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Noten für die Qualität in Pflegeheimen sind umstritten / Jeder sollte selbst eine Bewertung treffen

Auch der persönliche Eindruck zählt

Gut betreut im Alter: Die Qualität von Pflegeheimen wird derzeit aktiv getestet. Auf www.heimverzeichnis.de zum Beispiel sind die Bewertungen der Pflegeheime einsehbar. Doch die Noten allein sind nicht entscheidend, monieren jetzt Experten und kritisieren die teils umstrittenen Bewertungskriterien. Der direkte und persönliche Eindruck und viele subjektive Faktoren sind mindestens ebenso wichtig. Darauf weist Mike Ullrich, Geschäftsführer von Wohnen-im-Alter.de, hin.

veröffentlicht am 05.05.2010 um 16:37 Uhr

Ist ein Pflegeheim gut oder schlecht? Pflegenoten sollen Aufschl

Ob durch die Bundesinteressenvertretung der Nutzerinnen und Nutzer von Wohn- und Betreuungsangeboten im Alter und bei Behinderung (kurz: BIVA) sowie durch andere unabhängige Institutionen und Verbände – die Marschrichtung lautet: Mehr Transparenz durch Pflegenoten. Geht es nach dem Medizinischen Dienst der Krankenversicherung, entscheidet künftig die Note darüber, ob die Qualität eines Pflegeheims als gut, durchschnittlich oder gar mangelhaft zu bewerten ist. Anhand eines 64 Punkte umfassenden Kriterienkataloges vergeben die Qualitätsprüfer des MDK Punkte für die Leistungen und Angebote der Einrichtungen, darunter für „Pflege und medizinische Betreuung“ oder „Soziale Betreuung und Alltagsgestaltung“. Von der erreichten Punktzahl hängt ab, welche Durchschnittsnote ermittelt wird – eine Vorgehensweise, die sich an der Dokumentation der einzelnen Vorgänge in den Heimen orientiert.

Mehr Sorgfalt in den Aufzeichnungen wird also nötig, was oftmals zu Lasten der eigentlichen Pflege geht. Eine Tatsache, die bei zahlreichen Einrichtungsleitern Unmut auslöst, sind die personellen und materiellen Kapazitäten doch ohnehin in vielen Fällen eingeschränkt. Darüber hinaus bildet die errechnete Gesamtnote einen Durchschnittswert aus allen geprüften Faktoren. Auch wenn sich Detailbewertungen nachlesen lassen, sind zumindest auf den ersten Blick Verzerrungen hinsichtlich der Qualität möglich, wenn der sachgemäße Umgang mit Medikamenten etwa mit der guten Lesbarkeit des Speiseplans verrechnet wird.

Kein Wunder, dass immer mehr Kritik an den Pflegenoten laut wird und Klagen gegen die Veröffentlichung der Transparenzberichte ins Rollen kommen. Dabei sind noch längst nicht alle Einrichtungen evaluiert: Von den bundesweit rund 12 000 Pflegeheimen wurden bis Ende des vergangenen Jahres erst 1057 geprüft. Fraglich ist überdies, ob die Bewertung nach dem Schulnotenprinzip Senioren und Angehörigen tatsächlich hilft, die geeignete Einrichtung zu finden. Denn selbst das Heim mit der besten Note muss für den Einzelnen nicht das richtige sein, da die standardisierten Einschätzungen nicht zwingend den realen Heimalltag abbilden.

„Wir empfehlen daher unbedingt, die Angebote hinsichtlich der persönlichen Bedürfnisse zu vergleichen. Das können ein besonderes Pflegekonzept, spezielle Freizeitangebote oder einfach die räumliche Nähe zur Familie sein“, erklärt Mike Ullrich, Geschäftsführer von Wohnen-im-Alter.de. Das Online-Portal ermöglicht es Senioren und Angehörigen, die für sie passenden Einrichtungen zu finden. Gleichzeitig erhalten Betreiber von Pflegeheimen und betreuten Wohneinrichtungen die Möglichkeit, ihre Dienstleistungen anschaulich zu präsentieren. „In den meisten Fällen können Interessenten auch einen Zeitraum zum Probewohnen in den Einrichtungen vereinbaren. Denn zu guter Letzt entscheidet noch immer der unmittelbare Eindruck vor Ort, auf welches Heim die Wahl fällt“, so Mike Ullrich.



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