weather-image
Klein Berkels Kameraden am Limit

Feuerwehr in Not

KLEIN BERKEL: Es geht um viel bei den Feuerwehren: Fusionen, bessere Ausstattung, Brandschutz, Nachwuchsprobleme – Themen, die die Brandschützer und die Bevölkerung, die Politik und die Verwaltung beschäftigen. Auch unsere Zeitung beschäftigt sich in loser Reihenfolge damit. Heute: Die Freiwillige Feuerwehr Klein Berkel

veröffentlicht am 06.12.2017 um 13:57 Uhr
aktualisiert am 07.12.2017 um 12:43 Uhr

Kommt dennoch irgendwann ein neues Feuerwehrhaus für Klein Berkels Feuerwehr? Foto: Dana
Dorothee Balzereit

Autor

Dorothee Balzereit Reporterin / ViaSaga zur Autorenseite
Weiterlesen für 20 Cent oder mit Ihrem Digital-Abo
Sie haben bereits ein Digital-Abo der DEWEZET? Dann melden Sie sich hier mit Ihren DEWEZET -Login an und lesen Sie den Text, ohne Ihn bei LaterPay bezahlen zu müssen.

Die Not der Feuerwehren wird auch in Hameln offensichtlicher: Die Zahl der Freiwilligen in der Ortsfeuerwehr Klein Berkel sinkt kontinuierlich und wird im nächsten Jahr gerade noch bei der geforderten Mindeststärke von 20 Aktiven in der Einsatzabteilung liegen. Das bestätigt Ortsbrandmeister Sascha Brockmann. Die Abteilung Recht und Sicherheit der Stadt Hameln hatte die Wehr im Frühjahr aufgefordert, bis zum Jahresende an dem Problem zu arbeiten.

Doch bisher scheint alle Mühe umsonst. „Wenn sich nicht in den nächsten vier Wochen etwas ändert, sind wir hart am Limit“, sagt Brockmann. Der Ortsbrandmeister und sein Team haben einiges versucht, haben Flyer verteilt und in einer Werbeaktion 550 „Haushaltslöschkübel“ verteilt, die notwendig werden könnten, wenn die Feuerwehr irgendwann nicht mehr kommt. 2000 Euro hat die Wehr dafür ausgegeben. Umsonst. Die Reaktion war quasi gleich null. Nur ein einziges Fördermitglied konnte gewonnen werden.

Brockmann macht das traurig. „Man muss aufpassen, dass man nicht selber resigniert.“ Der 40-Jährige ist seit seinem zehnten Lebensjahr dabei, ist in der Feuerwehr und im Ort verwurzelt. Doch das Miteinander im Ort ist aus seiner Sicht auf einem ähnlichen Weg. Es sterbe aus. „Es gibt ja nicht mal mehr eine Kneipe.“

Ortsbrandmeister Sascha Brockmann hat viel geworben für die Feuerwehr, Reaktionen gab es kaum. Foto Doro
  • Ortsbrandmeister Sascha Brockmann hat viel geworben für die Feuerwehr, Reaktionen gab es kaum. Foto Doro

Wenig Gemeinschaft im Ort, Jobs, die Flexibilität und weite Wege fordern, andere Angebote im Überfluss – da habe kaum noch einer Lust, zeitintensiven Dienst bei der Feuerwehr zu machen, nebenbei belastende Ereignisse zu verarbeiten und Bereitschaft zur Unzeit zu gewährleisten, vermutet Brockmann. Klein Berkel sei nur die Spitze des Eisbergs, sagt er. „Es wird nur nicht so darüber gesprochen.“ Auch Hameln habe weniger Leute als vor zehn Jahren.

Dabei läuft es in der Klein Berkels Jugendwehr gut. Das Problem taucht erst beim Übergang in die Einsatzabteilung auf. „Da können wir vormittags froh sein, wenn wir sechs Leute für die Staffel zusammenbekommen“, sagt Brockmann. „Wir bräuchten Leute, die im Schichtdienst arbeiten.“

Derzeit versehen 22 Kameraden ihren Dienst in der Wehr, darunter viele Ältere. Demnächst werden zwei Kameraden austreten – einer hat die Altersgrenze von 63 Jahren erreicht, der andere geht aus privaten Gründen.

„Die Überalterung ist ein weiteres Problem“, erklärt Brockmann. Ob die Maßnahme, die Altersgrenze von 63 auf 67 Jahre anzuheben, wie es die Neuauflage des Niedersächsischen Brandschutzgesetzes vorsieht, Abhilfe schaffen kann, sieht Brockmann kritisch.

Eine andere Hürde sind die Atemschutzgeräteträger, also Personen, die medizinisch als auch ausbildungsmäßig in der Lage sind, ein Atemschutzgerät zu tragen. Für die vier Geräte auf dem Wagen (Brockmann: „Das Minimum, das man haben sollte“)in Klein Berkel stehen eigentlich acht Kameraden zur Verfügung, doch vier davon sind nicht tauglich. Das gilt übrigens auch für Bartträger. Und Bart ist gerade ziemlich modern.

Einschränkungen auf persönlicher Ebene und die aufwendige Truppmannausbildung, die am Anfang des Dienstes in der Feuerwehr steht, tragen ebenfalls dazu bei, dass weniger kommen.

Aufgeben ist für Sascha Brockmann dennoch keine Alternative. Und hier und da gibt es auch Unterstützung. Zum Beispiel vom Ortsrat. Ortsbürgermeister Kurt Meyer-Bergmann bemühe sich um die Feuerwehr, sagt Brockmann. Es ist vereinfacht gesagt der Versuch, dörflichen Gemeinschaftswillen im Allgemeinen und die Lust auf Feuerwehr im Speziellen zu wecken. Da das eine mit dem anderen zusammenhängt, macht man sich Gedanken um gemeinsame Aktionen. So soll in Klein Berkel das erste Mal ein eigener Adventsmarkt um die Kirche im alten Dorf stattfinden. Die Feuerwehr wird dabei sein und werben.

Und wie passt zu alledem das neue Feuerwehrhaus für Klein Berkel, dessen Bau im Bedarfsplan für 2019 vorgesehen ist? Brockmann zuckt die Achseln. „Eine Streichung würde die Kameraden jedenfalls noch mehr demotivieren“.

Sollte der Bau um drei Jahre nach hinten verschoben werden, bliebe den Klein Berkelern zumindest eine Galgenfrist, um sich weiter zu sortieren. Bei der Stadt hält man sich derweil noch bedeckt. Zur Feuerwehr Klein Berkel möchte man sich erst 2018 äußern, wenn alle Zahlen vorliegen. Für den Ernstfall sei Klein Berkel aber abgesichert. Falls Kräfte fehlen, würden diese durch die Ortsfeuerwehr Hameln und die Hauptberufliche Wachbereitschaft unterstützt.

Mein Standpunkt
Dorothee Balzereit
Von Dorothee Balzereit

Klein Berkel ist kein Einzelfall, die Ortsstruktur offenbart die Probleme nur eher als kleinere Dörfern, die weniger „Schlafstadt“ sind. Es wird Zeit, über neue Lösungen nachzudenken – und wenn es die Zusammenlegung mit der Hamelner Wehr bedeutet. Vielleicht könnte Klein Berkel dennoch ein eigenständiger Zug bleiben?

Copyright © Deister- und Weserzeitung 2017
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Kommentare