weather-image
30°
Zu Hause betreut – mit direktem Vertrag

Was kostet die polnische Pflegekraft?

Frau S. ist 86 Jahre alt und hat seit Kurzem den Pflegegrad 4. Allein kommt sie nicht mehr zurecht. Einkaufen, Kochen, Körperpflege – bei all dem ist sie auf Unterstützung angewiesen. Auch die Wohnung kann sie ohne Hilfe nicht mehr verlassen.

veröffentlicht am 21.06.2017 um 06:00 Uhr

In bestimmten Situationen kann es sinnvoll sein, die Pflege zu Hause und rund um die Uhr durch eine ausländische Fachkraft übernehmen zu lassen. Foto: Peter Zweigler/be.p

In ein Pflegeheim will sie aber auf keinen Fall ziehen. Ihre Tochter hat sie in den vergangenen Jahren gepflegt, doch jetzt schafft sie es nicht mehr. Da sie berufstätig ist, kann sie nur morgens und abends vorbeikommen. In der anderen Zeit ist Frau S. allein in der Wohnung. Aus dem Bekanntenkreis kam der Tipp, eine Pflegekraft aus Polen einziehen zu lassen. Zumal zwei Zimmer ohnehin ungenutzt sind.

„Eine Möglichkeit ist dies auf jeden Fall“, sagt Sylke Wetstein von der Compass Pflegeberatung. „Zuvor sollte man besprechen, welche rechtlich zulässige Variante praktischer ist. Die eine Variante ist ein direkter Vertrag mit der Pflegekraft. Damit wird man zum Arbeitgeber mit allen Rechten und Pflichten.“ Dazu zählt unter anderem die Bezahlung von Lohnsteuer und Sozialversicherungsbeiträgen. Die andere Variante ist das Engagement beispielsweise eines polnischen Pflegedienstes. „In diesem Fall ist die Pflegekraft Angestellte des ausländischen Dienstes, der für Lohn und Sozialabgaben zuständig bleibt.“ Die Arbeitnehmerfreizügigkeit der EU erlaubt es, dass Pflegekräfte etwa aus Polen oder Tschechien hier ohne spezielle Arbeitserlaubnis tätig sein dürfen. In Deutschland gibt es mittlerweile Vermittlungsagenturen, die mit entsprechenden Anbietern in anderen EU-Staaten zusammenarbeiten.

Neben der grundsätzlichen Entscheidung, ob Frau S. eine Pflegekraft bei sich einziehen lassen will, müssen natürlich die Kosten geklärt werden. So kann zum Beispiel der polnische Dienst für eine Pflegehilfe mit guten Deutschkenntnissen rund 70 Euro pro Tag oder 2100 Euro monatlich in Rechnung stellen. Hinzu können festgelegte Kosten für die Hin- und Rückfahrt der Pflegekraft in die Heimat kommen, sowie auch für die Verpflegung. Frau S. bekommt bei Pflegegrad 4 monatlich 728 Euro als Pflegegeld überwiesen. Den Betrag kann sie zur Finanzierung einsetzen.

Für die Finanzierung eines ambulanten Dienstes stehen Frau S. bis zu 1612 Euro pro Monat zur Verfügung. „Jedoch kann damit nicht die ausländische Pflegekraft bezahlt werden, selbst wenn sie bei einem Dienst in ihrer Heimat angestellt ist“, sagt Wetstein. „Die Pflegeversicherung darf nur Leistungen von Diensten vergüten, mit denen sie einen entsprechenden Vertrag hat und die der inländischen Aufsicht unterliegen.“

Wer sich für eine solche Unterstützung entscheidet, sollte sich die Formalitäten, Vor- und Nachteile von der Pflegeberatung erklären und eine Liste der Anbieter geben lassen. Unter der gebührenfreien Rufnummer 0800/1018800 erhalten gesetzlich wie Privatversicherte weitere anbieterneutrale Informationen. be.p

Copyright © Deister- und Weserzeitung 2018
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

Mehr Artikel zum Thema
Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Anzeige
    Kommentare