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Freiwillige Feuerwehr klagt über antiquierte Ausrüstung

Leben retten mit Uralt-Fahrzeugen

HESSISCH OLDENDORF. Leben retten mit Uralt-Fahrzeugen? In Hessisch Oldendorf ist das Alltag. Die Freiwillige Feuerwehr klagt über antiquierte Ausrüstung, zahlreiche Fahrzeuge im gesamten Stadtgebiet sind mehr als 25 Jahre alt.

veröffentlicht am 24.10.2017 um 17:09 Uhr
aktualisiert am 07.12.2017 um 12:54 Uhr

Zwar hat das Fahrzeug, Baujahr 1965, schon viele Jahre auf dem Buckel, trotzdem ist es der einzige fahrbare Untersatz der Feuerwehr Weibeck. Bei Einsätzen wird es noch regelmäßig genutzt. Foto: ube
Jens Spickermann

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Kuba-Urlauber sind meist von den Oldtimern begeistert, die mit mehr als 50 Jahren auf dem Buckel immer noch durch die Straßen Havannas tuckern – für die Einheimischen ist es lediglich eine unerfreuliche Notwendigkeit, uralte Karren behelfsmäßig wieder flott zu machen.

In Weibeck verhält sich die Situation gar nicht grundlegend anders: Das alte Mercedes-Einsatzfahrzeug der Freiwilligen Feuerwehr, Baujahr 1965, versprüht den Charme eines gut erhaltenen Oldtimers. Doch das Fahrzeug ist kein Ausstellungsstück, sondern wird bei jedem Einsatz der Ortsfeuerwehr Weibeck genutzt – es ist dort nämlich der einzige fahrbare Untersatz. Fehlende Kopfstützen, Sicherheitsgurte, Servolenkung und ein alter Dieselmotor, der vorgeglüht werden muss und etwas schwach auf der Brust ist – das sind die negativen Seiten des Retro-Gefährtes. Wohl nur, weil der Weibecker Feuerwehr-Chef bei Mercedes arbeite, deshalb selbst einiges reparieren könne und quasi an der Quelle für Ersatzteile sitze, könne das Fahrzeug überhaupt noch benutzt werden, sagt Stadtbrandmeister Karsten Redeker.

Die Feuerwehr leidet unter Geld- und in der Folge Materialmangel. Das uralte Einsatzfahrzeug der Weibecker Feuerwehr ist dabei nur die Spitze des Eisbergs: Zahlreiche Fahrzeuge im gesamten Stadtgebiet sind mehr als 25 Jahre alt. Eines von drei unverzichtbaren Tanklöschfahrzeugen, die nicht nur löschen können, sondern auch einen Wassertank an Bord haben, ist inzwischen 28 Jahre alt, ein anderes Löschfahrzeug ohne Tank ist sogar ein Jahr älter. Beide müssten bald ersetzt werden, denn die Fahrzeuge seien eigentlich nur auf eine Lebensdauer von 25 Jahren angelegt, sagt Redeker. Das Problem: Mit einem Stückpreis von etwa 250 000 Euro würden sie in die klammen Finanzen der Stadt ein ordentliches Loch reißen. In der Diskussion ist nun, 100 000 Euro, die ursprünglich für die Beteiligung der Stadt in eine Wohnungsbaugesellschaft eingeplant waren, für die Feuerwehr zu verwenden. Bei dem hohen Investitionsbedarf, der sich über die Jahre angehäuft hat, wäre eine Lösung der Probleme trotzdem noch in weiter Ferne.

Dieses Löschfahrzeug der Hessisch Oldendorfer Feuerwehr ist inzwischen 28 Jahre alt. Foto: jsp
  • Dieses Löschfahrzeug der Hessisch Oldendorfer Feuerwehr ist inzwischen 28 Jahre alt. Foto: jsp

„Ein großes Problem ist die Beschaffung von Ersatzteilen“, klagt Redeker. Das sei selbst bei Fahrzeugen manchmal schwierig, die erst zehn Jahre auf dem Buckel haben. Sie halten zwar ziemlich lange – aufgrund der kurzen Wege im Stadtgebiet hat selbst das lang bewährte Vehikel von 1965 hat erst 30 400 Kilometer auf dem Tacho – doch der Zahn der Zeit nagt trotzdem an den Gefährten und gefährdet letztendlich die Einsatzfähigkeit. Bei der Feuerwehrbedarfsplanung musste der Stadtbrandmeister deswegen 500 000 Euro für das nächste Jahr und 700 000 Euro für das übernächste Jahr veranschlagen, um die nötigsten Anschaffungen tätigen zu können. Der Grund sei einerseits ein Investitionsstau, andererseits seien beispielsweise 1989 gleich fünf Fahrzeuge angeschafft worden, die natürlich gleichzeitig altern würden, so Redeker. Momentan sei die Einsatzfähigkeit der Feuerwehr aber noch gegeben. „Meine Aufgabe ist dafür zu sorgen, dass das auch so bleibt“, sagt Redeker. Besonders uneingeschränkt funktionsfähige Tanklöschfahrzeuge seien „taktisch unbedingt nötig“. Denn wenn es in den ländlichen Außenbezirken mal brenne, sei vor allem im Sommer nicht immer Wasser vor Ort vorhanden. Probleme gibt es jedoch nicht nur bei der Mobilität der Feuerwehr, auch viele der Helme müssten eigentlich durch neuere Modelle mit waschbaren Innenteilen ersetzt werden. „Man hat verstanden, dass wir mehr Geld brauchen“, sagt Redeker und freut sich über einige vielversprechende Rückmeldungen aus der Politik und der Verwaltung. Ob am Ende aber tatsächlich genug Geld in die Hand genommen wird, um den Investitionsstau bei der Feuerwehr abzubauen, bleibt abzuwarten.

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