasser aufzufangen

Arg karg

Die Welt braucht Wasser. Ohne Zweifel ist das Herbeibe(e)ten des Lebenselixiers zum Wohlergehen von Nutz- und Zierpflanzen im eigenen Garten ein Luxusproblem vor dem Hintergrund, dass es Abermillionen Menschen in fernen Ländern gibt, die nicht einmal die Möglichkeit haben, ihren eigenen Durst zu stillen, ja mehr noch: die stets mit der quälenden Ungewissheit leben müssen, morgen keinen Becher mehr füllen zu können. Es verbietet sich also von selbst, in mitteleuropäischen Zonen lauthals darüber zu jammern, dass der Rasen anstatt sattgrün leider nur ein müdes bleiches Gelbgrün vorzuweisen hat. Keine Robe, die Gefallen findet. Wer in trockenen Zeiten wie diesen – und diese trockenen Zeiten kamen wie schon in den vergangenen Jahren zu früh – seinen Garten betrachtet, wird vielen Mangelerscheinungen als Folge fehlender Feuchte mit Unbehagen entgegenblicken. Es ist ein erster Stressfaktor, denen sich Stauden und Gehölze ausgesetzt sehen.

veröffentlicht am 05.06.2015 um 04:49 Uhr

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Gartenbesitzer sollten diese Warnung nicht in den Wind schießen: Zu wenig Wasser bedeutet im schlimmsten aller Fälle, auf einen Teil seiner Pflanzen verzichten zu müssen, weil man sie nicht versorgen kann. Der schlimmste Fall tritt meistens nicht ein, gottlob, aber gefeit ist keine(r) vor ihm. Je größer die beackerte Scholle, desto mehr Wasser benötigt sie. Das ist die eine Wahrheit. Die andere bedeutet, dass je größer der Topfgarten ist, die Wasserversorgung per Gießkanne exponentiell steigt.

Wie dem auch sei: Regenwasser bedeutet Leben! Es aufzufangen, ist also gewissermaßen Geburtsvorbereitung. Kein Samenkorn würde keimen ohne das himmlische Nass. Kein Wurzelschnittling könnte sich fortentwickeln ohne Wasser. Ableger von Pflanzen hätten ohne H2O keine Chance, erste Wurzeln zu bilden. Wasser ist immens wichtig, es ist neben dem Boden die wichtigste Grundlage erfolgreichen Gärtnerns.

Anstatt nun jeden einzelnen Tropfen als goldenes Epos über die Bedeutung des fließenden, rauschenden, schillernden und erfrischenden Elementes anzuerkennen, als eine Geschichte von Hoffnung und Leben, versickern Abermillionen Hektoliter ungenutzt. Man kann nicht alles auffangen, das ist klar. Aber eine Tonne macht noch keinen Sommer. 300 Liter sind schnell vergossen. Balkonkästen benötigen viel Wasser, weitere Sommerpflanzen wie Engelstrompeten und Begonien halten an halbwegs warmen Tagen keine 24 Stunden ohne einen richtig großen Schluck aus. Je wärmer die Tage, umso größer der Durst.

Und der Wind tut sein Übriges: Je stärker er weht, desto höher ist die Verdunstung und desto größer der Durst der Pflanzen. Ob die – zumindest im Weserbergland – seit mindestens einem Jahrzehnt zu beobachtende Verringerung der Niederschläge in den sonst so regenreichen Monaten März und April eine Folge des Klimawandels sind, liegt noch im Unklaren. Wo Hobby-Meteorologen und selbst ernannte Experten eher die Panikmache bemühen, ist es sinnvoll, sich lieber ein eigenes Bild zu machen. Zum Beispiel anhand der Wetterdaten der Stadtwerke Hameln, die im Raum Tündern ihre Wetterstation betreiben. Die Daten der vergangenen Jahre sprechen für sich: Es mangelt an Wasser gerade in solchen Zeiten, in denen die Pflanzen es am meisten benötigen – im Frühling. Der April macht zwar immer noch, was er will, aber er tut dies auf ganz andere als historisch belegte Weise: Es schüttet nicht wie aus Kübeln, sondern Regen ist eher Nebensache. Beziehungsweise Mangelware: 4,3 Liter fielen im April pro Quadratmeter, das ist gerade mal ein Teeglas voll. Zu arg karg auch der Mai: 22,69 Liter benetzten jeden Meter im Quadrat. Zum Leben zu viel, zum Sterben zu wenig. Das dokumentieren dann auch die Pflanzen, nicht alle, aber doch einige, mit trocknendem Laub noch vor der Blüte, verstärktem und früher einsetzendem „Junifall“ bei Obstgehölzen und weiteren Mangelerscheinungen.

Die Erkenntnis aus dieser Misere muss lauten: mehr Wasser auffangen. Bislang ungenutzte Fallrohre mit Ausläufen bestücken, Regentonnen aufstellen oder unterirdische Tanks, die mehrere Tausend Liter fassen, wirken der kargen Zeit entgegen.



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